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"Welcome Challenge": Hilfe für Flüchtlinge

Netz-Trend "Welcome Challenge": Hilfe für Flüchtlinge

Deutschland hat eine neue Challenge. Bei der "Welcome Challenge" sollen bei Facebook immer mehr Menschen dazu bewegt werden, Flüchtlingen zu helfen – in dem sie ihre Computer verlassen und reale Hilfe bieten. In wenigen Tagen hatte die Gruppe bereits mehr als 8000 Mitglieder.

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 Tv-Köchin Sarah Wiener (M) engagiert sich im Rahmen der "Welcome Challenge" für Flüchtlinge.

Quelle: Gregor Fischer

Hannover. Deutschland hat eine neue Challenge. Bei der „Welcome Challenge“ sollen sich die Menschen nicht einen Eimer Eiswürfel über den Kopf kippen und das Video ins Internet stellen, so wie das im vergangenen Jahr Hunderttausende Menschen bei der „Ice-Bucket-Challenge“ getan haben, um auf die Nervenkrankheit ALS aufmerksam zu machen.

Nein, die Welcome Challenge funktioniert nur in der realen Welt: Mit der Nachfolgeaktion sollen bei Facebook immer mehr Menschen dazu bewegt werden, Flüchtlingen zu helfen – in dem sie ihre Computer verlassen und auf sie zugehen. Die wenige Minuten langen Videos zeigen Menschen, die Kleidung und Lebensmittel in die Kamera halten und erklären, was sie getan haben. Dann nominieren sie ihre Freunde, ebenfalls etwas zu tun.

Damit hat das globale Gewissen an Fahrt aufgenommen. Und die Hassparolen und Gewaltaufrufe gegen Flüchtlinge des braunen Mobs scheinen die Aktion noch einmal bestärkt zu haben. In wenigen Tagen hatte die Gruppe bereits mehr als 8000 Mitglieder, darunter auch viele Prominente. Und jede Minute werden es mehr.


Essen bringen, Kleider spenden, Fahrräder reparieren, Stadtführungen organisieren, ausländische Familien einladen oder Deutschunterricht geben, das sind die Herausforderungen, die sich die Helfer liefern. Das Prinzip ist das gleiche wie bei der „Ice-Bucket-Challenge“: Mithilfe des Schneeballeffekts sollen so schon bald immer mehr Menschen die Aktion kennen und mitmachen.

Die Aktion gestartet hatte der Filmproduzent Michael Simon de Normier („Der Vorleser“), der gemeinsam mit dem Fotografen Gregor Anthes die Gruppe in dem sozialen Netzwerk gründete. De Normier hatte zuvor Essen und Hygieneartikel gekauft und verteilt. „Ich bin heute hier in Berlin, um zu zeigen, dass wir alle Flüchtlingen helfen können, erst einmal anzukommen“, erklärt er in seinem Video. „Wir alle können etwas tun, es geht um das Signal. Es geht um Willkommenskultur.“ Er nominierte unter anderem Fernsehköchin Sarah Wiener.

Aktion als politisches Statement

Diese brachte am vergangenen Montag einer Flüchtlingsunterkunft in Tempelhof 150 Portionen Bio-Gemüsesuppe und Brot. Auch sie wolle Flüchtlinge damit willkommen heißen und findet: „Kein Mensch ist illegal.“ Sie sehe die Aktion nicht als Medienhype, sondern als politisches Statement. Aber selbst wenn es den Teilnehmern um Aufmerksamkeit ginge: „Am Ende zählt die Tat.“ Wiener nominierte den Berliner Justizsenator Thomas Heilmann (CDU), Berlinale-Chef Dieter Kosslick und ihren Koch-Kollegen Tim Mälzer („Der soll mal zeigen, dass er kochen kann“), bei der Welcome Challenge mitzumachen. Auch Schauspielerin Sarah Tkotsch, Moderatorin Jean Bork und Nachrichtensprecherin Leslie Nachmann haben schon geholfen. Model Erica Kibar erfuhr auf Sylt von der Aktion und spendete spontan ihre Urlaubsgarderobe und Wäsche einer Unterkunft in München.
Ob die Aktion eine ähnliche Welle schlägt wie die Ice Bucket Challenge ist ungewiss. Erfordert die Aufgabe doch mehr Ambition als sich eine Eiswasser-Dusche zu verpassen. Dabei gab es auch die Kritik, dass sich Teilnehmer bloß aufgrund von Selbstdarstellung engagierten. Mitinitiator Gregor Anthes hat deshalb eine Regel aufgerufen: „Bitte keine Selfies!“

Wer kann wie helfen?

De Normier indes regte an, nicht nur zu helfen, sondern auch Informationen zu bieten, wie und wo geholfen werden kann. Darauf scheinen viele gewartet zu haben: Was wird in Berlin, München, Hannover oder Bremen gebraucht, wer kann wie helfen? Andere teilen ihre Aktionen im Netzwerk, darunter der Benefizverkauf von „Welcome-Shirts“ und dem Burger „Mc refugee“, der für die Aktion kreiert und an campierende Flüchtlinge verteilt wurde.

Hier können Sie helfen

Hier finden Sie eine Übersicht, wo Sie helfen können.

Im August 2014 schaffte es die „ALS Ice Bucket Challenge“, Hunderttausende dazu zu animieren, sich Eiswasser über den Kopf zu schütten und zu spenden. Weltweit kamen gut 100 Millionen Euro zusammen. Einen ähnlichen Volltreffer erhofft sich die „Welcome Challenge“. Oder wie Fotograf Gregor Anthes sagt: „Wir wollen eine basisdemokratische Welle durch das Land schwappen lassen – am besten durch ganz Europa.“ Und Mitgründer de Normier betont: „Es ist nicht nötig, nominiert zu werden. Man kann auch einfach so etwas tun.“

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