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CDU und Grüne auf Kuschelkurs bei Anne Will

Özdemir und Schäuble CDU und Grüne auf Kuschelkurs bei Anne Will

Zwei Wochen vor der Bundestagswahl trafen sich Cem Özdemir und Wolfgang Schäuble bei „Anne Will“ zum Duell zwischen Grünen und der CDU. „Wie viel Grün steckt in Schwarz?“, wollte die Moderatorin wissen.

Der Spitzenkandidat der Grünen, Cem Özdemir (l.), und Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) mit Moderatorin Anne Will.

Quelle: dpa

Berlin. Nach dem Stuttgarter „Tatort“ über gescheiterte Verkehrspolitik ging es am Sonntagabend in der ARD schwäbisch weiter. Denn bei „Anne Will“ trafen sich Grünen-Parteichef Cem Özdemir und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). Beide stammen aus Baden-Württemberg. Und - wie zuvor schon im Krimi - spielten die Themen Verkehr und Klimaschutz eine große Rolle. 

Die Redaktion von „Anne Will“ verzichtete zwei Wochen vor der Wahl auf die sonst übliche Talkrunde und setzte stattdessen auf ein prominent besetztes Duell. Am ovalen Holztisch diskutierten die beiden Gäste die Frage: „Wie viel Grün steckt in Schwarz“? Nach einer jüngsten Umfrage würde es ein beachtlicher Teil der CDU-Anhänger begrüßen, wenn die Grünen in einer künftigen Regierung vertreten seien. Momentan ist das am ehesten in einer Jamaika-Koalition mit Union und FDP denkbar.

Schnell wurde in der Formation deutlich, dass auch die beiden Politiker am Tisch damit ganz gut leben könnten. So warf Schäuble der Ökopartei vor, eine Koalition 2013 nach stundenlangen Sondierungsgesprächen noch abgelehnt zu haben. „Sie haben eine offene Tür verpasst“, meinte der 74-Jährige. Auch nach dieser Bundestagswahl gelte es, sich mit mehreren Parteien zu unterhalten. Ausschließen will Schäuble ein Bündnis mit den Grünen nicht.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble bei „Anne Will“

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble bei „Anne Will“.

Quelle: NDR

Und so gab es in der 60-minütigen Liveshow auch kaum richtige Reizpunkte. Schäuble verwies auf die Regierungserfahrung seiner Partei. Die Grünen hätten tolle Ideen. Aber das Regieren sei sehr viel schwerer. Özdemir verlangte eine nachhaltige Umweltpolitik. „Die Erkenntnis ist bei Ihnen da, Herr Schäuble. Aber die Kraft, es umzusetzen, die gibt es nur mit den Grünen.“

Auch bei der Diskussion um ein Verbot des Verbrennungsmotors wurde deutlich, dass beide Parteien nicht allzuweit auseinanderliegen. Die Grünen fordern das Jahr 2030 als fixes Datum, die Union will lieber kein Ausstiegsdatum nennen. Und Özdemir machte deutlich: Über das Datum könne man in möglichen Koalitionsverhandlungen auch erneut reden. Das machte Özdemir bereits bei der Bundesleserkonferenz des RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vergangene Woche deutlich. Die von Schäuble geforderte Realpolitik ist längst angekommen bei den Grünen unter Özdemir. 

Der Spitzenkandidat der Grünen, Cem Özdemir, bei „Anne Will“

Der Spitzenkandidat der Grünen, Cem Özdemir, bei „Anne Will“.

Quelle: NDR

Der kam in der ARD-Talkshow immer wieder auf die Klimapolitik zu sprechen, auch wenn er gar nicht danach gefragt wurde. Etwa als es um die gesellschaftspolitischen Veränderungen in der Merkel-CDU ging - die Abschaffung der Wehrpflicht, der Ausstieg aus der Atompolitik, die Ehe für alle. Müsste sich seine Partei nicht freuen über so viele grünen Inhalte?

Der 51-Jährige respektiere es, dass die Union in den vergangenen Jahren viel Ballast abgeworfen habe und in die gesellschaftliche Mitte gerückt sei. Aber das könne auch schiefgehen, wie bei dem überhasteten Ausstieg aus der Atomenergie. 

CDU und Grüne sind sich bei vielen Themen einig

Schäuble begründete das Aufgeben konservativer Werte - ganz realpolitisch - mit dem Mehrheitswillen in der Bevölkerung. „Wenn eine Partei gesellschaftliche Veränderungen nicht mitgeht, dann gestaltet sie ja nur nostalgisch die Vergangenheit.“

Der Talk bei „Anne Will“ hat gezeigt, wie nah sich bei vielen Themen Union und Grüne mittlerweile gekommen sind und dass ein Bündnis durchaus vorstellbar ist. Nur bei der Einordnung der Bundeskanzlerin hatten beide Gäste eine etwas andere Vorstellung. Als Özdemir anmerkte, Merkel sehe inmitten von Staatschefs wie Wladimir Putin, Recep Tayyip Erdoğan oder Donald Trump fast schon aus wie eine Lichtgestalt, konterte Schäuble: „Sie ist eine!“ So weit wollte der Grünen-Chef dann aber doch nicht gehen.

Von Thomas Bremser

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