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Viele Kinder gelten als onlinesüchtig

Studie der Krankenkasse DAK Viele Kinder gelten als onlinesüchtig

Das Bild vom Internet-Junkie, der von Fast Food lebt und sich selbst vernachlässigt, ist nicht nur ein Klischee: In Deutschland gelten Hunderttausende als internetsüchtig, auch viele Kinder. Ärzte erklären, wie Eltern reagieren können.

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Jugendliche vor einem Laptop (Illustration): "Manche verwahrlosen vor dem Computer regelrecht", sagt der Arzt und Psychotherapeut Bert te Wildt ("Digital Junkies") von der Bochumer Ambulanz für Internetabhängige.

Quelle: Armin Weigel/dpa

Berlin. In Deutschland sind Kinder werktags im Durchschnitt 2,6 Stunden online. Am Wochenende nutzen sie sogar 3,7 Stunden das Internet. Das geht aus einer Umfrage hervor, die am Montag von der Krankenkasse DAK-Gesundheit vorgestellt wurde. Für die Studie befragte das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Sommer 1000 Eltern.

Fünf Prozent der Kinder betroffen

In der Umfrage gaben 22 Prozent der Eltern an, ihr Kind fühle sich ruhelos, launisch, niedergeschlagen oder gereizt, wenn es versuche, das Internet weniger zu nutzen oder damit ganz aufzuhören. Rainer Thomasius, Ärztlicher Leiter des Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kindes und Jugendalters, sieht auf Grundlage der Umfrage bei knapp fünf Prozent ein erhöhtes Gefährdungspotenzial.

Fachleute beantworten Fragen

"Wir können nicht sagen, ob sie schon eine Internet-Sucht entwickelt haben", schränkte er ein. "Aber sie sind stärker gefährdet." Junge Betroffene vernachlässigen oft soziale Kontakte, die Ausbildung und zum Teil auch ihren Körper. Wie Eltern von Betroffenen reagieren können, erklären Fachleute – Fragen und Antworten dazu:

Gibt es körperliche Anzeichen für eine Internet-Sucht?
Internetabhängige vernachlässigen den eigenen Körper häufig. "Manche verwahrlosen vor dem Computer regelrecht, sind übergewichtig, manchmal auch untergewichtig, leiden unter Lichtmangel, haben Augenprobleme oder Sehnenscheidenentzündungen vom vielen Spielen", sagt der Arzt, Psychotherapeut und Autor Bert te Wildt ("Digital Junkies") von der Bochumer Ambulanz für Internetabhängige.

Welche Lebensbereiche leiden noch unter der Sucht?
Auch der soziale Bereich wird oft vernachlässigt. "Echte Freundschaften gehen zu Bruch und Partnerschaften haben viele Betroffene oft noch gar nicht erlebt", so der Arzt te Wildt. Zudem mache sich Abhängigkeit auch bei den Leistungen bemerkbar. Viele Betroffene gehen kaum noch zur Schule, zur Ausbildung oder vermasseln das Studium. "Anfangs sind sie insgeheim sogar froh darüber, dass alles andere kaputt geht, dann können sie dem Netz nämlich 24 Stunden zur Verfügung stehen."

Was können frühe Anzeichen von Internet-Sucht sein?
In den USA hat die American Psychiatric Association neun Abhängigkeits-Merkmale formuliert, auf die das Deutsche Zentrum für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf verweist. Dazu gehören gedankliche Vereinnahmung, Entzugserscheinungen, Kontrollverlust und ein Weitermachen trotz negativer Konsequenzen. Das Zentrum nennt als Warnsignale auch immer kürzere Abstände zwischen der Internet-Nutzung sowie launische oder aggressive Reaktionen, wenn ein Jugendlicher keinen Zugang zum Netz habe.

Wer ist betroffen?
Die Sucht manifestiert sich Forschern zufolge häufig im Alter von 14- bis 24 Jahren. Betroffen sind vor allem junge Männer. 2011 kam eine Studie zu dem Ergebnis, dass in Deutschland etwa 1,5 Prozent der 14- bis 64-Jährigen internetsüchtig sind. Bert te Wildt rechnet mit einer steigenden Tendenz, auch bei Mädchen und jungen Frauen, die vor allem von sozialen Netzwerken abhängig würden. Zugleich wird weiterhin darüber gestritten, ob eine Internet-Abhängigkeit als eigenständige Krankheit zu qualifizieren ist.

Wie wird eine Sucht behandelt?
Internetsüchtige werden oft ambulant und in verhaltenstherapeutischen Gruppentherapien behandelt. Zunehmend gibt es auch Ansätze, Jugendliche auch stationär aufzunehmen und ihnen zu helfen, sich im realen Leben zurechtzufinden. Ein Beispiel dafür ist "Auxilium Reloaded", ein Heim für Medienabhängige in Dortmund. Zuhause abrupt den Stecker zu ziehen, wenn man meine, das Kind habe lang genug vor dem Rechner gesessen, sei keine gute Lösung, warnt zugleich der Geschäftsführer des Gesamtverbandes für Suchthilfe, Theo Wessel. Das erzeuge nur unangenehme Situationen. "Eltern sollten versuchen, mit den Kindern ins Gespräch zu kommen und Zeiträume für die Internetnutzung vereinbaren."

dpa/wer

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