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Verwendungszweck: Bank versteht keinen Spaß

Kunde wird das Konto gekündigt Verwendungszweck: Bank versteht keinen Spaß

"Waffenfähiges Plutonium": Beim Verwendungszweck einer Überweisung sollten sich Bankkunden besser keinen Scherz erlauben. Ein Mann aus Cloppenburg hat es ausprobiert. Die Bank kündigte ihm umgehend das Konto. Es hätte auch noch schlimmer kommen können.

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Wenn sie Geld überweisen, schreiben viele Bank-Kunden unter Verwendungszweck so etwas wie „Sexuelle Gefälligkeiten“, „Spenderniere“ oder "Waffenfähiges Plutonium". Sie riskieren, dass ihnen das Konto gekündigt wird.

Quelle: Federico Gambarini/dpa/Symbolbild

Hannover. Die comdirect Bank reagierte schnell. Mittwochabend schickte Jan Höffmann eine Überweisung über einen Euro ab. Unter Verwendungszweck schrieb er: "Waffenfähiges Plutonium". Am Donnerstagmorgen bekam er Post von seiner Bank: Sie kündigte dem Juso-Vorsitzenden aus Cloppenburg die gesamte Kontoverbindung.

Der Verwendungszweck war ein Scherz gewesen. Höffmann hatte ausprobieren wollen, ob seine Bank tatsächlich liest, was er da schreibt. Der Twitter-Nutzer Z4PP3D hatte das behauptet: Er hatte das Schreiben einer Bank veröffentlicht. Darin hatte sie erklärt, warum sie eine Überweisung über 40,02 Euro ablehnt – wegen des Verwendungszwecks: "Waffenfähiges Plutonium".

"Ich habe mich getäuscht"

Als andere Twitter-Nutzer auf das Bild aufmerksam wurden, schrieben sie, was sie als Verwendungszweck angeben: „Sexuelle Gefälligkeiten“, „Spenderniere“, „Kopfgeld“ oder „Fifa Sonderzuwendung“. Dadurch wurde Jan Höffmann auf den Fall aufmerksam. Er habe sich nicht vorstellen können, dass seine Bank den Verwendungszweck liest – schließlich sei dieser ausschließlich für den Empfänger bestimmt. "Da habe ich mich wohl getäuscht, was mich erschreckt", sagte er auf Anfrage.

 

Er hätte gewarnt sein können. "Auch wenn wir davon ausgehen, dass der Verwendungszweck auch in Anbetracht des geringen Überweisungsbetrags scherzhaft gemeint ist, müssen wir dem Vorgang aufgrund gesetzlicher Verpflichtungen nachgehen", hatte die Bank Twitter-Nutzer Z4PP3D geschrieben. Verwendungszwecke dieser Art solle der Kunde doch bitte künftig unterlassen, sonst sähe sich die Bank veranlasst, ihn zu kündigen.

Kündigung wegen Unfugs

Im schlimmsten Fall kommt sogar nicht nur eine Mahnung per Post, sondern die Kriminalpolizei nach Hause. Denn die meisten Banken prüfen eingehende Überweisungen mithilfe einer Software auf auffällige Summen und Begriffe. Sie sind dazu verpflichtet. Das verlangt das Kreditwesengesetz von ihnen. Dadurch sollen Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung oder sonstige strafbare Handlungen verhindern werden.

Ein Großteil der Transaktionen wird deshalb von einem Kontrollprogramm durchleuchtet – manche, vor allem kleinere regionale Banken, führen auch nur Stichproben durch. Findet die Software eine Auffälligkeit, wird der Fall von einem Mitarbeiter geprüft. Besteht ein konkreter Verdacht, ist die Bank verpflichtet, die Polizei einzuschalten.

"Operation gelungen, Konto tot"

Nun kann bei einem kleinen Betrag davon ausgegangen werden, dass es sich nicht um den Handel mit „waffenfähigem Plutonium“ handelt, sondern um einen zynischen Scherz. Kein Krimineller würde seine Tat wohl auch so offensichtlich kennzeichnen. Wird es der Bank zu bunt, kann sie dem Kunden aber trotzdem wegen Unfugs kündigen.

 

Ist Jan Höffmann also selbst schuld? Der Kundenservice der bank schrieb ihm über Twitter, als er am Donnerstag die Kündigung veröffentlichte: "Dein Test war offensichtlich erfolgreich. Operation gelungen, Konto tot ;-)". UNd als er noch einmal nachfragte: "Wie du vermutlich weißt, war das Risiko & die Folgen solcher Verwendungszwecke gestern Thema in der Presse."

Auf Nachfrage wollte sich die comdirect wegen des Bankgeheimnisses nicht zu dem Fall äußern. Aber für für den kurzen Dialog auf Twitter entschuldigte sie sich. Nur ändere das nichts an den gesetzlichen Vorgaben, an die sie sich halten müsse.

Anne Grüneberg, Markus Werning

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