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Online-Kriminalität weiter auf dem Vormarsch

Kriminalstatistik Online-Kriminalität weiter auf dem Vormarsch

Das Internet ist kein sicherer Ort: Laut der neuen Kriminalstatistik ist die Zahl der Straftaten im Netz wieder deutlich gestiegen. Die Kriminellen sind inzwischen vor allem nach Nutzerdaten aus und nehmen dabei verstärkt die boomenden Online-Netzwerke ins Visier.

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Angesichts der vielen Gefahren aus dem Netz wächst auch die Angst der Nutzer.

Quelle: dpa

Berlin. Die Online-Kriminalität ist in Deutschland weiter auf dem Vormarsch. Die Zahl der Straftaten, in denen das Internet genutzt wurde, stieg im vergangenen Jahr laut Polizeistatistik um ein Fünftel auf 250 000 Fälle, sagte der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Jörg Ziercke, am Donnerstag in Berlin. Er forderte abermals einen Zugriff auf Verbindungsdaten, weil sonst keine wirkungsvollen Ermittlungen möglich seien.

Tatsächlich gebe es angesichts einer hohen Dunkelziffer aber noch 50 bis 60 Prozent mehr Fälle, warnte Ziercke. Der registrierte Schaden aller Cybercrime-Delikte stieg nach BKA-Zahlen um zwei Drittel auf 61,5 Millionen Euro. „Der Trend geht zum Ausspähen persönlicher Daten und Passwörter“, sagte der Präsident des IT-Branchenverbandes Bitkom, Dieter Kempf. „Soziale Netzwerke werden verstärkt für personalisierte Angriffe genutzt.“

Die bevorzugte Waffe der Kriminellen sind sogenannte Botnets - Netze aus hunderttausenden oder millionen gekaperten Computern, die ohne das Wissen ihrer Besitzer zusammengeschaltet werden. Aus diesen Botnets heraus werden dann zum Beispiel Spam- und Phishing-Mails versendet, mit denen Angreifer an Nutzerdaten herankommen wollen. „Die Jagd nach der digitalen Identität ist in vollem Gange“, mahnte Ziercke.

Angesichts der vielen Gefahren aus dem Netz wächst auch die Angst der Nutzer. Fühlten sich 2010 bereits 75 Prozent bedroht, sind es inzwischen 85 Prozent, wie Umfragen im Auftrag des Bitkom ergaben. Dabei wollten zwar 80 Prozent mehr staatlichen Schutz im Internet - die gescheiterte Vorratsdatenspeicherung gehört aber nicht dazu. „Nicht einmal jeder dritte befürwortet eine Speicherung der Zugangsdaten“, sagte Kempf.

Das Bundesverfassungsgericht hatte die alte Regelung zur Vorratsdatenspeicherung, nach der Telefon- und Internetverbindungsdaten zur Kriminalitätsbekämpfung ein halbes Jahr lang gespeichert werden darf, im März 2010 verworfen. Die Neuregelung ist ein Streitpunkt in der schwarz-gelben Bundesregierung: Die für das Thema zuständige Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) hatte zwar einen Gesetzentwurf vorgelegt, den die Unionsparteien aber nicht mittragen.

Ziercke betonte erneut, dass den Ermittlungsbehörden die Hände gebunden seien, wenn die Computer nicht zuordnen können. „Wer im virtuellen Bereich aufklären will, braucht IP-Adressen und Verbindungsdaten“, sagte er. Die Aufklärungsquote betrage bei Internet-Straftaten lediglich 30 Prozent. „Wir könnten mehr aufklären“ - und das habe die Polizei auch getan, bis die Vorratsdatenspeicherung nach dem Urteil des Bundesverfassungsgericht gekippt worden sei. Da die Täter davon ausgingen, dass sie nicht bestraft würden, werde die Online-Kriminalität noch zunehmen, warnte Ziercke.

frx/dpa

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