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Der Brockhaus setzt auf digital

Kostenpflichtiger Wissensservice Der Brockhaus setzt auf digital

Der Brockhaus: Das ist doch jenes Konvolut aus vordigitalen Zeiten, das heute vor allem als eingestaubtes Accessoire in den Büros von Professoren und in Großeltern-Wohnzimmern zu sehen ist. Das war einmal, die Enzyklopädie sucht ihre Zukunft in der digitalen Welt.

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Ob auf dem Handy oder am Computerbildschirm – der Brockhaus im digitalen Zeitalter.

Quelle: Brockhaus

Nach 200 Jahren hatte die Bertelsmann-Tochter Wissenmedia den Vertrieb der gedruckten Enzyklopädie 2014 eingestellt. Zu stark war die Internetkonkurrenz durch die Wikipedia geworden. Der Brockhaus existierte als kostenpflichtiger Wissensservice weiter – von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt. Das soll sich jetzt, nach der Übernahme durch die schwedische Nationalenzyklopädie, ändern.

Auf der Frankfurter Buchmesse stellte der Brockhaus sein neues Konzept vor. Der Stand verströmt Hightech-Atmosphäre. Hier will jemand unbedingt Modernität beweisen. „Mit der Marke Brockhaus verbinden die Menschen nach wie vor ein Qualitätsversprechen, nur wird der Brockhaus öffentlich nicht mehr wahrgenommen. Jetzt müssen wir uns die Frage stellen, wie wir sie am Leben halten“, sagt Mitarbeiter Andreas Koschinsky.

"Können nicht mit Wikipedia mithalten"

Man wolle sich entfernen vom starren enzyklopädischen Wissen. Etwas verspätet kommt die Zielvorgabe, den Brockhaus an die „Anforderungen der heutigen Infogesellschaft“ anzupassen. Man richte sich nicht an Privatpersonen, sondern an Schulen, Universitäten, Bibliotheken und Unternehmen. Zu Wikipedia sagt Koschinsky: „Das ist ein ganz anderes Produkt mit eigenen Stärken, mit denen wir allein quantitativ nicht mithalten können oder wollen.“

Beim Brockhaus könne man sich darauf verlassen, dass nur geprüfte Quellen verlinkt werden. „Auch die Aktualisierung ist bei Wikipedia eher Glücksfall, bei uns eine Vorgabe, wie auch sprachliche Richtlinien.“ Der Wissensservice ist im Gegensatz zu Wikipedia kostenpflichtig. Auch darauf hat Koschinsky eine Antwort: „Es zahlen ja nicht die Nutzer, sondern die Institutionen wie Schulen und Bibliotheken.“ Über die genauen Preise der Wissenspakete schweigt er. Sie richten sich nach der Einwohnerzahl der Gemeinden und nach den Mitarbeiterzahlen von Unternehmen.

In der Gesamtheit zu beliebig

In Gütersloh in Nordrhein-Westfalen pflegt immer noch die alte, inzwischen 15-köpfige Bertelsmann-Redaktion „die Substanz“, wie Koschinsky sagt. Das Angebot umfasst neben den rund 300.000 Stichwörtern die Harenberg-Kulturführer für Theater, Oper und Roman, ein Deutschwörterbuch, ein Porträt von 100 Meisterwerken der Kulturgeschichte sowie eine anschauliche Übersicht der Unesco-Welterbestätten mit Detailinformationen.

Ein 3-D-Modell erklärt den Körper des Menschen. Ein digitaler Kurs zu Medienkompetenz ist in Planung. Insgesamt wirkt die Zusammenstellung zwar im Detail informativ, in der Gesamtheit aber etwas beliebig. Lange stand der Brockhaus dafür, die Welt in all seinen Facetten abzubilden. Dieser Anspruch lässt sich mit geschwundenen Ressourcen nicht mehr aufrechterhalten.

Von Nina May

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