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Medien Abzocksender 9Live kommt nach zehn Jahren aufs Abstellgleis
Nachrichten Medien Abzocksender 9Live kommt nach zehn Jahren aufs Abstellgleis
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19:35 30.05.2011
Worte raten, Fragen beantworten, Bilderrätsel lösen, Rechenaufgaben knacken: 9Live lockte mit Geldgewinnen, die Zuschauer mussten anrufen. Jahrelang ging das gut. Quelle: adi

Irgendwann hatte es wohl einfach auch der Letzte gemerkt, irgendwann hatte sich herumgesprochen, dass es bei 9Live nicht viel zu gewinnen gibt. Irgendwann genügten die schrillen Sirenen, blinkenden Lichter, flehenden Moderatoren und sinnlosen Fragen („Tier mit S? Stirnlappenbasilisk!“) nicht mehr, um gelangweilte Glücksritter ans Telefon zu locken. Nun ist endlich Schluss mit dem Unsinn: Der umstrittene Spielsender 9Live, der immer wieder die Medienwächter auf den Plan rief, stellt seinen Livebetrieb ein. Der Dienstag ist der letzte Quiztag.

Als innovaties und revolutionäres TV-Erlösmodell feierte 9Live-Gründerin Christiane zu Salm, ehemalige MTV-Geschäftsführerin und jetzige Ehefrau des früheren Premiere-Chefs Georg Kofler, mit branchenüblichem Überschwang ihren Sender, der 2001 aus dem Zwergkanal tm3 hervorging. Doch die hektischen C-Prominenten wie „Big Brother“-Mann Jürgen Milski oder Kollegin Alida-Nadine Kurras, die mit absurden Quizfragen die Anrufzahlen in die Höhe peitschen sollten, wurden schnell zum Medienärgernis. Kritiker riefen „Betrug“, undurchsichtige Teilnahmebedingungen verschafften den 9Live-Machern ein Schmuddelimage, und die Aufsichtsgremien hatten alle Hände voll zu tun. Morgen nun stellt der Besitzer ProSiebenSat.1 sein ungeliebtes Stiefkind kalt. 9Live legt auf.

Damit geht ein ziemlich unerfreuliches Stück deutscher Fernsehgeschichte zu Ende. Der einstige Zankapfel wird nun erst mal zur Abspielstation für angestaubte Fernsehkonserven. Astro-Sendungen und Werbeclips sollen das Programm füllen, angereichert mit Altserien aus dem ProSiebenSat.1-Archiv: „Kommissar Rex“, „Für alle Fälle Stefanie“, „Alles außer Sex“ sowie US-Ware wie „Nip/Tuck“ und „The Practice“ oder der Sitcom-Klassiker „Wer ist hier der Boss?“ Der Schnitt hatte sich seit Langem angedeutet: Das zwielichtige Profil des Senders mit seiner Softporno-Schiene nach Mitternacht sorgte in der Münchener Zentrale vermehrt für Kopfschmerzen. Seit der Verschärfung der Regeln für TV-Gewinnspiele wuchs die Zahl der Verfahren, während die Umsätze des Senders schrumpften – allein im ersten Quartal 2011 gingen sie im Vergleich zum Vorjahr um gut ein Drittel auf 9,2 Millionen Euro zurück. Auch die Suche nach absurden Wörtern wie „Baumhausfensterbrettputzgarnitur“ war mit den Verschärfungen vorbei, die Abschaltung der analogen Satelliten-Ausstrahlung beschleunigte das Siechtum.

ProSiebenSat.1-Chef Thomas Ebeling gilt nicht eben als langmütig, wenn es um fehlende Erfolge und sinkende Umsätze geht. Der frühere Pharma-Manager hat die Senderfamilie kräftig umgebaut und soll den RTL-Konkurrenten dauerhaft auf Profit trimmen – schmerzhafte Entscheidungen eingeschlossen. Angesichts der Lage dürfte bei 9Live eigentlich niemand über das Ende überrascht gewesen sein. Ebeling selbst machte nie einen Hehl daraus, dass er nicht der größte Fan des Senders ist. „Mit dem jetzigen Geschäftsmodell kann man leben – aber es ist kein attraktives Leben“, sagte er noch vor wenigen Monaten.

Sebastian Raabe und Imre Grimm

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