Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Netzwelt Verwendungszweck: Bank versteht keinen Spaß
Nachrichten Medien Netzwelt Verwendungszweck: Bank versteht keinen Spaß
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:03 01.10.2015
Wenn sie Geld überweisen, schreiben viele Bank-Kunden unter Verwendungszweck so etwas wie „Sexuelle Gefälligkeiten“, „Spenderniere“ oder "Waffenfähiges Plutonium". Sie riskieren, dass ihnen das Konto gekündigt wird. Quelle: Federico Gambarini/dpa/Symbolbild
Anzeige
Hannover

Die comdirect Bank reagierte schnell. Mittwochabend schickte Jan Höffmann eine Überweisung über einen Euro ab. Unter Verwendungszweck schrieb er: "Waffenfähiges Plutonium". Am Donnerstagmorgen bekam er Post von seiner Bank: Sie kündigte dem Juso-Vorsitzenden aus Cloppenburg die gesamte Kontoverbindung.

Der Verwendungszweck war ein Scherz gewesen. Höffmann hatte ausprobieren wollen, ob seine Bank tatsächlich liest, was er da schreibt. Der Twitter-Nutzer Z4PP3D hatte das behauptet: Er hatte das Schreiben einer Bank veröffentlicht. Darin hatte sie erklärt, warum sie eine Überweisung über 40,02 Euro ablehnt – wegen des Verwendungszwecks: "Waffenfähiges Plutonium".

"Ich habe mich getäuscht"

Als andere Twitter-Nutzer auf das Bild aufmerksam wurden, schrieben sie, was sie als Verwendungszweck angeben: „Sexuelle Gefälligkeiten“, „Spenderniere“, „Kopfgeld“ oder „Fifa Sonderzuwendung“. Dadurch wurde Jan Höffmann auf den Fall aufmerksam. Er habe sich nicht vorstellen können, dass seine Bank den Verwendungszweck liest – schließlich sei dieser ausschließlich für den Empfänger bestimmt. "Da habe ich mich wohl getäuscht, was mich erschreckt", sagte er auf Anfrage.

Er hätte gewarnt sein können. "Auch wenn wir davon ausgehen, dass der Verwendungszweck auch in Anbetracht des geringen Überweisungsbetrags scherzhaft gemeint ist, müssen wir dem Vorgang aufgrund gesetzlicher Verpflichtungen nachgehen", hatte die Bank Twitter-Nutzer Z4PP3D geschrieben. Verwendungszwecke dieser Art solle der Kunde doch bitte künftig unterlassen, sonst sähe sich die Bank veranlasst, ihn zu kündigen.

Kündigung wegen Unfugs

Im schlimmsten Fall kommt sogar nicht nur eine Mahnung per Post, sondern die Kriminalpolizei nach Hause. Denn die meisten Banken prüfen eingehende Überweisungen mithilfe einer Software auf auffällige Summen und Begriffe. Sie sind dazu verpflichtet. Das verlangt das Kreditwesengesetz von ihnen. Dadurch sollen Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung oder sonstige strafbare Handlungen verhindern werden.

Ein Großteil der Transaktionen wird deshalb von einem Kontrollprogramm durchleuchtet – manche, vor allem kleinere regionale Banken, führen auch nur Stichproben durch. Findet die Software eine Auffälligkeit, wird der Fall von einem Mitarbeiter geprüft. Besteht ein konkreter Verdacht, ist die Bank verpflichtet, die Polizei einzuschalten.

"Operation gelungen, Konto tot"

Nun kann bei einem kleinen Betrag davon ausgegangen werden, dass es sich nicht um den Handel mit „waffenfähigem Plutonium“ handelt, sondern um einen zynischen Scherz. Kein Krimineller würde seine Tat wohl auch so offensichtlich kennzeichnen. Wird es der Bank zu bunt, kann sie dem Kunden aber trotzdem wegen Unfugs kündigen.

Ist Jan Höffmann also selbst schuld? Der Kundenservice der bank schrieb ihm über Twitter, als er am Donnerstag die Kündigung veröffentlichte: "Dein Test war offensichtlich erfolgreich. Operation gelungen, Konto tot ;-)". UNd als er noch einmal nachfragte: "Wie du vermutlich weißt, war das Risiko & die Folgen solcher Verwendungszwecke gestern Thema in der Presse."

Auf Nachfrage wollte sich die comdirect wegen des Bankgeheimnisses nicht zu dem Fall äußern. Aber für für den kurzen Dialog auf Twitter entschuldigte sie sich. Nur ändere das nichts an den gesetzlichen Vorgaben, an die sie sich halten müsse.

Anne Grüneberg, Markus Werning

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Netzwelt Spekulationen um längere Tweets - Twitter-Nutzer kämpfen für 140-Zeichen-Limit

Es ist das Markenzeichen von Twitter: Nachrichten dürfen maximal 140 Zeichen lang sein. Allerdings könnte die Grenze bald fallen. ZDF-Nachrichtenmoderator Claus Kleber und andere Twitter-Nutzer drohen deshalb bereits mit ihrer Abmeldung.

01.10.2015
Netzwelt El Capitan ersetzt Yosemite - Neue Funktionen für Apples Mac

Am Mittwoch veröffentlicht Apple die neue Version seines Betriebssystems für Mac-Computer. Damit sollen die Nutzer besser in zwei Programmen gleichzeitig arbeiten können. Außerdem können sie ihrem Mac nun auch ausformulierte Fragen stellen.

30.09.2015
Netzwelt Schon Hundertausende Follower - Whistleblower Edward Snowden twittert jetzt

Er ist der berühmteste Whistleblower überhaupt. Seine Enthüllungen haben den mächtigen Geheimdienst NSA schwer ins Straucheln gebracht. Nun ist Edward Snowden höchstpersönlich auch auf Twitter unterwegs - und plaudert, wie gewohnt, munter drauflos.

29.09.2015
Anzeige