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Die EM-Highlights abseits des Spielfelds

Mediale Zwischenbilanz Die EM-Highlights abseits des Spielfelds

Die Alles-oder-nichts-Phase der EM läuft. Zeit für eine mediale Zwischenbilanz dieses seltsamen Turniers, dessen Höhepunkte eher abseits des Spielfelds zu finden sind.

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Zwei von vielen Höhepunkten: Der Trainer der deutschen Nationalmannschaft, Jogi Löw, hat die Hand in der Hose (l.), Ronaldo und ein Fan machen ein Selfie.

Quelle: dpa

Der Sound der EM

Will Grigg ist nicht mehr "on fire". Das ist schade. Denn als Will Grigg noch "on fire" war, da war das Turnier wenigstens akustisch eine Augenweide (also: Ohrenweide). Nordirland ist ausgeschieden. Die Hymne seiner Fans auf den Drittliga-Torschützenkönig Will Grigg vom Club Wigan Athletic – eine promillebefeuerte Umdichtung des Europop-Hits "Freed from Desire" der Sängerin Gala von 1996 – war der Soundtrack der Vorrunde. Und auch Irland ist raus. Die "Boys in Green" sangen in der U-Bahn ein Kleinkind in den Schlaf und schworen einer hübschen Französin ewige Liebe. Nicht immer melodiesicher. Aber nett gemeint.

Die Reporter der EM

"Es gibt Elfmeter!", ruft ZDF-Mann Béla Réthy. Nein, gibt es nicht. "Kopfball Nani!". Nein, Kopfball Ronaldo. "Ein hochverdientes Nullzunull!" Ja – äh? Gewiss: Es ist ein hartes Brot, Schlafmützenspiele wie das Achtelfinale zwischen Kroatien und Portugal mit Sprechgeräuschen zu begleiten. Aber Béla "Saushämpten" Réthy wirkt zuweilen, als habe ihn der Geist von Malente am Mikrofon angekettet und seinen Faktenzettel geklaut. Wann immer der Fußballgott oder der Schiedsrichter seinen Anweisungen nicht folgen mögen, ist er gekränkt wie Cristiano Ronaldo nach einem 1:1 gegen Island. König des Sinnlosgeschwurbels bleibt aber ARD-Reporter Steffen Simon mit seinen eitlen Wortdrechselpannen ("Das war der Auslöser für den Dosenöffner"). Réthy im Zweiten, Simon im Ersten – der Schrecken ist gerecht verteilt. "Fußball ist ein Resultatsport", sagt Réthy. Ja, eben.

Der Shitstorm der EM

Ja, eine Frau hat zwei Spiele kommentiert. Nein, Claudia Neumann hat das nicht perfekt gemacht. Die Pauschal-Pöbeleien idiotischer Minimachos jedoch – vom ZDF bei Facebook dokumentiert – waren armselig. Aber was soll‘s? "Mal ist man der Hund, mal der Baum" (Mario Götze, Philosoph).

Der Geysir der EM

Siegtor für Island gegen Österreich in letzter Minute! TV-Reporter Guðmundur Benediktsson eskaliert. Gruß an die Stimmbänder. Sein sympathisch-eruptiver Siegestaumel ist ein Youtube-Hit. Aber was hat der Reporter-Geysir eigentlich "gesagt"? Hier Auszüge im Wortlaut: "Und Theódór Elmar – er ist ganz alleine. Drei gegen zwei. Emmi, ab in den Kasten! Ab in den Kasten! Emmi! Ja! Ja! Ja! Ja! Ja! Wir gewinnen das hier! Wir sind unter den letzten 16. Wir haben gegen Österreich gewonnen! Meine Stimme ist weg, aber das ist egal. Wir sind durch! Arnor Ingvi Traustason hat getroffen. Island zwei, Österreich eins. Wer hätte das gedacht! Ich hab mich noch nie, nie so gut gefühlt. Arnor Ingvi Traustason sichert Island den ersten Sieg bei der EM. Wir haben kein Mal verloren, vergesst das nicht! Danke, dass ihr gekommen seid, Österreich! Danke fürs Kommen!“

Das Selfie der EM

Nicht völlig grundlos könnte man behaupten, dass das größte Selfie der EM natürlich Cristiano Ronaldo selbst ist, der "Marketingfritze"(Oliver Kahn), dem eine gut sitzende Quertolle wichtiger ist als der Respekt seiner Sportkollegen. Und der schon mal Mikrofone in Seen schmeißt, wofür niemand Verständnis hat außer Oliver Kahn ("Warum ist da überhaupt ein Mikrofon?"). Ronaldos duldungsstarrer Gesichtsausdruck beim Überfall-Selfie eines Fans mit klemmender Handykamera verriet hübsch sein emotionales Dilemma zwischen "Ich will hier weg" und "Es gucken 130 Millionen Menschen zu, reiß dich zusammen".

Der Verlierer der EM

Unabhängig vom Ausgang des Finales heißt der große Verlierer der EM 2016 Uefa. Ein Sicherheitskonzept zum Kopfschütteln, lächerliche Bildzensur während der Hooligan-Krawalle zu Beginn, ein auf 51 Spiele aufgeblähtes, von zäher Taktik geprägtes Turnier mit der niedrigesten Vorrunden-Torquote seit 1968: 1,92 Tore pro Spiel. Der absurde Modus führte dazu, dass die Türkei und Albanien vor dem Fernseher ausschieden, während Portugal ohne einen Sieg im Achtelfinale landete. Der Einzige, der wirklich verstanden hat, welche Drittplatzierten nun die Gruppenphase überleben würden, war ZDF-Touchscreen-Gott Holger Stanislawski. Aber der ist ja auch schlau.

Die Quoten der EM

Ist halt Fußball. Läuft. Dreimal übersprangen ARD und ZDF in der Vorrunde die 25-Millionen-Marke. Das deutsche 0:0 gegen Polen sahen 27,34 Millionen Zuschauer. Die Marktanteile liegen fünf Prozent über denen der EM 2012. Ohne Chance war dagegen EM-Abstauber Sat.1: Höchstwert: 2,62 Millionen Zuschauer für den 1:0-Sieg Irlands gegen Italien. Tiefstmarke: 260 000 Zuschauer beim Spiel Ukraine gegen Polen (parallel zum Deutschland-Spiel). Nicht so richtig rund läuft‘s auch für das verkopft-verrätselte ARD-Sozialexperiment "Beckmanns Sportschule" mit Tim Wiese als Kultfigurdarsteller. Bis jetzt ist ungeklärt, was das soll.

Die Vokabel der EM

"Das ist klassisches Packing", behauptet ARD-Scharfrichter Mehmet Scholl. Das kann schon deshalb nicht sein, weil es "Packing" erst seit ungefähr Dienstag gibt. Die Modevokabel bezeichnet die Menge der durch einen langen Pass überspielten Gegner (Packing bei Deutschland gegen Nordirland: 47:16). Muss man aber nicht wissen, wenn es nicht mal Jérôme Boateng weiß. "Ich weiß nicht, was das ist", sagte er vor Journalisten. "Aber schön, dass ich Zweiter bin."

Der Krauler der EM

90 Minuten lang Jogi Löw live – die sogenannte Coach-Cam ist aber auch fies. Die Diskussion über Löws öffentliche Kronjuwelen-Korrektur beendete Lukas Podolski mit dem schönen Satz: "80 Prozent von Euch und ich auch kraulen sich auch mal an den Eiern." Und damit ist alles gesagt.

Die Überraschung der EM

Neben den sympathischen "Kleinen" – Island, Wales, Albanien, ­Joshua Kimmich – heißt der große Gewinner dieser EM "Energy of Azerbaijan". Kleiner Scherz. Medial gesehen ist es das Turnier von Oliver Welke. Der Mann kann einfach rechts wie links.

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