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Was wird aus der "Sportschau"?

Interview mit ARD-Sportkoordinator Balkausky Was wird aus der "Sportschau"?

Die TV-Rechte an der Fußball-Bundesliga werden heiß diskutiert. Die Liga träumt von einem Milliarden-Deal – doch das könnte unmittelbare Folgen für die ARD-Sportschau haben. ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky äußert sich im Interview über TV-Rechte für Fußball, Handball und Olympia.

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Die Fußball-Bundesliga hofft auf einen Milliardenvertrag bei der TV-Vermarktung.

Quelle: imago

Hannover. Die deutschen Handballer begeistern bei der EM ein Millionenpublikum. Wird die WM 2017 auch in der ARD zu sehen sein?

Axel Balkausky: Nein. Stand heute wird es keine Livebilder im frei empfangbaren Fernsehen geben.

Warum nicht?

Weil die Probleme die gleichen sind wie schon bei der WM 2015, von der es auch keine Livebilder im Free-TV gab. Der weltweite Rechteinhaber BeIN Sports besteht darauf, dass die Rechte nicht an Sender vergeben werden, die ohne Verschlüsselung über Satellit empfangbar sind. Wir müssten also 18,4 Millionen Haushalte in Deutschland ausschließen, die das TV-Signal über Satellit empfangen. Das ist keine Option. Weder für uns noch für die private Konkurrenz.

Lässt sich das Problem nicht lösen?

Nein. Wir haben frühzeitig eine Anfrage bei BeIN Sports gestellt, um das Problem zu lösen, und wir haben jetzt die Antwort erhalten: An der grundsätzlichen Haltung des Rechteinhabers wird sich nichts ändern.

Ebenfalls heiß diskutiert derzeit: die TV-Rechte an der Fußball-Bundesliga. Die Liga träumt von einem Milliardendeal.

Es ist das gute Recht der Liga, einen möglichst hohen Preis für die TV-Rechte auszuhandeln. Die Liga weiß aber auch, dass der Markt in England nicht mit dem Markt in Deutschland zu vergleichen ist. Dass wir großes Interesse haben, die Bundesliga in gewohntem Umfang in der „Sportschau“ zu zeigen, ist völlig klar.

Die geplante Ausschreibung der Liga sieht als eines von zwei Modellen eine halbierte „Sportschau“ vor, die um 19.15 Uhr beginnt und nur noch 45 Minuten dauert. Wäre das eine Option für die ARD?

Nein. Für uns als ARD ist das kein vorstellbares Modell. Wir glauben, dass eine gewisse Berichtslänge erforderlich ist, um ein Fußballspiel darzustellen.

Was passiert, wenn der Bundesliga-Spieltag weiter zerstückelt wird, mit zusätzlichen Spielen am Sonntagmittag oder Montagabend?

Dann werden wir neu überlegen müssen. Mit vier, fünf Spielen am Sonnabendnachmittag können wir die „Sportschau“ am Leben halten. Bei weniger Spielen ist das schwer vorstellbar.

Der Bezahlsender Sky wird aber auf mehr Exklusivität pochen, wenn er mehr Geld zahlen soll. Droht das Aus der „Sportschau“?

Zur Person:

Axel Balkausky ist seit 2009 ARD-Sportkoordinator. Zuvor war er seit 2007 Leiter des Programmbereichs Sport im NDR.

Der 53-Jährige studierte Publizistik, Politik und Geschichte in Münster.

Ich weiß gar nicht, ob sich die Exklusivität fürs Bezahlfernsehen noch so sehr steigern lässt oder ob nicht der Mix aus Pay-TV und Free-TV mit dafür verantwortlich ist, dass die Bundesliga wirtschaftlich betrachtet die zweiterfolgreichste Liga in Europa ist. Natürlich wird das Pay-TV versuchen, mehr Exklusivität zu beanspruchen. Ich glaube aber, dass die Liga erkannt hat, dass die „Sportschau“ eine wichtige Rolle für die Attraktivität der Bundesliga spielt.

Die Sendung wird jeden Sonnabend von mehr als fünf Millionen Menschen gesehen. Die Bundesliga hat einen hohen Wert für uns, aber wir haben auch einen hohen Wert für die Bundesliga. Darüber herrscht auf beiden Seiten Einigkeit. Das heißt aber nicht, dass die „Sportschau“ auf ewig garantiert ist.

Ist es überhaupt nötig, dass die gebührenfinanzierte ARD um die TV-Rechte für Bundesliga, EM und WM mitbietet? Das Privatfernsehen hat großes Interesse – der Volkssport Fußball wäre also weiterhin für jeden frei empfangbar.

Das Verfassungsgericht hat aber festgestellt, dass zum Angebot des öffentlich-rechtlichen Rundfunks auch Großereignisse gehören. Es gibt also keinen Legitimationsdruck für uns. Es ist nicht so, dass sich das öffentlich-rechtliche Fernsehen nur um die Dinge kümmern darf, die das Privatfernsehen verschmäht.

Wie sehr schmerzt der Verlust der TV-Rechte an den Olympischen Spielen von 2018 bis 2024?

Das schmerzt sehr. Die Olympischen Spiele laufen seit mehr als 60 Jahren bei ARD und ZDF und sind von den Sendern entscheidend mitgeprägt worden. Aber wenn sich ein amerikanischer Großkonzern wie Discovery/Eurosport um die europaweiten Rechte bemüht, dann sind uns als gebührenfinanzierte ARD natürliche Grenzen gesetzt.

Wird die ARD versuchen, Teilrechte zu kaufen?

Wir haben Gespräche mit Discovery aufgenommen. Da kann ich aber noch keine Wasserstandsmeldung geben. Ich habe die Hoffnung auf Olympische Spiele in der ARD jedenfalls noch nicht aufgegeben. Fakt ist aber auch: Eurosport kann die geforderten Übertragungsumfänge in Deutschland problemlos ohne uns abdecken.

Interview: Patrick Hoffmann

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