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Nachrichten Medien Drei Favoriten für den RBB
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10:02 11.03.2016
Dagmar Reim (Archivbild) hört Mitte des Jahres auf. Deshalb wird ein neuer Intendant für den RBB gesucht. Quelle: Sebastian Kahnert/dpa
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Berlin

Auf die gesetzlich vorgeschriebene Stellenanzeige gingen zwar 28 Bewerbungen ein. Überzeugt hat aber keine einzige. Auch die drei internen Bewerber sind aus dem Rennen, sowohl die zunächst als Favoritin gehandelte Programmchefin Claudia Nothelle als auch Justiziar Peter Binder und Verwaltungsdirektor Hagen Brandstäter, zugleich stellvertretender Intendant der Zweiländeranstalt.

Es obliegt damit der aus dem Rundfunkrat rekrutierten, zehnköpfigen Findungskommission, auf eigene Faust Kandidaten zu finden. Zwei sollen es mindestens sein, maximal aber drei Namen, die den Mitgliedern des Rundfunkrats bis Freitag genannt werden müssen. Die Wahl wird am 7. April in Potsdam stattfinden.

Drei Namen und eine Absage

Nach Informationen des Redaktionsnetzwerks Deutschland, zu dem die HAZ gehört, zählen zu den Favoriten Volker Herres, der fürs Erste zuständige Programmchef der ARD, die ARD-Generalsekretärin Susanne Pfab sowie Patricia Schlesinger, die beim NDR-Fernsehen den Programmbereich Kultur und Dokumentation leitet. Abgesagt hat Tina Hassel, für die die Anfrage wohl schlicht zur Unzeit kam. Erst im Juli hat die frühere Leiterin des Washingtoner ARD-Büros Ulrich Deppendorfs Nachfolge an der Spitze des Hauptstadtbüros angetreten.

Zwar soll noch ein vierter Name im Gespräch sein. Aber bereits die genannten drei Favoriten zeigen, worum es der Findungskommission geht: um das Programm, die Medienpolitik und um das journalistische Profil des RBB.

Das sind die Chancen der Kandidaten

Herres wäre derjenige, der das RBB-Fernsehen aus seinem andauernden Quotentief führen könnte. Fiele die Wahl auf ihn, müsste er sich mit Programmchefin Nothelle arrangieren, der genau diese Schwäche angelastet wird. Würde der Programmchef des Ersten aber riskieren, gegen einen anderen Kandidaten zu verlieren? Ihn alleine antreten zu lassen, mit dem Gewinnlos in der Tasche, widerspräche dem Willen des Rundfunkrats, eine Wahl zu haben, die diesen Namen verdient. Zudem scheinen sowohl die Findungskommission als auch der Rundfunkrat eine Frau zu favorisieren.

Das spricht für Susanne Pfab, die als Juristin keinerlei journalistische Erfahrung mitbringt und erst seit Januar 2015 Generalsekretärin der ARD ist. Diesen Posten schon wieder neu besetzen zu müssen, wäre für die ARD misslich. Schließlich ist da Patricia Schlesinger, die im Grunde alle Fähigkeiten mitbringt, die der Rundfunkrat als Eignungskriterien festgelegt hat.

Die 54-Jährige ist eine politisch versierte, durch und durch öffentlich-rechtlich geprägte Journalistin mit reichlich Auslandserfahrung als Korrespondentin für Südostasien und die USA. Führungserfahrung hat sie beim NDR über viele Jahre gesammelt. Als ehemalige Moderatorin von „Panorama“ und diversen „Brennpunkten“ besitzt sie einigen Bekanntheitsgrad und soll auch mit Dagmar Reim gut können – was nichts zur Sache tut, aber hilft.

Auch ein Herz für Dritte Programme bringt die aus Hannover stammende Frau des frisch pensionierten "Spiegel"-Redakteurs Gerhard Spoerl mit. "Lokal fühlen, global denken", lautet ihr Motto, was sich in preisgekrönten Dokumentationen für die "Story" im Ersten ebenso ausdrückt wie in NDR-Formaten, etwa "7 Tage in…". Obendrein kennt die Enkelin eines DDR-Politikers die Zerrissenheiten zwischen Ost und West aus eigener Erfahrung. Auch das ist immer noch ein Thema beim RBB, 2003 hervorgegangen aus dem Sender Freies Berlin und dem Ostdeutschen Rundfunk Brandenburg.

Mehr zur skurrilen Liste der 28 Bewerbungen finden Sie im Blog des RND.

Von Ulrike Simon

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