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"Ich würde gerne noch einmal mit Merkel sprechen"

Nach Begegnung mit Kanzlerin "Ich würde gerne noch einmal mit Merkel sprechen"

Eine Woche ist die aufsehenerregende Begegnung mit Kanzlerin Angela Merkel her. Eine Woche, in der die 14-jährige Reem Sahwil Interviewanfragen aus der ganzen Welt bekommen hat. Nur Angela Merkel hat sich nicht noch einmal gemeldet. Dafür nimmt Reem jetzt Stellung zur Flüchtlingspolitik.

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Die Szene sorgte in Deutschland und in der Welt für Aufregung: Angela Merkel und Reem Sahwil.

Quelle: Youtube/NDR

Rostock. Die Bilder des weinenden Mädchens aus Rostock sind um die Welt gegangen. Aus der ganzen Welt hat die 14-jährige Reem Sahwil seitdem Interviewanfragen bekommen. „Die New York Times, der arabische Fernsehsender Al Jazeera und das libanesische Fernsehen wollten mich interviewen“, erzählt sie. „Das war schon stressig. Aber es ist auch schön, dass sich so viele Menschen für mich interessieren.“

Die Kanzlerin hingegen hat sich nicht mehr gemeldet. „Ich würde gerne noch einmal mit ihr sprechen“, sagt Reem. Dass Merkel sie zum Weinen gebracht hat, trägt Reem der Kanzlerin nicht nach. Merkel wurde von vielen Seiten dafür kritisiert und verhöhnt, dass sie unbeholfen versuchte, Reem zu trösten. Reem hingegen trägt es ihr nicht nach. „Frau Merkel hat im Fernsehen gesagt, man soll kein Drama daraus machen, dass sie mich gestreichelt hat. Ich finde, damit hat sie recht.“

"Man soll kein Drama aus der Sache machen"

Eigentlich interessiert sich Reem gar nicht für Politik. „Ich versuche, mich da rauszuhalten.“ Aber eine Sache bewegt sie dennoch sehr: „Ich finde es gemein, dass manche in Deutschland grundsätzlich gegen Flüchtlinge sind“, sagt die Schülerin. „Nicht alle Flüchtlinge wollen sich integrieren. Da kann ich auch verstehen, dass das viele nicht gut finden. Aber deswegen muss man doch nicht alle Flüchtlinge hassen.“

Privat schreibt Reem gerne Fantasy-Geschichten, sie backt Kuchen, geht Shoppen oder singt vor allem arabische Lieder: „An deutsche Musik habe ich mich noch nicht so gewöhnt.“ Dabei versteht sie die Texte problemlos. In Deutsch hatte sie gerade als einzige in ihrer Klasse eine Eins im Zeugnis. Ab nächstem Schuljahr lernt sie auch noch Französisch, freut sich Reem schon. Mit ihrer Liebe zu Sprachen würde sie später auch gerne in Deutschland ihr Geld verdienen: „Ich möchte Lehrerin oder Dolmetscherin werden“, verrät sie.

Hier finden Sie das Video von der Begegnung mit Angela Merkel.

Ob ihre Familie aber überhaupt in Deutschland bleiben kann, ist ungewiss. Seit vier Jahren ist Reem hier. Ihre Gehbehinderung konnte im Libanon, wo die Sahwils in einem Flüchtlingslager lebten, nicht behandelt werden, so bekam sie ein Krankenvisum.

Wegen der Förderung, die Reem in Deutschland bekommt, stehen ihre Chancen, ein selbständige Leben zu führen, besser als im Libanon. Das werde im Umgang mit ihrer Behinderung sichtbar, sagt Reem. "Im Libanon wurde darüber einfach nicht gesprochen." In Rostock geht sie an eine integrative Schule. Auch die Natur hierzulande gefällt Reem gut. "Alles ist so grün und das Meer ist nicht so salzig wie im Libanon." Nicht so richtig anfreunden kann sie sich dagegen mit der deutschen Küche: „Ich mag eigentlich nur Eierkuchen und Nudeln mit Tomatensoße. Sonst esse ich lieber, was meine Mutter kocht.“

Reems Verwandten im Libanon gehe es nicht gut, berichtet sie. „Sie bekommen dort keine richtige medizinische Versorgung, dürfen nur bis zur zehnten Klasse zur Schule und können sich nicht frei bewegen.“ Ihr größter Wunsch ist daher, dass die ganze Familie nach Deutschland kommen könnte. „Dann müsste ich mir keine Sorgen mehr um sie machen. Hier ist es sicher“, glaubt Reem.

Axel Büssem

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