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"Hier könnte ein Nazi hängen"

Umstrittenes Wahlplakat von Satirepartei "Hier könnte ein Nazi hängen"

In Berlin hat der Wahlkampf begonnen, auch die Satirepartei "Die Partei" wirbt um die Stimmen der Menschen – mit dem Wahlplakat: "Hier könnte ein Nazi hängen." Die Aufregung nimmt Parteichef Martin Sonneborn gelassen.

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Wortspiel oder Aufruf zum Mord? Die Satirepartei "Die Partei" zieht mit einem umstrittenen Plakat in den Wahlkampf ums Berliner Abgeordnetenhaus. Der Grünen-Politiker Georg Kössler ließ sich damit fotografieren, sein Parteifreund Reinhard Bütikofer kritisierte dagegen das Plakat.

Quelle: Twitter/Georg Kössler/Die Partei

Berlin. Die Satirepartei provoziert gerne. Im November verkaufte sie zum Beispiel 100-Euro-Scheine zum Preis von 80 Euro, um auf Fehler in der Parteienfinanzierung hinzuweisen. Natürlich hängt "Die Partei" auch keine klassischen Wahlplakate auf, wenn die Berliner das Abgeordnetenhaus neu wählen dürfen. Das überlässt sie der Konkurrenz.

Dagegen ließ "Die Partei" auf ihre Wahlplakate drucken: "Hier könnte ein Nazi hängen." Um eine möglichst große Aufmerksamkeit zu erreichen, veröffentlichten die Mitglieder der Satirepartei auf Twitter und Facebook Fotos von den Plakaten und verbanden sie mit dem Hashtag "#NaziHaengen".

Man könnte es als Wortspiel interpretieren: An der Stelle, an der "Die Partei" ihre Plakate aufgehängt hat, würden sonst unter anderem Plakate von rechtsextremen Parteien hängen und vielleicht das Gesicht eines ihrer Politiker zeigen. Viele Menschen finden den Slogan trotzdem nicht lustig. Auf Facebook und Twitter ist eine Diskussion darüber entbrannt, ob "Die Partei" zu Gewalt aufruft.

"Ich finde das Wortspiel gar nicht lustig"

"Das ist geschmacklos und würde man 'Nazi' durch irgendeine andere Personengruppe (Flüchtling, Jude, Kommunist, etc.) ersetzen, würde es (zu Recht) Anzeigen und Empörungen von den Leuten hageln, die über dieses Plakat lachen", schreibt ein Nutzer auf der Facebook-Seite der Partei. "Ich finde das Wortspiel gar nicht lustig", meinte der Grünen-Politiker Reinhard Bütikofer auf Twitter. Warum, ließ er dann auch direkt verlauten: "Trägt zur Verrohung der Sitten bei."

"Die Partei" reagiert auf die Kritik allerdings gelassen. "Zur Gewalt rufen wir nicht auf, da hatten wir bereits aggressivere Plakate", schrieb Parteichef Martin Sonneborn auf Nachfrage und nannte Beispiele aus dem Bundestagswahlkampf 2013, als die Partei versprach: "Wenn Sie uns wählen, lassen wir die 100 reichsten Deutschen umnieten". Und: "Wenn wir an die Macht kommen, ist die Steinbach tot!"

Sonneborn: Es waren noch Varianten im Gespräch

Außerdem sei das Plakat "eine PARTEI-typische Abgrenzung und Denunzierung von Bevölkerungsgruppen, die uns sowieso nicht wählen". Es seien auch noch andere Slogans im Gespräch gewesen, erklärte Sonneborn: "'Hier könnte ein AfD-Landesvorsitzender hängen' oder 'Hier könnte Sigmar Gabriel nicht hängen (zu schwer)!'"

Auf Twitter und Facebook fragten Nutzer, ob Wahlplakate von der Landeswahlleiterin in Berlin genehmigt werden müssten. Nein, das gehöre nicht zu ihren Aufgaben, erklärte sie auf Anfrage und verwies an die Polizei. "Sollten mit Plakaten oder generell mit Wahlwerbung Straftatbestände erfüllt werden, besteht die Möglichkeit der Strafanzeige bei der Polizei."

RND/wer

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