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Bye Bye, Facebook!

Keine Lust mehr aufs soziale Netzwerk Bye Bye, Facebook!

Über soziale Netzwerke wie Facebook lässt sich prima mit Freunden in Kontakt bleiben. Aber was, wenn zu viel Werbung, zu viele Unwichtigkeiten à la "Dem gefällt das" und zu viele Hassbotschaften den Spaß verderben? Man könnte sich zum Beispiel abmelden. Doch das ist gar nicht so einfach.

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Der Abschied von Facebook ist nicht leicht. Innerhalb des sozialen Netzwerks ist die Löschoption über die Hilfe und die Eingabe von "Konto löschen" auf Umwegen zu erreichen.

Quelle: dpa

Düsseldorf. Ein Leben ohne Facebook? Was für viele Menschen völlig unvorstellbar erscheint, ist für Leonie Reppich mittlerweile Normalität. Irgendwann hatte die heute 22-jährige Stewardess die Nase voll vom sozialen Netzwerk, hatte keine Lust mehr auf Werbung und unbedeutende Kommentare auf ihrer Pinnwand. Sie tat das, was nur wenige tun, die sich einmal bei Facebook angemeldet haben - sie löschte ihr Nutzerkonto.

Ganz einfach war das allerdings nicht - unter anderem weil Facebook einem den Abschied nicht gerade leicht macht. "Letztendlich habe ich über Google gesucht", erinnert sie sich. Erst nach der Eingabe von "Facebookkonto löschen" spuckte die Suchmaschine den richtigen Link aus.

Und dann drückt Facebook auf die Tränendrüse

"Das ist schon auffällig", sagt Sabine Petri, Rechtsanwältin bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen (VZ NRW). Innerhalb von Facebook ist die Löschoption über die Hilfe und die Eingabe von "Konto löschen" auf Umwegen zu erreichen.

Die richtige Adresse lautet www.facebook.com/help/delete_account. Mit wenigen Klicks wird hier das Nutzerkonto gelöscht. Aber nicht endgültig. 14 Tage Zeit hat man, um die Entscheidung zu überdenken. Dazu reicht eine einfache Anmeldung inklusive einer Bestätigung des Löschabbruchs - schon ist man wieder drin.

Christian von Boetticher stolperte nicht allein über seine Affäre mit einem Teenie, sondern auch wegen seiner selbstverliebten Darstellung in den sozialen Medien. Der CDU-Frontmann schrieb im vergangenen Jahr auf Facebook: „Christian von Boetticher sitzt jetzt seit 9 Uhr im Landeshaus in Kiel!!! Eine Sitzung nach der anderen. Es reicht!“. Einen engagierten Einsatz um das Wohl des Landes stellten sich viele Parteifreunde anders vor, sagt eine Christdemokratin, die sich namentlich nicht nennen lassen will.

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Wer sich nur zeitlich begrenzt oder zur Probe von Facebook verabschieden will, kann sein Konto deaktivieren. Dann wird es nur stillgelegt, kann aber jederzeit wieder aktiviert werden. Auch diese Funktion ist gut versteckt. Am rechten Rand der Suchleiste ist neben der Weltkugel für die Benachrichtigungen ein kleiner Pfeil. In diesem Aufklappmenü klickt man auf "Einstellungen", dann auf "Sicherheit". Hier findet sich die Option "Deaktiviere dein Konto".

Facebook beschreibt nun den Vorgang und drückt auf die Tränendrüse. "375 Freunde können dann nicht mehr mit dir im Kontakt bleiben" steht dort, inklusive der Bilder einiger Freunde, die einen bald vermissen werden. "Man wird emotional unter Druck gesetzt", sagt Verbraucherschützerin Petri. Facebook sieht das anders: "Wir erinnern unsere Nutzer daran, mit welchen Menschen sie verbunden sind. Von "unter Druck setzen" kann hier keine Rede sein", erklärt ein Sprecher auf Anfrage.

Was passiert mit den Daten?

Das Konto ist gelöscht, aber was passiert mit den tausenden Likes, Kommentaren, Fotos oder Nachrichten? Beim Deaktivieren hält der Konzern die Daten zurück - verspricht aber offiziell in dieser Zeit die Daten nicht zu nutzen. Beim Löschvorgang sollen innerhalb von 90 Tagen auch die Daten komplett vernichtet werden. Mit dem Löschvorgang ist der Vertrag über die Nutzungsbedingungen nichtig.

Facebook hat keinerlei Rechte, die Daten des gelöschten Users weiter zu nutzen, erklärt Verbraucherschützerin Sabine Petri. "Was aber in der Praxis beziehungsweise in der Zukunft mit den gespeicherten Daten geschieht, wissen wir nicht." Facebook verspricht: "Wir verkaufen keine personenbezogenen Daten an Dritte."

Wie man in diesem Moment trotzdem stark bleiben kann? Petri rät, die Ebenen zu trennen. "Das Interesse von Facebook besteht weniger im Aufrechterhalten von Freundschaften, sondern vielmehr in monetären und wirtschaftlichen Zielen", sagt sie.

Genervt von zu viel Informationen

Leonie Reppich ist stark geblieben. Für sie war das Leben ohne Facebook anfangs eine Befreiung. "Ich dachte erst, über Facebook Kontakt halten zu können. Allerdings hat man sich gegenseitig eher gestalkt, als miteinander gesprochen." Dazu die Werbung und unzähligen Informationen zu Veranstaltungen oder Gespräche zwischen Dritten.

Medienpsychologin Christiane Eichenberg von der Wiener Sigmund-Freud-Universität kennt dieses Phänomen. Viele Nutzer löschen ihren Account, weil sie von den überflutenden Informationen genervt sind: "Diese Gruppe von Aussteigern konzentriert sich dann wieder mehr auf die engsten Freunde. Das klassische Telefonieren oder die SMS können dann wieder in den Fokus rücken."

Facebook-Nutzer sollen künftig einstellen können, wie viel sie vom Ex-Partner sehen müssen – und wie viel er noch von ihnen sehen kann.

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Für Leonie wurde der Abschied nach einigen Wochen dann doch spürbar. Einladungen für Partys erreichten sie nicht mehr, einige Freunde vergaßen ihren Geburtstag. "Am Anfang tat es weh. Vor allem an meinem Geburtstag." Viele Nutzer empfinden nach ihrer Abmeldung eine Leere. Oft, wenn sie auf Facebook viel Zeit verbracht haben. "Diese Leere muss ersetzt werden. Beispielsweise durch andere Freizeitaktivitäten", sagt Prof. Eichenberg. Damit man als gelöschter Nutzer nicht in Vergessenheit gerät, rät Eichenberg: "Man muss es mit den engsten Freunden besprechen und klar sagen, dass man nicht mehr dort erreichbar ist."

Nach einem kurzen Rückfall - "Ich hatte Lust, wieder von außen an dem Leben anderer Menschen teilzunehmen." - und der erneuten Abmeldung ist Leonie Reppich heute glücklich ohne. Sie fühlt sich auch ohne Facebook nicht mehr ausgeschlossen. "Ich habe viel mit meinen Freunden darüber gesprochen." Und wenn die auf einer Party eingeladen sind, kommt sie einfach mit. Auch ohne Facebook-Einladung. "Ich weiß jetzt, dass die meisten es nicht böse meinen." Den Kontakt zu ihren Freunden hält sie heute über Messenger-Apps auf ihrem Smartphone.

dpa

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