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Wenn Instagram plötzlich zum Business wird

Braunschweigerin hat mit Fitness-Account Erfolg Wenn Instagram plötzlich zum Business wird

Mit dem sozialen Netzwerk Instagram lässt sich gutes Geld verdienen. Die 26-jährige Louisa Dellert aus Braunschweig hat Fitness zu ihrem Thema gemacht - und zu ihrem Business. Mehr als 200.000 Menschen folgen ihrem Account und von den Einnahmen kann sie leben. Das Geschäft mit dem Fotonetzwerk ist lukrativ.

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Quelle: Instagram

Braunschweig. Dass sie einmal von Instagram würde leben können, hätte Louisa Dellert vor drei Jahren nicht gedacht. Damals saß sie mit Freundinnen in einem Braunschweiger Restaurant zusammen und nahm sich vor, einen Account bei Instagram anzulegen - um sich selbst zu motivieren, Sport zu treiben.

Heute folgen ihrem Account „@fit_trio“ mehr als 200 000 Menschen. Dort gibt sie in ihren Posts Ernährungstipps, turnt in kurzen Videoclips Fitnessübungen vor und motiviert die jungen Frauen zu einem gesunden und bewussten Lebensstil. Aus dem Instagram-Account ist inzwischen ein Business geworden - gemeinsam mit Partner Jan Körber betreibt sie zudem einen Fitnessblog und bietet sogenannte Fitness-Bootcamps an. Das soziale Netzwerk war ein Sprungbrett, mit dem Dellert mittlerweile ihren Lebensunterhalt verdient. „Eigentlich wollte ich nur fitter werden und nicht damit Geld verdienen“, sagt die 26-Jährige.

Mehr als 400 Millionen Nutzer

Aber Instagram, das ist schon längst nicht mehr nur ein soziales Netzwerk, auf dem die Menschen quadratische Bilder direkt vom Smartphone aus teilen. Mehr als 400 Millionen Nutzer hat die Plattform, die seit April 2012 zu Facebook gehört, weltweit. Sie teilen täglich mehr als 80 Millionen Bilder. Tendenz: steigend. Das macht den Dienst auch für Firmen attraktiv. 200 000 Unternehmen schalten nach Angaben Instagrams bereits Werbung. Doch nicht nur offizielle Werbung, die seit vergangenem Herbst möglich ist, ist für Firmen in den Bereichen Food, Fitness oder Mode interessant. „Die Leute auf Instagram folgen einem, weil sie am Leben teilhaben wollen“, beschreibt Dellert die Community der Plattform.

Erfolgreiche Vorbilder, denen man nah sein kann - dieses Vertrauen nutzen Firmen. Sie treten an Blogger heran und bieten Produkte zum Vorstellen an. Firmen bezahlen dafür, dass die Instagrammer Bilder oder Videos von oder mit den Waren posten. Anstelle dieser sogenannten gesponserten Posts gibt es auch die Möglichkeit, einen Link zum Produkt im Profil einzubinden. So macht es auch die Braunschweigerin Dellert: Immer wieder ist sie mit Nike-Produkten auf den Fotos zu sehen, das Unternehmen wird verlinkt.

Blog als zweites Standbein

Vor allem bei jungen Frauen kommen die Fitness- und Ernährungstipps von Fit-Trio gut an - ebenso wie die Botschaft, sich selbst so zu lieben, wie man ist. „Wir haben von Anfang an gesagt, dass wir nicht nur von Unternehmen abhängig sein möchten“, sagt Dellert. Deshalb kam zum Fitness-Instagram-Account noch ein Blog hinzu. Dellert wurde zu einem Blogger-Treffen eingeladen. Während sie bis dahin wenig mit dem Schreiben eines virtuellen Tagebuchs zu tun hatte, lernten andere von ihrem Instagram-Wissen. So entstand mit dem Blog ein zweites Standbein, das Fit-Trio mittlerweile um einen Shop erweitert hat. Auch Fitness-Bootcamps, also Treffen, bei denen viele Menschen gemeinsam Sport machen, gehören mittlerweile zum Programm. „Wir haben mit drei Leuten angefangen, beim letzten Workshop in Braunschweig kamen 500“, sagt die 26-Jährige, die vor ihrer Selbstständigkeit in einem Fitnessstudio gearbeitet hatte.

Wie viel genau sie durch Instagram einnimmt, will Dellert nicht verraten. Nur so viel: Es reiche, um sich ihre neu bezogene Wohnung in Hamburg leisten und ihre Ausgaben gut decken zu können. Einen Anhaltspunkt dürften die Zahlen der österreichischen Fashionbloggerin Hristina Micevska bieten. Die Summen hängen ab von Zeitaufwand, Umfang der Kooperation mit Unternehmen sowie der Qualität des Accounts. Aber „mit 100 000 Followern kann man bereits um die 700 Euro mit nur einem einzigen Instagram-Posting verdienen“, schreibt sie in einem Eintrag. Bis zu 15 000 Euro gebe es für Instagrammer mit einer Million Followern, wenn das Produkt eines Partners gezeigt oder der Partner erwähnt würde. Ab sechs Millionen Followern seien sogar 100 000 Euro für ein gesponsertes Bild möglich.

Vertrauen vs. Sponsoring

Dennoch: Wer sich zu viel bezahlen lässt oder gesponserte Inhalte womöglich nicht mit einem entsprechenden Hinweis oder Hashtag kennzeichnet, verliert das Vertrauen der Nutzer sehr schnell. „Wir haben nicht allzu viele Sponsoren, aber trotzdem ist es uns wichtig, diese transparent zu machen“, sagt Dellert. „Das ist wichtig, um authentisch zu bleiben.“ Grundsätzlich seien die Kooperationen nicht schlimm, sondern legitim - solange man einen Mehrwert für den Nutzer biete.

Dellert und Fit-Trio scheinen das richtige Mittelmaß zwischen Kooperation und Inhalten gefunden zu haben. Ihr Account zählt zu den erfolgreichen Plattformen des Netzwerks. Darüber hinaus betreibt Dellert auch einen Facebook- und einen Youtube-Kanal, beide haben aber nur etwa 15 000 Follower - vorwiegend Internetnutzer, die nicht bei Instagram registriert sind.

von Sabine Gurol

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