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Tausende Technikfans campen mit dem Chaos Computer Club

Zeltlager Tausende Technikfans campen mit dem Chaos Computer Club

Zelten mit dem Chaos Computer Club: Tausende Technikfans aus aller Welt campieren tagelang auf einem ehemaligen sowjetischen Flugplatz in Brandenburg. Aktuelle Netzthemen stehen auf der Tagesordnung.

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Der Chaos Computer Club lädt ab Mittwoch zum zweiten Mal zum Campen ein.

Quelle: dpa (Archivbild)

Finowfurt. Bunte Zelte stehen neben Militärflugzeugen, Amateurfunker bauen ihr Material in der Nachbarschaft eines alten Polizeihubschraubers auf, in einem mit Gras bewachsenen Hangar werden schwarze Stühle akkurat aufgereiht. Ein paar Österreicher stellen gerade eine Telefonzelle mit Tarnnetz auf, eine Frau im Sommerkleid läuft mit einem kleinen Kind vorbei. Jemand hört elektronische Musik.

Die Szenerie ist bizarr, die Atmosphäre entspannt. Am Mittwoch beginnt auf einem ehemaligen sowjetischen Militärflugplatz in Finowfurt (Barnim) bei Berlin ein Camp des Chaos Computer Clubs (CCC). Seit Tagen wird aufgebaut. „Wir erwarten 3000 Leute“, sagt Lars Weiler, der zum Organisationsteam des Zeltlagers gehört. Bis Sonntag treffen sich Technikfans aus aller Welt, tüfteln an ihren Projekten, feiern und nehmen an Diskussionen teil, die Impulse für den CCC-Kongress Ende Dezember in Berlin liefern, wie Weiler erklärt.

Chaos Computer Club tritt für besseren Datenschutz ein

Der vor 30 Jahren gegründete Club hat immer wieder mit Aktionen von Hackern auf sich aufmerksam gemacht, um auf Sicherheitslücken hinzuweisen. Der CCC landete auch in den Schlagzeilen, als er auf simple Art den Fingerabdruck des damaligen Bundesinnenministers Wolfgang Schäuble (CDU) kopierte. Mit der Aktion sollte deutlich gemacht werden, wie leicht es ist, fremde Fingerabdrücke zu hinterlassen. Der CCC tritt heute für besseren Datenschutz ein.

Mit Blick auf das Camp meint Weiler: „Der Rechner wird immer mal gerne in der Ecke gelassen.“ Wer sich bisher nur virtuell kannte, trifft sich nun persönlich. Andere pflegen bestehende Freundschaften mit Gleichgesinnten. „Man braucht diesen Ort, um zusammenzukommen“, sagt Weiler. Und ergänzt grinsend: „Wir sind alle Menschen, keine Cyborgs.“ Die Camps finden regelmäßig statt, zum zweiten Mal bietet der Flugplatz in Finowfurt die Kulisse.

Weiler sagt, es gehe bis Sonntag um den „Aufbruch zu den Sternen“: Wie fliegen künftige Generationen ins All? Was sind geeignete Antriebstechniken von Fahrzeugen im Weltraum und auf der Erde? In Finowfurt drehen schon jetzt interessante Fahrzeuge ihre Runden. Ein Security-Mann mit einem Knopf im Ohr ist auf einem weißen Liegerad mit Motor unterwegs. Es gibt eine Autobatterie, Licht und sogar einen Blinker. „Das fährt 20 Stundenkilometer“, sagt er und düst davon.

Telefonzelle für das Camp-Netz

Ein paar Meter weiter stellen Österreicher eine graue Telefonzelle auf, die sie rund 750 Kilometer weit hergefahren haben, wie Clemens Hopfner von der Gruppe sagt. Die Telefonzelle scheint hier komplett aus der Zeit gefallen zu sein - wird jedoch Teil eines eigenen Camp-Telefonnetzes, wie die Österreicher erklären, die hauptsächlich ihrer Leidenschaft des Amateurfunkens im Camp nachgehen wollen.

Aktuelle Netzthemen werden in Finowfurt nicht ausgespart. Weiler sagt, er habe schon Leute über die jüngsten, von Internet-Aktivisten kritisierten Äußerungen von Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) zu weniger Anonymität im Internet diskutieren hören. In einem der vielen Workshops und Vorträge, die bis Sonntag auf dem Programm stehen, gehe es etwa um „Bitcoins“, ein digitales und umstrittenes Zahlungsmittel. Sicher werde auch die Enquete-Kommission zum Internet ein Thema sein, erklärt Weiler.

Und was meint der Verein, der ein Luftfahrtmuseum auf dem ehemaligen Flugplatz betreibt, zu dem riesigen Zeltlager? „Das ist eine schöne Veranstaltung“, sagt Mitarbeiter Heinz Darber. Auf dem zehn Hektar großen Gelände fänden vier Mal im Jahr externe Aktionen statt. Kurz nach dem Chaos Computer Club kommt die Feuerwehr.

dpa

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