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Nachrichten Medien Das WePad, die deutsche Antwort auf das iPad, im Test
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20:32 31.03.2010
Im schicken Magnesium-Aluminium-Rahmen: Das WePad - die deutsche Antwort auf das iPad von Apple. Quelle: Handout
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Mittwochmittag im Newsroom der Redaktion in Hannover. Helmut Hoffer von Ankershoffen kommt etwas abgehetzt gemeinsam mit Maren Zerbin direkt aus der Schweiz an, der Berliner Neofonie-Geschäftsführer und seine Assistentin waren dort beim Verlagskonzern Ringier („Blick“). Im Gepäck haben sie jenes Gerät, das seit ein paar Wochen die Fachmedien elektrisiert – nicht nur in Deutschland, sondern auch international: das „WePad“.

Das WePad wird ganz ähnlich wie das iPad von Apple, das am kommenden Sonnabend in den USA auf den Markt kommt, ein digitales Lesegerät fürs Sofa und den Frühstückstisch – „der nächste Formfaktor“, sagt von Ankershoffen, sprich: ein grundlegend neuer Technikspross in der Reihe PC, Laptop, Smartphone. Es ist ungefähr so groß wie eine DIN-A4-Seite, dicker und schwerer, mit einer Glasplatte versehen und zu bedienen mittels Fingerbewegungen auf dem Glas.

Doch was ist das, was von Ankershoffen da aus der Tasche zieht? Abgewetzt und mitgenommen sieht dieser „Tablet PC“ aus, der blaue Einschaltknopf ist schlimm eingedrückt; abgegrabbeltes schwarzes Klebeband hält notdürftig das Logo „Wepad“ fest – und der Rahmen des „Geräts“ ist aus Holz. So wie einst Apple seine ersten Computer aus Holz schreinerte, so ist auch das WePad zunächst nur als Prototyp mit einer Holzummantelung zu sehen. „Der andere Prototyp ist gerade in Frankreich“, erzählt von Ankershoffen. Erst in der nächsten Woche sollen die ersten Seriengeräte aus Asien eintreffen – dann wird ein Magnesium-Aluminium-Rahmen dem WePad den gewissen Schick verleihen.

So ist Hoffer von Ankershoffen einstweilen auf Werbetour – wozu im Gespräch mit mir als Journalisten gehört, exakt festlegen zu wollen, was man schreiben dürfe und was nicht. Einzig über ein Facebook-Konto hat er bisher 6000 „Fans“ gewonnen, „dort haben wir uns entdecken lassen“. Nur scheibchenweise sollen über die Kontakteplattform mehr und mehr Details an die Öffentlichkeit gelangen. Fotos vom Prototypen? Nicht heute. Ein Video von der Bedienung? Es würde in der interessierten Szene gewiss weltweit einschlagen. Nein, auch das nicht.

Bei einem Event in Berlin in zwei Wochen soll das möglich sein, „da kommen drei Fernsehteams und mehr als hundert Journalisten“. 2010 werde das Jahr des Tabletts, und das nicht nur wegen des iPads und des WePads, sondern auch wegen vieler weiterer Geräte anderer Hersteller, die in diesem Jahr herauskommen. Was beim WePad passiert, wer etwa den technischen Support für Käufer übernimmt oder welche Verlage bereits über den bisher bekannt gewordenen Verlag Gruner + Jahr mit dem "Stern" mit im Boot sind - das soll nach und nach enthüllt werden, um die Aufmerksamkeit und Spannung zu halten. So bleibt mir lediglich die Rolle, als einer der ersten Journalisten, „exklusiv“ beschreiben zu können, wie sich der Prototyp als Gerät anfühlt – ein weiteres Scheibchen im Kommunikationsplan des 170-Mann-Unternehmens.

Zum Hochfahren benötigt die Holzklasse des Tablett-Rechners gut zehn Sekunden, ein bisschen Linux-Krams fährt über den Schirm, anschließend muss man sich mit Namen und Kennwort einloggen. Die Bedienoberfläche wurde von 4tiitoo (ausgesprochen wie die englische Zahl 42) entwickelt, einer 28-Mann-Firma aus München mit 113. 414 Euro Stammkapital. Drei Jahre lang hat das Unternehmen das System entwickelt. „Wir haben es intensiv getestet, mit einer dreistelligen Zahl von Nutzern“, sagte 4tiitoo-Geschäftsführer Tore Meyer auf Anfrage. Hinter dem Unternehmen steckt als Anteilseigner unter anderem Klaus Appelhoff, der früher Vorstandsmitglied bei Karstadt war.

Tatsächlich scrollt das System flüssig auf Fingerbewegung über den Schirm, nur manchmal hakelt es: „Das ist noch der resistive Schirm, das eigentliche Modell wird einen kapazitiven Schirm aufweisen“, erklärt von Ankershoffen. Das bedeutet: Der Prototyp reagiert noch auf Druck; der auch bei Apple übliche Monitor wird dagegen auf elektrischen Widerstand reagieren (und damit leichtgängiger). Der Technikjournalist Sascha Pallenberg hat kürzlich nach Vergleichen von Internetfotos und Videos enthüllt, dass hinter diesem Display die gleiche taiwanische Firma steckt, die auch das iPad für Apple herstellt.

Mehrere Minifenster erlauben auf dem WePad Abfragen bei Internet-Seite wie der Wikipedia, unter telefonbuch.de oder auf anderen Webseiten. Ein erstes Magazin, das auf dem WePad zu haben ist, ist der „Stern“ – und da blitzt tatsächlich das erste Mal etwas auf: Vor- und zurückblättern gelingt damit prima, über Scrollpfeile nach oben und unten gelangt man zur nächsten Story. Das ist fast so intuitiv wie in einem Magazin auf Papier – und instinktiv lehnte ich mich zum bequemen Lesen zurück.

„Kann’s verzaubern?“, wurde ich am Mittwoch bei Twitter gefragt. Klare Antwort: Noch nicht. Der Schirm ist etwas zu spiegelig, noch zu sehr Monitor statt locker lesbares Display, wie es bei anderen Geräten wie dem Kindle von Amazon der Fall ist. So bleibt also noch Luft nach oben – und für die frisch gegründete WePad GmbH, die jetzt hinter dem Vorhaben steht, Gelegenheit, noch an mehreren Tagen weitere Details zu enthüllen, bis es letzlich auf den Markt kommt.

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