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Medien Bettina Böttinger mag dünnere Bücher
Nachrichten Medien Bettina Böttinger mag dünnere Bücher
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08:00 02.07.2017
Spaziergang mit Autoren: Bettina Böttinger und Frank Schätzing plaudern in „Böttingers Bücher“ über Mord im Mittelalter und Hotels auf dem Mond. Quelle: Foto: WDR
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Köln

Tipps holt sich Bettina Böttinger in ihrer Buchhandlung und bei den Feuilletons. Dickleibige Romane müssen bei ihr bis zum Urlaub warten.

Frau Böttinger, Sie bekommen eine neue Literatursendung im WDR-Fernsehen. Sind Sie ein echter Bücherwurm?

Bettina Böttinger: Ich bin eine begeisterte und engagierte Leserin. Engagiert heißt, dass ich mich auch für Literatur einsetze, indem ich zum Beispiel bei Veranstaltungen wie dem Festival „lit.Cologne“ Gespräche mit Autoren moderiere.

Was lieben Sie am Lesen?

Ich liebe am Lesen unter anderem, dass es eine gute Therapie gegen die ständige Beschleunigung unseres alltäglichen Lebens ist. Das finde ich gerade im digitalen Zeitalter beruhigend. Ehrlich gesagt lese ich Bücher auf Reisen zwar als E-Book, aber trotzdem kann ich den Akt des Lesens ja nicht beschleunigen. Lesen ist ein Mittel zur Entschleunigung: Ich muss es auch mal aushalten, dass ein Roman soundso viele Seiten hat. Das ist ja fast eine Erziehungsmaßnahme, sich dem auszusetzen.

Ist die Zerstreuungsmaschine Fernsehen insofern nicht der natürliche Feind guter Literatur?

Literatur hat im Fernsehen Schwierigkeiten, den richtigen Platz zu finden. Normalerweise ist es so, dass in Büchersendungen drei oder vier Leute sitzen und über ein Buch diskutieren, im besten Fall mit dem Autor. Für meine Sendung habe ich einen ganz anderen Ansatz gewählt, es ist ein Format, das für das Fernsehen gemacht ist.

Inwiefern?

Es sind Gespräche mit Schriftstellern in Reportageform. Ich besuche die Autoren und will dahinter kommen, was das für Menschen sind. In der ersten Folge fangen wir mit Frank Schätzing und Hanns-Josef Ortheil an, beides erfolgreiche Autoren, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Sie haben aber etwas gemeinsam, nämlich ihre große Liebe zur Musik, beide hätten Berufsmusiker werden können. Ich war mit Ortheil auf dem Kölner Dom, und mit Schätzing war ich in seinem hochprofessionell eingerichteten Tonstudio. Da bekommt man ganz andere Eindrücke, als wenn man in einem Fernsehstudio an einem runden Tisch sitzt und über ein Buch spricht.

Wollen Sie Ihr Publikum eher unterhalten oder bilden?

Literatur hat gerade in unserer Zeit eine wichtige Funktion. Ein Buch ist für mich dann sinnvoll, wenn es mir neue Gedanken bringt, neue Perspektiven vermittelt, mich dazu bringt, über etwas neu oder anders nachzudenken. Ich will mit meiner Sendung Lust auf solche Bücher machen. Ich bin keine große Freundin von Unterhaltungsliteratur. Viele Menschen wollen sowas zur reinen Entspannung lesen, und das ist ihr sehr gutes Recht. Aber ich brauche solche Bücher nicht zu propagieren, die finden ihre Leser ja auch so.

Sind Leser bessere Menschen?

Die Frage kann man so nicht stellen. Der KZ-Arzt und Massenmörder Josef Mengele liebte Schumanns „Träumerei“, die er sich vom Mädchenorchester in Auschwitz regelmäßig vorspielen ließ – das sagt doch alles. Aber für sich selber hat man immer einen Gewinn, wenn man mit Neugier und Vergnügen liest.

Lesen Sie jedes Buch zu Ende?

Meistens schon. Das liegt zum einen daran, dass ich oft beruflich lese, etwa wenn ich einen Sachbuchautor im der Sendung „Kölner Treff“ zu Gast habe und mich darauf vorbereite – oder jetzt natürlich für „Böttingers Bücher“. Außerdem bin ich oft zu neugierig, um ein Buch einfach wegzulegen. Aus zeitökonomischen Gründen bevorzuge ich in der Regel aber etwas dünnere Bücher. Mit den dickleibigen Bänden warte ich meistens bis zum nächsten Urlaub.

Wissen Sie schon, welche Bücher Sie diesen Sommer in den Urlaub mitnehmen?

Ich werde das neue Buch von Mariana Leky mitnehmen, „Was man von hier aus sehen kann“, und „Der menschliche Makel“ von Philip Roth, ein Klassiker der modernen amerikanischen Literatur. Außerdem will ich unbedingt noch „Jürgen“ lesen, das neue Buch von Heinz Strunk, er ist einer meiner Lieblingsautoren.

Woher beziehen Sie Ihre Lesetipps?

Ich schaue gerne „Druckfrisch“, ich kenne Denis Scheck und schätze seine literarischen Ansichten. Das, was er in die Tonne drückt, muss ich nicht in die Hand nehmen, darauf kann ich mich glaube ich verlassen. Ich halte auch viel von den Literaturbesprechungen in den großen Feuilletons. Außerdem habe ich eine wunderbare Literaturbuchhandlung hier in Köln, die kennen ihre Kunden und geben mir Tipps. So was wird ja leider immer seltener.

Und welches Buch können Sie aktuell selber empfehlen?

Das Buch „Ein wenig Leben“ von Hanya Yanagihara. Es hat zwar fast 1000 Seiten und ich habe drei Wochen dafür gebraucht, trotzdem ist es meine ganz große Empfehlung.

Warum schreiben Sie eigentlich selber keinen Roman? Es gibt ja viele Prominente, die das tun…

Ehrlich gesagt bekomme ich öfter mal Anfragen von Verlagen. Aber ich würde mir nicht zutrauen, einen Roman zu schreiben – erstens habe ich nicht die Zeit, ich bin ja schon froh, wenn ich Zeit fürs Lesen finde. Außerdem gibt es schon genug mittelmäßige Bücher, für die Bäume gestorben sind. Zu diesem Baumsterben möchte ich nicht beitragen.

Von Cornelia Wystrichowski

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