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"Aktivisten, gründet eine Firma!"

Sascha Lobo auf der re:publica "Aktivisten, gründet eine Firma!"

Was hat er nicht alles versucht. Aber verhindern konnte er die Vorratsdatenspeicherung nicht. Trotzdem will sich Sascha Lobo seinen Optimismus nicht nehmen lassen. Trotz all der Gefahren, die er für die Gesellschaft sieht.

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Blogger und Journalist Sascha Lobo auf der Internetkonferenz re:publica in Berlin (Archivbild).

Quelle: Britta Pedersen/dpa

Berlin. Der Zustand von Internet und Gesellschaft ist nicht gut, konstatiert Sascha Lobo am Ende des ersten re:publica-Tages. Der Terrorismus, den einige vor acht Jahren noch für eine Erfindung der Behörden gehalten hatten, käme immer näher. Rassistische und rechtsnationale Parteien seien auf dem Vormarsch, erzielten Erfolge auch mit Hilfe von Social Media. Er rät daher allen Netzaktivisten, unternehmerisch tätig zu werden, um Fortschritt und Gesellschaft mitzugestalten statt die Verhältnisse immer nur zu bekritteln.

Ein Jahr lang hatte er ausgesetzt, nun ist Lobo – der sich mittlerweile vom Blogger zum Kolumnisten, Nicht-mehr-nur-Interneterklärer, Autoren und begehrten Redner gewandelt hat – wieder auf der re:publica, um seinem Publikum ins Gewissen zu reden. Dieses Mal unter dem Motto "The Age of Trotzdem". Rückblickend erinnert sich der 40-Jährige: "Das haben wir gewollt: Eine bessere Welt per Internet. Das hat nicht geklappt." Die jetzige Lage sei, "eher so mittel".

Lobo: "Wir sind die Digitally Lost Generation"

Als Beispiel dafür nennt er die Vorratsdatenspeicherung. Er habe 82 Artikel dagegen geschrieben und sie sei trotzdem eingeführt worden. "Wir sind die Digitally Lost Generation", sagt Lobo in Anspielung auf das berühmte Gertrude-Stein-Zitat. Zermürbt und erschöpft seien viele Blogger.

Verstärkt werde dieses Ohnmachtsgefühl noch dadurch, dass die politische Rechte sich mittlerweile erfolgreich der Mechanismen des Netzes bediene. "Wir können das Tor nicht mehr schließen", beschreibt es Lobo. Er wolle sich aber seinen Optimus dennoch nicht nehmen lassen – "trotzdem".

Das Wörtchen "trotzdem" lässt Lobo mehrmals vom Publikum laut rufen, baut es immer wieder in seinen Vortrag ein, in der Hoffnung, dass es auch dann immer wieder laut gerufen wird. Das klappt nicht so ganz. Denn Lobo ist zwar ein guter Rhetoriker, sein Publikum aber keine blind-begeisterungsfähige Masse wie im us-amerikanischen Bibel-TV.

Die drei Start-up-Wünsche des Bloggers

Lobo streift zahlreiche Probleme – vom stockenden Ausbau der Glasfaserversorgung, der verschlafenen Elektroauto-Entwicklung bis zum Rassismus in Frauke-Petry-Zitaten. Seine Idee, aktiv an der Verbesserung gesellschaftlicher Verhältnisse mitzuwirken, ist wirtschaftlicher Art. Es brauche Unternehmen und Unternehmer gegen bestehende kapitalistische Player und auch gegen rechts. "Wenn sich der Fortschritt nicht aufhalten lässt, muss man ihn gestalten", mahnt Lobo.

Halb scherzhaft hat er auch gleich drei Start-up-Wünsche mitgebracht: Lobo wünscht sich eine neue Suchmaschine ("ernsthaft!"), Snapchat für Erwachsene und einen funktionierenden Ersatz von iTunes auf allen Plattformen. Vor allem, als er sich in seine Wut über Apples fehleranfällige Software iTunes steigert, hat Lobo die Lacher auf seiner Seite. Doch wenn er sagt: "Werdet unternehmerische Aktivisten. Werdet endlich aktiv, damit die Generation nach uns in einer menschenwürdigen Gesellschaft aufwächst", dann ist Lobo das ganz offensichtlich sehr ernst.

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