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Medien Apple verkauft verbotene Nazi-Lieder über iTunes
Nachrichten Medien Apple verkauft verbotene Nazi-Lieder über iTunes
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12:22 26.01.2011
Indiziert, aber bei iTunes angeboten: Das Album „SS Schutzstaffel“. Quelle: adi
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Apple verpasst sich gern ein Saubermann-Image: Schlüpfrige Inhalte gibt es im Netz an jeder Ecke, aus seinen Internetläden will der US-Computerhersteller Sex und Erotik aber unbedingt verbannt wissen. Weniger genau nimmt es die Marke mit dem Apfel offenbar bei rechtsextremer Musik. Wer auf der deutschsprachigen Seite von Apples iTunes Store nach Alben mit rechts­extremem Gedankengut sucht, wird schnell fündig. Das Pikante: Auf mehreren der dort angebotenen CDs befindet sich das „Horst-Wessel-Lied“, die Parteihymne der NSDAP. Sie ist in Deutschland seit 1945 verboten. Eines der fünf Alben, das den bezeichnenden Namen „SS Schutzstaffel“ trägt, wurde 2008 zudem von der zuständigen Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPJM) auf den Index gesetzt.

Musik gilt Experten als Einstiegs­droge in die rechte Szene. Sie sei besonders für Jugendliche ein „Lockmittel“ und habe eine „identitätsstiftende Funktion“, heißt es im Verfassungsschutzbericht 2009. Vertriebswege wie der iTunes Store spielen nach Einschätzung des Verfassungsschutzes des Bundes zwar eine untergeordnete Rolle, da sich die Rechtsextremen im Netz eine eigene Vertriebsstruktur für die Szenemusik aufgebaut hätten. Mit Blick auf das bei Apple angebotene „Horst-Wessel-Lied“ fällt das Urteil der Verfassungsschützer jedoch deutlich aus: „Das ist ein klarer Straftatbestand.“

Die Pressestelle von Apple reagierte am Dienstag überrascht. Man werde die Inhalte in den nächsten ein bis zwei Tagen entfernen, sagte ein Sprecher gegenüber der HAZ. Wie die Alben in den iTunes Store gelangt sind, wie lange sie dort unentdeckt blieben und wie oft sie verkauft wurden, konnte der Apple-Sprecher nicht beantworten. Auch über das ansonsten breitgefächerte Angebot von Musik aus der NS-Zeit schweigt sich Apple aus: „Kein Kommentar“, hieß es am Dienstag.

Nicht nur Apple pflegt einen eher laxen Umgang mit rechtsextremer Musik. Auch der Internetversandhändler Amazon stellte bis Dienstag mindestens ein Album mit dem „Horst-Wessel-Lied“ zum Download zur Verfügung. Erst als das Unternehmen von den Recherchen der HAZ erfuhr, nahm es die CD aus dem Angebot. Für eine Stellungnahme war Amazon nicht zu erreichen.

Das Landeskriminalamt (LKA) rät Internetnutzern, illegale oder jugendgefährdende Inhalte direkt beim jeweiligen Anbieter zu melden: „Die sind zum Teil dankbar für Hinweise und beseitigen die Inhalte von ihrer Seite “, sagt LKA-Sprecher Falco Schleier. Wenn dies nicht helfe, sei eine weitere Anlaufstelle die von der Bundeszentrale für politische Bildung unterstützte Initiative jugendschutz.net, die seit 1998 etwa 1500 rechtsextreme Angebote beobachtet. Über ein Kontaktformular können Internetnutzer entsprechende Seite melden.

* Inzwischen hat Apple auf den Bericht der HAZ reagiert: Am Mittwochvormittag wurden die Alben, die unter anderem das "Horst-Wessel-Lied" enthielten, aus dem iTunes-Shop entfernt.

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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