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00:16 29.06.2014
Stefan Raab schickt singende Zwerge ins Rennen um den schrecklichsten WM-Song. Quelle: Screenshot / YouTube

Stefan Raab: „Wir kommen, um ihn zu holen"

Knallbunte Gartenzwerge mit fies-fröhlichen Gesichtszügen trommeln auf Sandel-Eimerchen. Mittendrin steht Mr. TV-Total, der Rotnasigste von allen, und singt: „Wir werden allen den Arsch versohlen, denn wir sind wieder da.“ Ein WM-Song von Stefan Raab kann nur bekloppt sein, sonst macht er seinen Job nicht ordentlich. Allerdings konnte er sich dieses Jahr wohl nicht entscheiden, welche Kulisse die meisten Klickraten im Internet bringen wird. Also hat er gleich drei Versionen von seinem Liedchen aufgenommen, damit auch für jeden was dabei ist. Neben der Gartenzwerg-Nummer hopst Raab noch als Dieter-Bohlen-Imitation mit Samba-Tänzerinnen vor der Traumstrand-Leinwand herum und macht als Möchtegern-Rocker einen auf Till Lindemann. Nur der hätte das mit dem R besser hingekriegt.

Nie und Nimmer: „Euphorie"

Das Duo Nie und Nimmer liefert mit „Euphorie“ den offiziellen WM-Song des Fußball-Portals Sportbuzzer von HAZ und Neue Presse. Die Berliner Musiker Hayat und Mo verzichten dabei auf fußballtypische Floskeln: „Dieser Song passt nicht nur zur Fußball-WM“, sagt Mo. „Der passt auch perfekt zum Handball oder zum Kreisliga-Aufstieg.“ Zunächst haben die beiden eine Melodie entwickelt und dann festgestellt, dass sie als Hymne taugt. „Dann kam der Text dazu, quasi in Euphorie“, erinnert sich Mo augenzwinkernd.

Paul Jahnke und Tony T. Multitalented: „I Wanna Live in Brazil"

Endlich mal wieder ein Job nach seinem Geschmack! Paul Jahnke, seines Zeichens „Bachelor“ aus Hannover, darf für seinen WM-Song auf einer Luxusyacht durch die Gegend fahren, grinsend den Lautstärkeregler am DJ-Pult rauf- und runterdrehen und mit angepornten Models Hüftschwung üben. Mit Reggae-Hip-Hopper Tony T. Multitalented mimt der blonde RTL-Junggeselle das Partyleben an der Copa Cabana. Aber Moment mal, Cala Ratjada ist doch auf Mallorca? Da ist er ja nicht weit gekommen...

Phrasenmäher: „Unser Jahr"

Wir sind ganz harmlos. Wir träumen bloß gern von der guten alten Zeit, scheinen Phrasenmäher den gegnerischen Teams sagen zu wollen. Läuft ihr Gute-Laune-Popsong, trieft die Nostalgie nur so aus den Lautsprechern. Und das Video setzt noch einen drauf. Denn optisch hat sich die Indiepopband zurück ins Jahr 1954 gebeamt. Lockenfrise, weiß-schwarze Trikots und romantisch-verklärtes Kamerabild. Dazu der Refrain: „Helmut Rahn oder Müller, Bilder für ein Leben. Wir wollen wieder weiterkommen...“. Kämpferhymne? Durchhalteparolen? Das als Dauerbeschallung in der Kabine und nach der Vorrunde ist Schluss. Garantiert. Dann doch lieber die Sportfreunde Stiller mit dem dritten Aufguss von '54, '74, '90, 2000-irgendwas. Da kann man wenigstens mitgröhlen.

Jan Zerbst und Mickie Krause: „Schalala Nach Hause"

Es ist ja nicht das erste Mal, dass eine Parodie besser ist als das Original. Der WM-Song „Schalala nach Hause“ von Jan Zerbst aus Hannover allerdings ist sogar ein Erfolg mit Ansage. Der Sprecher und Comedian beim hannoverschen Radiosender radio ffn hatte ursprünglich für seine Kolumne „Die Welt in 30 Sekunden“ lediglich eine „Bastelanleitung für einen bekloppten WM-Song“ entworfen. Dann bat ihn der Sender, nach ebendieser Anleitung einen ebensolchen zu kreieren. Herausgekommen ist ein witziger Ohrwurm. Für einen maximal erfolgreichen WM-Song braucht man nach Zerbsts Bastelanleitung nur fünf Zutaten: „Lautes, unartikuliertes Gegröhle, rhythmisches Klatschen, so’n billiges Rummsen, dazu Atmosphäre, die zum Austragungsland passt, also für Brasilien jetzt eine Trillerpfeife und Samba, und fünftens den Text, und der darf höchstens zehn Wörter enthalten. Und zwar immer Pokal, Tore, Titel, Finale, Weltmeister und ein paar x-beliebige Spielernamen.“

Peter Wackel: „Heiß drauf"

Das Original passte nicht ganz – also machte Ballermann-Barde Peter Wackel aus seinem Hit „Scheiß drauf“ kurzerhand „Heiß drauf“. Was ist neu? Der Text. Was nicht? Die Sinnleere. Auch dieser Song ist nur für den Bierkönig und ausgewiesene Mallorca-Partys geeignet. Muss das sein? Eigentlich nicht. Aber Peter Wackel braucht das Geld.

Matze Knoop: „Goldene Generation"

Noch was für die Fußballparty, wenn das Niveau schon laut schnarchend im Keller liegt: Matze Knops Hymne über Deutschlands „Goldene Generation“. Vor kitschiger Disco-Kulisse singt der Comedian mit Pilotenbrille „Wir sind stark wie nie – Let's go Germany!“. Dabei schiebt er fröhlich Videos von Kickern hin und her, die es mutmaßlich nie über die Kreisliga hinaus schaffen werden. Den Song kann man schon vor dem ersten Bier nicht von den anderen WM-Hits unterscheiden, doch wie Knop den Fußballnachwuchs bewirbt, ist irgendwie niedlich. Aber warum schießen die ständig auf Basketballkörbe?!

Mister Santos: „Das dicke, dicke Ding"

Er hat sie alle: Fernanda Brandao, Joko Winterscheidt, Franz Beckenbauer – und Uschi Glas. MC Ju hat seine Band ein paar Stunden allein gelassen, um selbst massive Töne anzuschlagen. „Wir brennen wie Bengalos, sind heiß auf den Titel“. Aber Überraschung! Was nach weiteren knapp dreieinhalb Minuten Fremdschämen klingt, entpuppt sich als echter Hit. Den kann man zum Warming-up auch mal in der Stadtbahn spielen, ohne einen Lynchmob oder die Männer in den weißen Kitteln befürchten zu müssen. Origineller Text, witziges Video, grooviger Sound. Eine kleine Perle in der Schatzkiste der Peinlichkeiten.

Diedo: „WM Song 2014"

Wie süß, die Volkshochschule macht Fasching! Und alle gehen als Jogi Löw, Franz Beckenbauer und – Angela Merkel?! Na macht nichts, die ist ja auch bei der WM dabei. Irgendwie. Und dann auch noch dieser Schlachtruf: „Ah!Oh! Heja, Heja, Hey!“ Ach, wie war das schon 1974 schrecklich-schön. In Erinnerung an die guten alten Zeiten hat sich das Musikkabarett Diedo aus der Pfalz mit ihrem WM-Song einen echten Knüller überlegt. Im Stadion von Recife wird der bestimmt schon als Handzettel auf den Rängen verteilt. Damit ihn beim nächsten Deutschland-Spiel auch alle können. Nimm das, USA!

Bruno Breitklops: „Bämm! Bämm! Wir fahren zur WM!"

Der WM-Beitrag des Lehrters Bruno Breitklops ist schrill, schnell und am besten laut zu genießen. Im Video zu dem Punkrock-Stück, das im Garten daheim gedreht wurde, gibt’s zum Frühstück Käsewürfel mit Bier, bunte Hemden, ausladende Perücken. Bruno Breitklops’ größter Wunsch: Seinen WM-Song beim Public Viewing performen. Na dann...

Von Isabel Christian und Rüdiger Meise

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