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Netzwelt Wikipedia wird abgeschaltet
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20:38 17.01.2012
Von Frerk Schenker
Entwurf der Protestseite: Die englischsprachige Wikipedia wird am Mittwoch für einen Tag abgeschaltet. Quelle: Wikipedia
New York

Statt Millionen Wissensartikeln soll von Mittwoch sechs Uhr an für einen Tag lediglich eine schwarze Protestnote in der englischsprachigen Ausgabe des Internetlexikonszu lesen sein. Die deutschsprachige Ausgabe sei weiterhin verfügbar, werde aus Solidarität aber einen Protestbanner zeigen, erklärte die für das Wissensprojekt zuständige Wikimedia-Stiftung.

Stein des Anstoßes sind zwei US-Gesetzesinitiativen – der Stop Online Piracy Act (Sopa) und der Protect IP Act (Pipa) –, die zurzeit im Kongress verhandelt werden. Sie sehen eine schärfere Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen im Internet vor. Besonders umstritten ist eine Bestimmung bei Sopa, die von Internet-Providern und Suchmaschinen verlangt, nach einer gerichtlichen Anordnung den Zugang zu ausländischen Webseiten zu sperren, wenn diese zuvor Raubkopien angeboten haben. Wikipedia-Gründer Jimmy Wales warnte vor gravierenden Folgen für das „freie und offene Web“, sollten die „zerstörerischen Gesetze“ verabschiedet werden. Er nannte die Pläne für Sopa und Pipa schlicht „Zensur“. Auch das Internetlexikon würde durch Sopa als Suchmaschine eingestuft werden. Der Entscheidung zur vorübergehenden Abschaltung ging eine Umfrage voraus, an der mehr als 1800 Wikipedia-Autoren teilnahmen. Dies sei die bislang höchste Beteiligung bei einer Wikipedia-Diskussion, was die große Besorgnis angesichts der geplanten Gesetze zum Ausdruck bringe, erklärte Wikimedia.

Mit der Kritik an den geplanten Netzsperren sind die Wikipedianer nicht allein. Seit Ende Oktober, als Sopa vom republikanischen Abgeordneten Lamar Smith aus Texas vorgelegt wurde, hat sich im Internet eine breite Anti-Sopa-Bewegung formiert. Bürgerrechtler lehnen die Netzsperren als unzulässigen Eingriff in die technische Infrastruktur des Webs ab. Auch aus der Internetwirtschaft kommen kritische Töne, da besonders soziale Netzwerke und Plattformen, auf denen durch das Verlinken und Teilen von Inhalten Urheberrechtsverletzungen begangen werden können, durch Sopa an die Leine gelegt würden. In einer ungewöhnlichen Allianz sprachen sich die Branchengrößen AOL, Ebay, Facebook, Google, Linkedin, Mozilla, Twitter, Yahoo und Zynga mit einer ganzseitigen Anzeige in der „New York Times“ gegen das Gesetz aus. Man stehe natürlich für den Schutz der Urheberrechte ein, die geplanten Netzsperren würden aber zu weit gehen, so der Tenor.

Am Montag wies Google schließlich  den Vorwurf zurück, man unternehme zu wenig gegen Raubkopierer, nachdem Medienmogul Rubert Murdoch dem Internetkonzern dies vorgeworfen hatte. „Im vergangenen Jahr haben wir fünf Millionen Webseiten wegen Urheberrechtsverletzungen aus unseren Such­ergebnissen entfernt“, hieß es in einer Stellungnahme. „Wir kämpfen jeden Tag gegen Piraten und Fälscher.“

Unterstützung bekommen die Sopa-Gegner auch von US-Präsident Barack Obama. Die Verletzung von Urheberrechten sei ein ernstes Problem, das eine Antwort des Gesetzgebers erfordere, heißt es in einem Blog-Beitrag des Weißen Hauses. Aber „wir werden kein Gesetz unterstützen, das die Meinungsfreiheit einschränkt“.

Zurzeit berät der Justizausschuss der Parlamentskammer über Sopa. Angesichts der heftigen Kritik signalisierte Initiator Smith zuletzt Kompromissbereitschaft. Den Blackout bei Wikipedia wird dies aber nicht mehr verhindern. Lexikon-Gründer Jimmy schrieb deshalb im Kurzmitteilungsdienst Twitter an Schüler und Studenten: „Erledigt eure Hausaufgaben früh, Wikipedia protestiert gegen ein schlechtes Gesetz.“

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