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Speed-Dating auf dem Convention Camp

Zukunftsvisionen Speed-Dating auf dem Convention Camp

Speed-Dating? Jeder kennt es, niemand macht es. Auf dem Convention Camp haben die wenigsten mit solch einer Aktion gerechnet – die im Endeffekt dann doch ganz anders war.

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Knapp 1500 Teilnehmer haben das ConventionCamp besucht – ein neuer Rekord.

Quelle: Nico Herzog

Hannover. Uwe und Willms kennen sich nicht. Nicht persönlich, nicht über Twitter oder andere Social Services. Sie hatten noch nie etwas miteinander zu tun. Das muss man klarstellen, wenn man über eine Konferenz wie das Convention Camp schreibt. Denn manche haben sich noch nie getroffen; kennen sich aber dennoch. Eben online.

Uwe und Willms sitzen beim Speed-Dating. Genau wie alle anderen Teilnehmer bei der ersten Session im Convention Center auf dem Messegelände. Sie suchen allerdings nicht nach einem neuen Partner; sie suchen nach Ideen. In Zweiergruppen entwickeln sie die Zukunft. Zumindest Visionen. Nach fünf Minuten werden dann Partner und Thema gewechselt. „Ihr alle seid die Experten“ sagte Frank Sonder kurz zuvor noch von der Bühne. Will heißen: Jeder hat etwas zu sagen. Und jeder sollte dies auch tun.

Genau diese Philosophie ist ein Pfeiler, auf dem das Convention Camp fußt: Jeder kann seine Themen anbieten, solange sie das Publikum überzeugen. Diese Idee von demokratischen Konferenzen, die spontan geplant werden, ist zwar nicht neu – sie ist aus der deutschen Barcamp-Szene entnommen. Aber die Mischung aus klassischer Konferenz mit Bar-Camp-Anteilen ist indes in dieser Größe deutschlandweit einzigartig. Nach Angaben der Veranstalter haben knapp 1500 Personen das Convention Camp besucht.

Uwe und Willms sitzen also bei ihrem Speed-Dating und reden über das, was kommen kann. Stakkatomäßig. Fünf Minuten Zeit haben sie dafür. Sie sagen, dass durch die Vernetzung der Welt alles transparenter wird. Dass Transparenz helfe, die Gesellschaft zu verbessern. Aber auch, dass dadurch neue Gefahren auftreten können. Gefahren beispielsweise durch Überforderung. Überforderung durch Technologie, die nicht mehr verstanden wird. Eine Gesellschaft, die schlussendlich nur noch aus Burn-out-Patienten besteht. Punkt. Die fünf Minuten sind um.

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Frank Sonder und Stephan Sigrist haben das Camp mit der Session „Mind the Future“ eröffnet und durch die Speed-Dating-Aktion auch wunderbar zeigen können, was eben diesen speziellen Barcamp-Gedanken ausmacht: Die Trennung zwischen Referenten und Hörern ist einfach aufgehoben. Man muss sich nur trauen, sich selbst vorn hinzustellen.

Mutig waren einige, die ihre Projekte in der Planungsphase der Konferenz vorgestellt haben. Denn die Hälfte der Themen wurde erst am Konferenztag festgelegt. 45 Sekunden hatten sie Zeit, ihre Projekte dem Plenum zu präsentieren, um danach auf möglichst viele positive Rückmeldungen aus dem Publikum zu hoffen. Die Themen hatten natürlich mit dem Netz zu tun: Suchmaschinenoptimierung. Social Media („Social Media ist tot“ und „Sch... auf Fans und Follower“), Netzrecht und E-Shops. Und diejenigen, die mit ihrer Vorstellung überzeugen konnten, wurden schließlich in den Konferenzfahrplan aufgenommen.

Uwe und Willms haben ihre Ideen dann aufgeschrieben. Die Zettel wurden gesammelt, die witzigsten, die interessantesten am Ende des Camps noch einmal vorgestellt. Was kommt? Beispielsweise eine Absage an die Wachstumsgesellschaft. Oder, wie zwei Teilnehmer philosophiert haben, Nerds. Und zwar an die Macht.

Florian Heinz

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