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Was taugt das WebTV von Hannover 96?

96TV Was taugt das WebTV von Hannover 96?

Von Freitagabend an rollt in der Bundesliga wieder der Ball. Fast alle Bundesligavereine bieten inzwischen eigene WebTV-Angebote – auch Hannover 96. Taugt das was?

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96TV: Taugt das was?

Hannover. Es soll ja Fans von Hannover 96 geben, denen die tägliche Fußballberichterstattung auf allen Kanälen und in allen Zeitungen immer noch zu wenig ist. Diese ganz spezielle Gattung der Fußballbegeisterten giert geradezu nach noch mehr Informationen rund um den Lieblingsverein. Für diese treuen Fußballanhänger ist der vereinseigene Internetsender 96TV eine interessante Ergänzung. Eine Alternative zur Print- und Fernsehberichterstattung allerdings ist er nicht.

Den Anspruch haben die Macher von 96TV aber auch gar nicht. Sie bieten für 39,96 Euro pro Jahr regelmäßig Beiträge rund um die „Roten“ – etwa aus dem Trainingslager, von Pressekonferenzen vor einem Spiel oder aber von gemeinsamen Mannschaftsausflügen wie zuletzt in den hannoverschen Zoo. „Wir berichten von dort, wo die Fans nicht so leicht oder gar nicht hinkommen“, sagt der Leiter der 96TV-Online-Redaktion, Oliver Rickhof. Und das möglichst nah dran, immer per Du mit den Spielern und Verantwortlichen – und selten kritisch in der Fragestellung. Das vereinseigene Internetfernsehen (WebTV) soll vor allem Imageträger sein, ein kleines Fenster nach draußen in einem sich immer weiter abschottenden Sportkonzern.
15 von 18 Bundesligisten bieten ihren Fans inzwischen ein Abonnement für vereinseigene Klub-TV-Sender an. Die Preise variieren dabei ähnlich wie das Angebot an Beiträgen. Diese sind mal mehr und mal weniger unterhaltsam, und auch die Leistungen der Moderatoren sind schwankend. Technisch aber sind die Filme gut gemacht. Wer sich zum Beispiel die Höhepunkte eines Testspiels von Hannover 96 ansieht, muss auf die gewohnten Extras der ARD-„Sportschau“ nicht verzichten: Die Aufstellungen beider Teams werden eingeblendet, und es gibt sogar einen sachkundigen Kommentatoren.

Und doch hat das Ganze einen ziemlich großen Haken: Livebilder aus der Bundesliga und dem DFB-Pokal nämlich dürfen im Klub-TV nicht gezeigt werden. Dabei wäre das technisch ohne Probleme möglich, aber die komplizierte Rechtelage erlaubt es den Vereinen nicht, Echtzeitbilder ihrer eigenen Spiele zu zeigen. Wer also live zusehen möchte, kommt weiterhin nicht um die teuren Angebote von Sky und „Liga total“ von der Telekom herum. Von der echten Selbstvermarktung sind die deutschen Klubs also weit entfernt.

Wer sich etwas gedulden kann, ist bei 96TV trotzdem richtig, denn etwa eine Viertelstunde nach Abpfiff in der Bundesliga, also lange vor Beginn der „Sportschau“ im Ersten, gibt es dort eine filmische Zusammenfassung des Spiels von Hannover 96 zu sehen. Hartgesottene können dann auch noch einmal die kompletten 90 Minuten mit Kommentar ansehen – quasi live also. Vom Rest der Liga bekommt man dagegen nichts mit. Die Höhepunkte der anderen Begegnungen dürfen nicht gezeigt werden.

Anders verhält es sich mit Spielen von Hannover 96 in der Europa League. Hier ist die Rechtelage etwas anders, und das ist für alle Fans der „Roten“ eine gute Nachricht. Es ist nämlich nicht auszuschließen, dass einzelne Europapokalpartien des Klubs nicht im frei empfangbaren TV zu sehen sein werden. Sollten zum Beispiel Mainz und Schalke in den Play-offs zur Europa League deutlich attraktivere Gegner zugelost bekommen als Hannover, könnten die Fans der Niedersachsen plötzlich in die Röhre gucken, weil sich kein interessierter TV-Sender findet. In diesem Fall könnte 96TV zum Beispiel mit einem Medienpartner die Internetrechte erwerben und das Spiel live über seinen eigenen Kanal zeigen. Werder Bremen hat vor einigen Jahren vorgemacht, wie das geht: Weil kein deutscher Sender das Europapokalspiel der Bremer gegen die Glasgow Rangers ins Programm nehmen wollte, erwarb Werder die Rechte kurzerhand selbst. Fans konnten das Spiel dann für einmalig 5,99 Euro bei Werder-TV sehen. „Wir sind derzeit in Planungen, was wir rund um die Europa League anbieten können“, sagt 96-Mann Rickhof dazu. Und er verspricht: „Wir wissen um die Wünsche unserer Fans und werden die Europa League umfassend begleiten.“ Am Ende sei das aber eben auch alles eine Kosten-Nutzen-Frage. Denn Geld verdienen die Klubs mit ihren eigenen Internetsendern nicht.

Vorreiter für die vereinseigene Berichterstattung war MUTV – der TV-Sender des englischen Traditionsvereins Manchester United, der schon 1998 auf Sendung ging. Für sechs Pfund pro Monat (6,90 Euro) – in Kooperation mit dem Bezahlsender BSkyB – gibt’s dort seitdem Geschichten rund um „ManU“, die Onlinevariante kostet 4,50 Pfund (5,20 Euro) im Monat.

http://tv.hannover96.de

Patrick Hoffmann

Einen kompletten Preisvergleich der WebTV-Angebote aller Bundesligavereine finden Sie in der Freitagausgabe der HAZ oder im E-Paper

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