Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
"Internetpranger stellen Menschen bloß"

Kritik von Rechtsextremismusexperten "Internetpranger stellen Menschen bloß"

Blogs wie "Perlen aus Freital" sammeln Posts von fremdenfeindlichen Facebook-Nutzern, deren Namen und Arbeitgeber. Ein legitimes Mittel? Nein, findet Timo Reinfrank, Geschäftsführer der Amadeu-Antonio-Stiftung. "Die Internetseiten bedienen sich dabei der Methoden des Neonazis."

Voriger Artikel
Was es bringt, wenn Kalkofe für Toleranz wirbt
Nächster Artikel
Youtube plant Paywall

"Klarnamen und Profilbild zu veröffentlichen, lehnen wir grundsätzlich ab", sagte Timo Reinfrank von der Amadeu-Antonio-Stiftung.

Quelle: Screenshot "Perlen aus Freital"

Hannover. Weil Facebook die Internethetze nicht löscht, veröffentlicht der Blog "Perlen aus Freital" fremdenfeindliche Facebook-Posts – mit dem Klarnamen und teils dem Arbeitgeber der Urheber. Das hat weitreichende Folgen: Einige Männer haben bereits ihre Jobs verloren. Wie ist dieser Aktionismus einzuordnen? Kritisch, findet Timo Reinfrank, Geschäftsführer der Amadeu-Antonio-Stiftung, eine der führenden Protagonistinnen gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit. 

In Blogs wie „Perlen aus Freital“ werden Menschen, die sich fremdenfeindlich äußern, an den Pranger gestellt. Oder handelt es sich um einen legitimen Weg, Rechtradikale zu enttarnen?

Internetseiten wie „Perlen aus Freital“ picken sich einzelne Menschen raus und stellen sie bloß. Das mit Klarnamen und Profilbild zu tun, lehnen wir grundsätzlich ab. Angesichts der heftigen rassistischen Äußerungen online ist es nachvollziehbar, die Hetzer zur Rechenschaft ziehen zu wollen. Aber dabei bedient man sich der Methoden der Neonazis. Rechtsextreme verwenden oft Internetpranger, etwa um Menschen als Sexualstraftäter bloßzustellen.

Timo Reinfrank, Geschäftsführer der Amadeu-Antonio-Stiftung.

Quelle: Jan Rot

Einige Unternehmen haben auf die Hassposts ihrer Mitarbeiter reagiert und sie gefeuert. Provoziert dieser Schritt nicht eine noch radikalere Reaktion? Geben Unternehmen zu viel auf ihre Reputation?

Nein, es ist absolut richtig, dass Unternehmen bekennende Rassisten feuern. Die Firmen stehen in der Öffentlichkeit und müssen dementsprechend verantwortungsvoll handeln. Bei überzeugten Rassisten muss die Gesellschaft klare Kante zeigen. Leute, die denken, sei könnten unter Klarnamen die Sau rauslassen, müssen die Grenzen zu spüren bekommen.

Aber was kann man tun, wenn Facebook nur ungenügend gegen die Hassposts seiner Nutzer vorgeht?

Man kann sich nicht allein auf Facebook und Twitter verlassen, wenn es um die Bekämpfung von Rechtsextremen geht. Das Problem ist, dass Polizei und Strafverfolgung nicht in der Lage sind, gegen alle Internethetzer vorzugehen und dass Arbeitgeber teilweise weggucken. Wichtig ist, bei rassistischen Parolen zu widersprechen und sie nicht unkommentiert zu lassen. Hier sind alle User gefragt.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Presserat sieht keine ethischen Verstöße
Foto: Bei Facebook werden oft Hasskommentare gepostet.

Der umstrittene Facebook-Pranger der "Bild"-Zeitung ist aus Sicht des Presserats zulässig. Auch Beschwerden gegen die "Hier sprechen die Hassfratzen"-Aktion der "Huffington Post" wurden zurückgewiesen. Der Presserat sieht bei beiden Aktionen keine ethischen Verstöße.

mehr
Mehr aus Netzwelt
HAZ-Volontäre gewinnen Medienpreis der Architektenkammer

Mit ihrer multimedialen Berichterstattung über die Wasserstadt Limmer haben die Volontäre der HAZ beim Medienpreis der Bundesarchitektenkammer den ersten Platz belegt.

Datenschutz im Netz: Diese Begriffe sollten Sie kennen