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Netzwelt Zeitung erklärt Helmut Kohl für tot
Nachrichten Medien Netzwelt Zeitung erklärt Helmut Kohl für tot
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14:21 10.07.2015
Wurde aus Versehen für tot erklärt: Helmut Kohl, hier auf einer Festveranstaltung Ende 2014 in Dresden. Quelle: dpa
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Berlin

Es war etwa Mitternacht, als "Die Welt" die Nachricht brachte: "Kohl starb in der Nacht zu Freitag im Alter von 85 Jahren", meldete die Tageszeitung auf ihrer Internetseite in einer rot unterlegten Eilmeldung – damit sie auch sofort auffiel.

Und die Meldung fiel auf. Mehrere Onlinemedien verbreiteten sie sofort weiter – mit dem Hinweis auf "Die Welt". Sogar der Eintrag über Helmut Kohl auf Wikipedia wurde direkt geändert: Hinter seinem Geburtstag stand nun "Juli 2015" als Todesdatum.

Ob Kohl tatsächlich gestorben war, wurde nicht überprüft, das war mitten in der Nacht aber auch schwierig. Der Blogger Richard Gutjahr kontaktierte dagegen die Redaktion der "Welt", und sie ruderte sofort zurück.: "War ein technischer Fehler. Sorry für die Verunsicherung".

Die Zeitung entschuldigte sich auch auf ihrer Internetseite: "An dieser Stelle stand in der Nacht zu Freitag irrtümlich die Nachricht, dass Altbundeskanzler Helmut Kohl verstorben sei", schrieb die Redaktion. "Das war eine Falschmeldung." Als Ursache nannte sie auch hier "einen technischen Fehler". "Wir bedauern das sehr."

Die Zeitung wurde für die kurze Erklärung kritisiert, schob später eine lange Version nach. Und dafür, dass sie offenbar schon einen Nachruf auf Helmut Kohl vorbereitet hat. Gutjahr nahm die Zeitung auf Twitter in Schutz: "Fertige Nachrufe sind (lange vor dem WWW) Praxis und auch völlig ok. Sie sollen fachkundig sein und der Person gerecht werden."

Um den Gesundheitszustand von Helmut Kohl wurde bereits Anfang Juni spekuliert. Nach einer Darm-Operation im Universitätsklinikum Heidelberg lag er auf der Intensivstation. Nach Angaben seines Büros in Berlin ging es dem 85-Jährigen aber „den Umständen entsprechend gut“.

Angaben zum aktuellen Gesundheitszustand fehlen bisher. "Die Welt" löschte ihre Meldung aber bereits nach wenigen Minuten. Und auch auf Wikipedia lebt der Kanzler wieder.

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Die Entschuldigung der "Welt" im Wortlaut:

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

uns ist in der vergangenen Nacht ein bedauerlicher Fehler unterlaufen. Von 0.34 Uhr an stand für 102 Sekunden irrtümlich die Meldung auf unserer Seite, dass Helmut Kohl gestorben sei. Wir bedauern dies sehr!

Wie konnte es dazu kommen?

Manchmal können die Gründe für schwere Fehler sehr banal sein. Wir hatten kurz zuvor eine neue Version unseres Redaktionssystems installiert. In dieser neuen Version sind einige Bedienelemente verändert und an andere Stellen der Benutzeroberfläche verlagert worden. Und wie das so ist beim Gewohnheitstier Mensch: Man klickt bei der Produktion eines Artikels dorthin, wo man seit Jahren hingeklickt hat. So passierte das Missgeschick. Statt einen nicht zur Publikation vorgesehenen Artikel lediglich zu speichern, wurde er publiziert.

Der betreffende Kollege bemerkte seinen Fehler sofort und reagierte. Aber natürlich zu spät, weil alles, was wir publizieren, sofort im Netz, etwa bei Google, verfügbar und kopierbar ist. Die Nachrichtenagentur dts verbreitete umgehend die Meldung. Auf Twitter wurde die Meldung vielfach geteilt. Der Branchendienst Meedia beschreibt dies hier, während sich der Branchendienst Horizont am Spott in den sozialen Netzwerken erfreut.

Wir löschten den Artikel, entschuldigten uns schnell, und tun dies hier erneut.

Wie schnell ein solcher Fehler passieren kann, haben gerade erst die Kollegen der BBC erleben müssen, als sie im Rahmen einer "technischen Übung für einen Nachruf" im Juni den Tod der Queen meldeten.

Warum vorbereitete Nachrufe?

Sie fragen sich vielleicht: Warum gibt es überhaupt schon einen Nachruf auf Helmut Kohl? Es gehört zur redaktionellen Praxis, auf das Ableben wichtiger Persönlichkeiten vorbereitet zu sein, damit Sie als Leser zügig und umfassend über das Lebenswerk informiert werden können. Das ist journalistischer Usus schon seit Jahrzehnten, also deutlich länger, als es das Internet gibt, wie in der vergangenen Nacht auch der Journalist und Blogger Richard Gutjahr schrieb.

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