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"Angela Merkel steinigen" kostet 2000 Euro

Bußgeldtabelle von Stiftung Warentest "Angela Merkel steinigen" kostet 2000 Euro

Die Stiftung Warentest gilt als Instanz, wenn es um die Überprüfung von Produkten geht. Nun wagen sich die Tester auf neues Terrain: Auf ihrer Facebook-Seite hat die Stiftung eine Bußgeldtabelle für Beleidigungen im Internet veröffentlicht. Das sorgt für Aufsehen – und viel Kritik.

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Quelle: dpa

Hannover. Mit einem Post auf ihrer Facebook-Seite hat die Stiftung Warentest für ordentlich Wirbel gesorgt. Eigentlich sind sie als unabhängige Produkttester bekannt, die den Verbrauchern bei ihrer Kaufentscheidung helfen. Jetzt aber setzen sie sich für einen sittlichen Umgang bei Online-Diskussionen ein.

"Der Ton im Internet ist in den letzten Jahren zunehmend rauer geworden. Beleidigungen und Volksverhetzung sind fast schon Normalität in vielen öffentlichen Kommentarspalten", beginnt der Eintrag, weiter unten werden Beispiele genannt, die bereits zur Anzeige gebracht wurden.

5000 Euro für antisemitische Äußerung

Nach Angaben der Stiftung Warentest kann eine antisemitische Äußerung bis zu 5000 Euro kosten. Wer fordert, Angela Merkel öffentlich zu steinigen, muss mit einem Bußgeld von 2000 Euro rechnen. Deutlich höher ist da die Geldstrafe für die Aussage, dass die Gaskammern wieder geöffnet und die "ganze Brut" da reingesteckt werden sollte. Für einen solchen Hasskommentar drohen 120 Tagessätze à 40 Euro, also insgesamt 4800 Euro Strafe.

Seit der Veröffentlichung vor nicht einmal zwei Tagen wurde der Beitrag fast 9000 mal geteilt. Das Social-Media-Team der Stiftung hat seither viel zu tun: Auf der Facebook-Seite wird heftig diskutiert. Immer wieder taucht die Frage auf, ob die Warentester eine solche Tabelle veröffentlichen dürfen und ob es überhaupt zu ihrem Job gehört. "Wir informieren bereits seit Jahrzehnten über Gerichtsurteile und die rechtlichen Möglichkeiten für Verbraucher. Nichts anderes ist hier der Fall", klärt die Stiftung Warentest auf.

Anzeige einfach online stellen

Um die Nutzer zu unterstützen, die im Web "rational und sachlich" diskutieren, hat das Social-Media Team der Stiftung Anlaufstellen für 13 Bundesländer zusammengestellt, bei denen online Anzeige gestellt werden kann. Denn "eine aufgeklärte und fortschrittliche Gesellschaft benötigt rationale und sachliche Diskussionen. Diese dürfen nicht von jenen gekapert und verhindert werden, die nur Hass schüren wollen."

Kritisiert wird unter dem Facebook-Post der Stiftung Warentest, dass nur rechtspopulistische Aussagen in den Beispielen auftauchen und keine aus dem Linken-Spektrum. Doch die Warentester halten dagegen: "Niemand hindert dich oder andere Betroffene daran, bei entsprechenden Fällen Anzeige zu erstatten. Die Auswahl richtete sich übrigens danach, wie 'hart' die Aussagen und entsprechend die Strafen ausfielen."

Arbeitet man sich durch die mehr als 700 Kommentare unter dem Post, sieht man ein Paradebeispiel dafür, dass man sich durch Beleidigungen und unsachliche Reaktionen nicht einschüchtern lassen muss. "Schuster bleib bei Deinen Leisten, kümmer' Dich um DEINEN SCHEISS und erwarte kein Erbarmen!!! (...) Soviel Dummbatz-Propaganda von Euch als 'deutsche Instanz' ... ich verliere ein Stück Glauben an Deutschland dank Euch, ihr Marionetten", schreibt User "Von Der Hork". Doch selbst auf eine solche Provokation geht die Stiftung Warentest nicht ein und bleibt sachlich. Immer mit gutem Beispiel voran.

RND/mat

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