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Medien "Bild" ohne Bilder
Nachrichten Medien "Bild" ohne Bilder
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13:03 08.09.2015
Fällt auf: Die "Bild"-Zeitung vom Dienstag. Quelle: dpa
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Vor knapp einer Woche sorgte die "Bild"-Zeitung mit der ganzseitigen und unverpixelten Veröffentlichung des Fotos des ertrunkenen Flüchtlingskindes Aylan für Aufsehen. Nun hat das Boulevard-Blatt mit einer symbolträchtigen Aktion nachgelegt. Die komplette Dienstagsausgabe verzichtet im redaktionellen Teil auf Bilder. Auch auf der Webseite der Boulevardzeitung waren über mehrere Stunden Fotos ausgespart. Am Mittag war es damit vorbei - die Seite erschien wieder mit Bildern.

Der Bild-Verzicht der "Bild" ist dabei eine publizistische Reaktion auf die Debatte über die Veröffentlichung des Fotos von Aylan. “Wir wollen damit zeigen, wie wichtig Fotos im Journalismus sind. Und dass es sich lohnt, jeden Tag um das beste Foto zu kämpfen!", schreibt die "Bild" in einem namentlich nicht näher gekennzeichneten Artikel.

Werbe-Bilder sind die Ausnahme

In den vergangenen Tagen hatte es eine Mediendiskussion darüber gegeben, ob es richtig ist, das Bild zu veröffentlichen. Einige Medien zeigten nur den Hinterkopf des Kindes, andere das Kind frontal mit verpixeltem Gesicht. Wieder andere Zeitungen und Portale zeigten das Bild gar nicht.

Über die Macht der Fotos schreibt die "Bild" nun: "Sie wecken Emotionen in uns. Sie zeigen schöne Momente, aber auch grausame. Sie lassen uns mit anderen Menschen mitfühlen." Fotos könnten auch beweisen, was Mächtige verstecken wollten.

Dort, wo sonst Fotos gedruckt sind, und auch zunächst in der Onlineausgabe, waren am Dienstag graue Flächen zu sehen. "In der Zeitung und in unseren digitalen Kanälen verzichten wir auf Bilder", hieß es.

"Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann deutete die Aktion bereits am späten Montagabend über Twitter an – und legte im Verlaufe des Tages nach.

Ganz konsequent ist die Bild-Aktion der "Bild" allerdings nicht: Werbeanzeigen sind – sowohl in der Zeitung als auch in der Online-Ausgabe – wie üblich mit Fotos versehen. Zudem sorgt die Aktion auf der Webseite der "Bild" für Probleme, etwa im Sport-Teil, wo den Leser viel weiße Fläche erwartet. Ob deswegen am Dienstagmittag die Seite wieder im "Normalzustand" wieder online ging, ist unklar.

Die Reaktion auf den Vorstoß sind recht unterschiedlich. In einem Blog auf dem Portal "evangelisch.de" wird die "Bild" ohne Bilder gelobt. "Was immer man von der Bild-Zeitung an sich hält: Das ist eine sinnvolle, nützliche und, zumindest im Vergleich mit dem, was sonst dort zu sehen wäre, auch schöne Aktion."

In den sozialen Netzwerken sorgt die Aktion erwartungsgemäß für Wirbel. Auf Twitter äußern sich viele User unter dem Hashtag #BILDohneBilder. Es gibt Zustimmung, aber auch Kritik.

zys/dpa

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