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Das Erste steigt beim „Echo“ aus

Interview mit ARD-Unterhaltungschef Das Erste steigt beim „Echo“ aus

Die ARD verzichtet 2017 auf die Ausstrahlung der Echo-Verleihung – aus inhaltlichen Gründen. Im Exklusivinterview spricht Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber über diese Entscheidung, den neuen Vertrag mit Kai Pflaume und warum sein Sender die junge Altersgruppe ganz besonders erreicht.

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Thomas Schreiber, Unterhaltungskoordinator der ARD, zieht eine nahezu durchweg positive Bilanz.

Quelle: NDR

Hannover. Die „alte Dame“ ARD ist Deutschlands Unterhaltungssender Nummer eins. Das kommt angesichts der Konkurrenz doch durchaus überraschend. Im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) erklärt ARD-Unterhaltungschef Thomas Schreiber, wie es sein Programm geschafft hat, besonders bei der jungen Zielgruppe so gut anzukommen und wieso es für ihn nur die logische Konsequenz ist, auf eine Übertragung der Echo-Verleihung zu verzichten.

Herr Schreiber, die ARD ist Marktführer 2016 in der Unterhaltung. Das hat Programmdirektor Volker Herres jüngst beim ARD-Adventsessen verkündet. Wie konnte das passieren?

Das Erste ist ja ein eher informationsorientiertes Programm, in keinem anderen großen Sender sonst finden Sie so viele Nachrichtensendungen, Politikmagazine und Dokumentationen. Umso schöner ist es, wenn Unterhaltung Mehrheiten erreicht – das ist das Ergebnis von ein paar Jahren gemeinsamer und konzentrierter Arbeit in der Unterhaltungskoordination und vor allem in den Sendern. Entscheidend war sicher, dass wir keine Formate international eingekauft haben, sondern eigene Ideen wie zum Beispiel „Klein gegen Groß“ oder die App-basierte Eurovisions-Show „Spiel für Dein Land“ entwickelt haben, beziehungsweise bestehende Marken wie etwa die Sendungen mit Florian Silbereisen konsequent weiterentwickelt und modernisiert haben. Wir haben mit Jörg Pilawas „Quizduell“ und Kai Pflaumes „Wer weiß denn sowas“ im Vorabend Sendungen entwickelt, die auch um 20.15 Uhr mit den XXL-Ausgaben hervorragend funktionieren und Millionen Menschen unterhalten. Auch das „Paarduell XXL“ war am Samstagabend ein großer Hit.

Es wird manchen verwirren, dass die alte Dame ARD trotz des RTL-Dschungelcamps oder der ZDF-Satirehits vorne liegt – mit 14,8 Prozent vor RTL mit 13,0 Prozent. Ganz ohne Promi-Biathlon! Könnte man sagen: Lauschige Familienshows sind nicht so toll fürs Image, aber ganz gut für die Quote?

Für das Image ist es gut, wenn Kinder und ihre Eltern gemeinsam fernsehen oder am Tag darauf in der Mediathek eine Show wie „Klein gegen Groß“ gucken und darüber in der Schule oder auf der Arbeit sprechen. Es gibt aber noch einen anderen entscheidenden Faktor: Nur wer in allen Altersgruppen erfolgreich ist, gewinnt. Der „Eurovision Song Contest“ wird bei den 14 bis 19-Jährigen von 58 Prozent gesehen, und bei den über 65-Jährigen schauen auch mehr als 25 Prozent zu. Am 26. November lief das Adventsfest mit Florian Silbereisen, bei dem fast ausschließlich junge Künstler aufgetreten sind – ein lieber Kollege von ProSieben twitterte zum Sendungsstart „Dies ist ein Rentner-Tweet für Das Erste“. Am nächsten Morgen lag Das Erste bei den jungen Zuschauern mit dem Adventsfest sehr deutlich vor der Show von ProSieben. Das Interesse der Zuschauer ist unser größtes Kompliment, dafür arbeiten wir.

Guter Quotenbringer

Guter Quotenbringer: Die ARD setzt weiter auf Kai Pflaume.

Quelle: dpa

Charismatische Showmaster sind rar – wen sähen Sie gerne im Ersten, wenn Sie die freie Wahl hätten?

Kai Pflaume (der grade einen neuen Vertrag bei uns unterschrieben hat), Jörg Pilawa, Florian Silbereisen und Barbara Schöneberger – im Moment bin ich als Koordinator sehr happy. Bei Kai Pflaume haben wir beispielsweise mit „Zeig mir deine Welt“ ein Format gefunden, in dem Unterhaltungsfernsehen durch eine besondere Erzählform und spezielle Inhalte neu definiert wird und auch seine gesellschaftlicher Verantwortung zeigt. Mit Jörg Pilawa entwickeln wir gerade ein neues Format, auf das ich mich sehr freue. Er ist neben Kai Pflaume einer der wenigen Köpfe in Deutschland, der eine große Samstagabendshow trägt. Und deshalb wollen wir seine Präsenz an diesem wichtigem Tag ausbauen. Als Fernsehzuschauer vermisse ich persönlich Stefan Raab und habe zugleich großen Respekt vor seiner Entscheidung.

Es sind noch acht Wochen bis zum deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest 2017. Die Plattenfirmen sind entmachtet, Sie setzen jetzt voll auf Newcomer, internationale Komponisten und den Riecher des Publikums. Wie ist der Stand der Vorbereitungen?

Wir haben aus rund 2000 Bewerbungen bislang mehrere Kandidaten ausgesucht und in dieser Woche ein halbes Dutzend Songs gefunden. Unser musikalischer Leiter Wolfgang Dalheimer geht am Wochenende mit den Kandidaten ins Studio, um auszuprobieren, ob und wie Lieder und Sänger zusammenpassen. Wir sind ganz gut im Zeitplan.

Blickt positiv ins Jahr 2017 – dabei war 2016 schon nicht ganz schlecht

Blickt positiv ins Jahr 2017 – dabei war 2016 schon nicht ganz schlecht: ARD-Unterhaltungschef Thomas Schreiber.

Quelle: dpa

Sehen Sie unter den bisherigen Bewerbern jemanden, der in Kiew einen Top-Ten-Platz erreichen kann? Und was ist das Ziel?

Unser Ziel ist eine Platzierung unter den Top Ten. Wir haben ein paar sehr unterschiedliche Persönlichkeiten gefunden und hoffen, dass Menschen dabei sind, denen es gelingen kann, zuerst einmal die deutschen Fernsehzuschauer in den jeweils dreiminütigen Auftritten so zu verzaubern und deren Herzen anzusprechen, dass die für sie anrufen.

Die Ukraine ist derzeit nicht gerade Europas Partyzentrale. Welche Rolle wird die Sicherheit beim ESC 2017 spielen?

Sicherlich eine große, aber die größere Herausforderung für das Team in Kiew ist die knappe Zeit. Das ist eine sehr komplexe Show, und in den kommenden Wochen müssen fix ganz elementare Entscheidungen getroffen werden. Mit welchen internationalen Experten arbeitet der ukrainische Sender zusammen? Wann werden Verträge geschlossen? Ich bin sehr zuversichtlich, dass meine ukrainische Kollegin Victoria Romanova und ihr Team einen eindrucksvollen und emotionalen Fernsehabend schaffen werden.

Nicht nur wegen der jüngsten ESC-Pleiten: Die ARD-Unterhaltung hat eine Rüttelstrecke hinter sich. Die Echo-Gala etwa wirkte bieder und selbstverliebt. Woran lag das?

Der Echo war beim 25. Geburtstag erschöpft und müde. Wenn Musiker, für die der Preis vergeben wird, sich mehr Zuspruch davon versprechen, dass sie auf der Bühne „ihren“ Preis dissen und schlecht machen, wie kann der Zuschauer zuhause Spaß daran haben?

Das klingt kritisch.

Die Veranstalter des Echo haben mir keine inhaltliche Perspektive für eine größere Relevanz aufzeigen können, deshalb wird es aus inhaltlichen Gründen 2017 im Ersten keinen Echo geben.

Dieses Bild wird es 2017 in der ARD nicht mehr geben

Dieses Bild wird es 2017 in der ARD nicht mehr geben: Barbara Schöneberger moderiert die Echo-Verleihung.

Quelle: dpa

Ist die große Zeit der Branchenevents nicht ohnehin vorbei? Ist es nicht inzwischen fast albern, eine Burda-Werbeveranstaltung wie den „Bambi“ live im Ersten zu zeigen?

Na, immerhin ruft der Bambi bei Ihnen mehr Emotionen wach als der Echo, lieber Herr Grimm. Der Bambi wird 2017 die einzige Preisverleihung im Ersten sein, in diesem Jahr unter anderem mit dem Papst, Bastian Schweinsteiger, Jogi Löw, Robbie Williams, dazu einigen guten Protagonisten des Ersten wie Anja Reschke, Barbara Schöneberger, Alexander Bommes, Kai Pflaume – bis auf Obama waren sozusagen alle da. Und das Obama-Interview gab es vor dem Bambi – war jetzt kein ganz schlechter Donnerstagabend. Aber richtig ist, jeder Preis muss Jahr für Jahr seine Attraktivität und seine Relevanz aufs Neue unter Beweis stellen. Vor 30 oder 40 Jahren konnten Preise Strahlkraft entwickeln, wenn sie Stars versammelten – heute kannst Du Deinen Stars auf Twitter oder Facebook folgen. Die Herausforderung für jede Preisverleihung ist die Frage „Warum muss ich das heute Abend einschalten?“, und da schneidet der Bambi im Vergleich nicht so schlecht ab.

Das Jahr 2016 war ohne Harald Schmidt kaum auszuhalten. Jan Böhmermann buhlt im ZDF verstärkt um eine werktägliche Late-Night-Show. Haben Sie schon telefoniert?

Ja, mit dem WDR und Carolin Kebekus.

Von RND/Imre Grimm

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