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Mutmaßliches Vergewaltigungsvideo gelöscht

Gina-Lisa Lohfink Mutmaßliches Vergewaltigungsvideo gelöscht

Ein Video soll zeigen, wie die 29-jährige Gina-Lisa Lohfink von zwei Männern vergewaltigt wird. Der Clip wurde mehr als eine Million Mal angeklickt, bis er jetzt gelöscht wurde – und das auch nur auf Drängen von Journalisten.

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Gina-Lisa Lohfink vor dem Amtsgericht in Berlin: Nach einer mutmaßlichen Vergewaltigung wird ihr vorgeworden, gelogen zu haben.

Quelle: Klaus-Dietmar Gabbert

Hamburg. Das Video wurde vor vier Jahren aufgezeichnet und stand auf einer der größten Pornoseite weltweit: Pornhub. Der Clip soll beliebt gewesen sein: Er sei innerhalb eines Jahres mehr als eine Million Mal angeklickt worden, berichtete "Spiegel Online" am Freitag. Offenbar wollten viele Menschen sehen, wie Gina-Lisa Lohfink mutmaßlich von zwei Männern vergewaltigt wird – was sehr traurig wäre.

Seit Freitag wird es diesen Menschen etwas schwieriger gemacht: Nach einer Anfrage von "Spiegel Online" habe Pornhub das Video gelöscht, berichtete das Magazin. Den Journalisten teilte ein Mitarbeiter der Pornoseite demnach mit: "Wir haben schnell reagiert, so wie wir es immer tun, um Inhalte zu entfernen, die gegen unsere Geschäftsbedingungen verstoßen."

Mehrmals "Hört auf" gesagt

Diese Aussage des Pornhub-Mitarbeiters widerspricht den Angaben von "Spiegel Online". Demnach stand das Video ein Jahr online, und Nutzer der Seite wiesen auf die mutmaßliche Vergewaltigung in dem knapp zwei Minuten langen Clip hin.

Das Video wurde von den beiden mutmaßlichen Vergewaltigern angefertigt. In dem Clip sei zu hören, wie Gina-Lisa Lohfink wiederholt "Hör auf" sage, schreiben "Spiegel Online" und andere Medien. Außerdem wirke die Frau betäubt.

Das passt zu dem, was das Model, das durch die ProSieben-Show "Germany's next Topmodel" bekannt wurde, über die Nacht erzählt: Sie sei morgens aufgewacht und habe nicht gewusst, was mit ihr passiert sei. Erst als sie selbst das Video von sich und den Männern sah, habe sie verstanden, was ihr angetan worden sei.

Anzeige gegen die Männer erstattet

Lohfink hatte die Männer in einem Club getroffen. Alkohol sei getrunken worden. Sie könne sich noch an ein Mädchen russischer Herkunft erinnern. "Danach setzt meine Erinnerung fast vollständig aus", ließ sie Anfang Juni über einen ihrer beiden Verteidiger erklären.

"Es ist wie ein Filmriss." Sie habe sich später gefühlt, als wären ihr K.O.-Tropfen verabreicht worden. Nach und nach aber seien Erinnerungen zurückgekommen. "Hört auf", habe sie gefleht und nach der Polizei geschrien.

Später erstattete Gina-Lisa Lohfink Anzeige. Sie sei gegen ihren Willen mehrfach zum Geschlechtsverkehr gezwungen worden und habe vermutlich durch K.O.-Tropfen einen Filmriss gehabt, soll sie bei der Polizei zu Protokoll gegeben haben.

Strafbefehl für Gina-Lisa Lohfink

In einem Verfahren gegen die beiden Männer erhärteten sich die Vergewaltigungsvorwürfe allerdings nicht. Stattdessen erhielt Gina-Lisa Lohfink einen Strafbefehl von der Justiz. 24.000 Euro sollte sie wegen mutmaßlicher Falschaussage zahlen – legte aber Einspruch ein.

Deshalb steht jetzt die Frau vor Gericht, die mutmaßlich vergewaltigt worden ist. Anfang Juni begann der Prozess vor dem Amtsgericht Berlin, Ende des Monats soll er fortgesetzt werden.

Sie habe sich nichts vorzuwerfen und sehe sich "ausschließlich als Geschädigte in dem Verfahren", ließ Gina-Lisa Lohfink über ihren Anwalt mitteilen. Die Videosequenzen zeigten eindeutig ein Handeln, das sie nicht gewollt habe.

Reform des Sexualstrafrechts gefordert

Viele Menschen solidarisieren sich mittlerweile mit Gina-Lisa Lohfink - auf Twitter unter dem Hashtag #TeamGinaLisa und auf anderen Seiten. "Warum wir zu Gina-Lisa Lohfink halten sollten", schrieb zum Beispiel Helen Hahne auf der Seite "Edition F".

Der Fall von Gina-Lisa Lohfink zeige einmal mehr, wie dringend das Sexualstrafrecht überarbeitet werden müsse. "Immer noch reicht ein verbal ausgesprochenes: 'Nein!' nicht aus, um eine Vergewaltigung auch juristisch als eben diese behandeln zu können", kritisierte die Autorin.

Mittlerweile schaltete sich Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) in die Debatte ein, wie "Spiegel Online" berichtet. Die SPD-Politikerin bekräftigte ihre Forderung nach einer Verschärfung des Sexualstrafrechts. 

RND/wer

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