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Nachrichten Medien Das Handy als kostenloses Navi
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21:03 28.04.2010
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Vorbei sind die Zeiten, da Navigationsgeräte fürs Auto drei- oder als Einbauvariante gar vierstellige Summen kosteten. Seitdem der damalige US-Präsident Bill Clinton am 1. Mai 2000 das bis dahin geltende GPS-Störsignal abschaltete, mit dem das Militär die Nutzung für die Allgemeinheit unterband, sind die satellitengestützten Navigationssysteme massentauglich geworden. Besitzer eines iPhone-Handys bekommen die Programme namhafter Hersteller wie Navigon oder TomTom für unter 100 Euro – und in abgespeckter Version sogar kostenlos.

Seit Wochen belegen Navigationsprogramme fürs Auto die vorderen Plätze in den Verkaufshitparaden des Apple Store fürs iPhone. Navigon, TomTom, Skobbler, Ndrive und einige weitere Konkurrenten liefern sich einen Kampf um die Vorherrschaft auf dem iPhone, der zuletzt vor allem über den Preis ausgetragen wurde. Nur noch 50 bis 100 Euro kosten die Luxusprogramme, Skobbler und Ndrive sind mit weniger Funktionen für weniger als fünf Euro zu haben. Der jüngste Coup gelang Navigon: Das Unternehmen bietet neuerdings eine Version seines Navigationsprogramms mit der Bezeichnung „select Telekom Edition“ gratis an – und verprellte damit Nutzer, die sich kurz zuvor für 70 Euro die Fassung mit Kartenmaterial für Deutschland, Österreich und die Schweiz gekauft hatten.

Dabei hat die Kostenlosversion der Navigationssoftware durchaus Haken. Nutzbar ist sie nur für Telekom-Deutschland-Kunden – und das zunächst auch nur für die Dauer von zwei Jahren. Zudem handelt es sich um eine abgespeckte Version gegenüber dem kostenpflichtigen Produkt: Nützliche Hilfen wie die Kartenansicht in 3-D oder „Traffic Live“ fehlen, ein Modul zum automatischen Abruf von Stau- und Baustelleninformationen. Diese Module lassen sich allerdings nachrüsten. Sie kosten jeweils 10 bis 20 Euro.

In der Praxis vermag solche Navigationssoftware fürs Handy tatsächlich die einstigen Navi-Apparate zu ersetzen. Die Zieladresse ist einzutippen, schon startet das „Navi“ und zeigt die zu fahrende Route auf einer zwei- oder dreidimensional dargestellten Karte. Informationen zum Abbiegen an Kreuzungen zeigt das Handy in der Karte, und eine computergenerierte Stimme spricht die entsprechenden Kommandos über die eingebauten Lautsprecher des Handys aus. Nur bei hoher Reisegeschwindigkeit und entsprechend lauter Soundkulisse im Auto wirkt diese Stimme manchmal zu leise, doch taugt die Navigation im normalen Stadtverkehr allemal.

Wichtig und separat zu erwerben ist eine Halterung fürs iPhone, die beispielsweise mit einem Saugnapf an der Windschutzscheibe befestigt wird. Des Weiteren ist ein Ladekabel fürs Auto unbedingt empfehlenswert: Sonst saugt die Navi-Software durch ihre intensive Nutzung des GPS-Empfängers, der Sprachausgabe und dem Abgleich mit aktuellen Stauinformationen sowie Satellitendaten übers Internet binnen ein bis zwei Stunden den Akku des iPhones leer. Gängige Ladekabel werden in den Zigarettenanzünder gesteckt.

Der GPS-Empfänger im iPhone, der die satellitengestützte Ortung des aktuellen Standorts besorgt, ist ohnehin ein gewisser Schwachpunkt beim Navigieren. Auf dem leistungsschwächeren iPhone 3G erlebten wir mit der TomTom-Software gegenüber dem 3GS-iPhone mit der Navigon-Software gelegentlich lästige Verzögerungen bei den Navigierkommandos und bei der Anzeige des aktuellen Standorts. Da kommt der Hinweis zum Abbiegen schon mal Sekunden zu knapp. Offensichtlich reizt die Software die Möglichkeiten des älteren iPhones bis an die Grenze aus. Auf dem neueren iPhone 3GS profitiert die Software dagegen vom eingebauten Kompass und dem schnelleren Prozessor. TomTom bietet zur Verbesserung der GPS-Eigenschaften ein „Car Kit“ für etwa 80 Euro an, das zum einen als Halterung dient, zum anderen den GPS-Empfang zuverlässiger macht.

Navigon hat auf die Beschwerden von Käufern der bisherigen kostenpflichtigen Fassung reagiert und bietet ihnen seit vergangener Woche ein kostenloses Update auf eine weitere neue Fassung namens EU10 an. Darin ist Kartenmaterial für zehn EU-Länder enthalten, außerdem kommt eine neue Funktion namens MyRoutes zum Tragen: Dabei wird die Streckenführung auf den Wochentag und die Tageszeit zugeschnitten, sodass sich erfahrungsgemäß stark ausgelastete Straßen zu bestimmten Zeiten meiden lassen. Wer sich diese Navigationssoftware aufs iPhone laden möchte, braucht indes einen guten DSL-Anschluss. 1,7 Gigabyte umfasst das Programm – da dauern der Download am PC je nach Leitung durchaus Stunden und die Übertragung von dort aufs Handy eine Viertelstunde. An den Down­load per UMTS ist da nicht zu denken.

Am Horizont kräuseln bereits die nächsten Schritte der technischen Entwicklung: Da verknüpfen solche Navigationsprogramme ihr bislang starres Kartenmaterial nicht mehr nur mit aktuell nachgeladenen Stauinformationen aus dem Internet, sondern auch mit den Routendaten und der Reisegeschwindigkeit anderer Nutzer. Die sozialen Medien wie Facebook und Twitter sollen hierfür mitgenutzt werden, jene Dienste also, die bisher zum Chatten und Quatschen genutzt wurden. Auf der CeBIT zeigte die Deutsche Messe AG außerdem eine iPhone-Anwendung, die den aktuellen Standort der Busse auf dem Gelände zeigte. Man stelle sich im nächsten Schritt den öffentlichen Nahverkehr und andere Verkehrsnutzer als Impulsmesser für Staus und absehbare Verkehrsdichte vor – die „Navis“ mit Internetanschluss bekämen eine neue Qualität.

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