Navigation:
HAZ-Shop AboPlus Online-ServiceCenter
Convention Camp 2011

Reden über die digitale Zukunft


Wer an diesem Tag ganz vorne stehen will, braucht zweierlei – ein interessantes Thema und Überzeugungskraft. Wer es schafft, sein Thema bei der Eröffnungsveranstaltung gut zu verkaufen, darf später auf der Bühne des Convention Camps sprechen. Denn als freier Redner wird gewählt, wer gefällt – so sind die Regeln bei der Internetkonferenz in Hannover, die ansonsten fast ohne Regeln auskommt.
„Füllt die Zukunft mit kleinen Visionen“: Bestseller-Autor Frank Schätzing.

„Füllt die Zukunft mit kleinen Visionen“: Bestseller-Autor Frank Schätzing.

© Herzog

Hannover. Zum vierten Mal fand am Dienstag der Zukunftskongress auf dem Messegelände statt. Wie verändert das Internet den Medienalltag? Wie werden wir künftig einkaufen? Ist politische Teilhabe ohne Netzzugang noch möglich? Über diese und andere Fragen aus der digitalen Welt diskutierten die rund 1500 Teilnehmer aus dem In- und Ausland. Stets auf Augenhöhe – denn auf dem Convention Camp gilt das Motto: Jeder hat etwas zu sagen. Und jeder soll dies auch tun.

Wie Karolin Nelles. Die Anwältin aus Hannover will über „böse Briefe aus dem Internet“ sprechen, und da die Teilnehmer genau das hören wollen, erzählt sie wenig später über Abmahnanwälte, gibt Tipps und Ratschläge, wie sich Betroffene wehren können. „Ich finde es wichtig, andere an meinem Wissen teilhaben zu lassen“, sagt Nelles, die schon im vergangenen Jahr als freie Rednerin ausgewählt wurde.

Auch Vadim Neklyudov hat etwas zu sagen. Er überzeugt bei der Eröffnungsveranstaltung – und teilt anschließend mit den Zuhörern sein Wissen über die automatische Gesichtserkennung auf Fotos im Internet. Ein Redetalent ist der junge Student aus Düsseldorf nicht. Mit einer gelungenen Mischung aus wissenschaftlicher Theorie und Praxisbeispielen zieht er dennoch zahlreiche Teilnehmer an.

Auch in diesem Jahr gibt es auf dem Convention Camp fest engagierte Redner. Einer der Stars unter ihnen ist Frank Schätzing. Der 54-Jährige ist bislang nicht groß als Blogger oder Internetexperte aufgefallen – er bringt als Science-Fiction-Autor aber mit, was an diesem Tag viele umtreibt: Die Lust an der Imagination, wie die Welt von übermorgen aussehen könnte. Schätzing sieht sich nicht als „Zukunftspropheten“, er ermuntert seine Zuhörer aber, die Zukunft „mit kleinen Visionen“ zu füllen.

Kontroverser wird es bei Gerd Leonhard. Mit seiner These, die digitale Zukunft entstehe in Ländern wie Indien und werde von den Europäern nur empfangen, erntet der selbsternannte Medienfuturist teils heftigen Widerspruch. Hochpolitisch ist auch die Frage, über die der Medienwissenschaftler Prof. Helmut Scherer aus Hannover, der Grünen-Politiker Malte Spitz, der „Stuttgart 21“-Befürworter Sebastian Heinel und Onlinejournalist Richard Gutjahr diskutieren: Politisieren das Internet und Netzwerke wie Facebook die Gesellschaft? Nein, lautet das Fazit nach einer lebendigen Debatte, es erleichtert höchstens die Kommunikation der bereits politisch Aktiven. Alles können das Netz und seine Netzwerke eben doch nicht – auch nicht auf einer Internetkonferenz.

Von Frerk Schenker und Florian Heinz

Nächster Artikel
Nächster Artikel
Vorheriger Artikel
Voriger Artikel

Meistgelesene Medien-Artikel

ConventionCamp-Programm

ConventionCamp

Am Dienstag stieg der größte Zukunftskongress Hannovers im Convention Center auf dem Messegelände. Den Rückblick aufs Programm zum ConventionCamp mit allen Beiträgen und zusätzlichen Infos gibt es hier auf HAZ.de.

Wie sieht sie aus, unsere digitale Zukunft?

 

Twitter: @haz

Die Top-5 Referenten des ConventionCamps

Aktuelle Videos



Top