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Ein Blick hinter die Kulissen von "Frühstück bei Stefanie"

NDR-Produktion Ein Blick hinter die Kulissen von "Frühstück bei Stefanie"

Die NDR-Produktion „Frühstück bei Stefanie“ ist Deutschlands erfolgreichste Radio-Comedy. Ein Besuch in der Zentrale des Norddeutschen Humors.

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Spaß am Reden: Andreas Altenburg (alias Stefanie) und Harald Wehmeier nehmen ihre Sendung auf.

Quelle: Roeßler

Hamburg. Die Zentrale des Norddeutschen Humors sieht aus wie ein normales Büro. Zwei Schreibtische, eine Kaffeemaschine, ein kleiner Kühlschrank. An den Glaswänden zum Flur klebt ein Plakat („Dat tut hier nix zur Sache!“), an der Pinnwand fällt eine Sammlung von „Bild“-Schlagzeilen ins Auge, in denen Leute aufeinander losgehen.

Die Nutzer dieses Büros finden so etwas komisch. Ständig sind sie auf der Suche nach dem real existierenden Witz, den Mini-Tragödien des Alltags. Alles für die zweieinhalb Minuten Sendezeit, die den Fans und ihnen so viel bedeuten: „Frühstück bei Stefanie“, Deutschlands erfolgreichste Radio-Comedy. Etwa eine Million Menschen hören morgens um 7.17 Uhr zu, und der Podcast belegt Spitzenplätze der Download-Charts, bundesweit. Abends läuft die NDR-Satire dann als animierter Comic bei „Das!“.

Gegen 9 Uhr ist hier – an der Hamburger Rothenbaumchaussee – Dienstbeginn. „Dann grooven wir uns ein, sehen, ob sich aktuelle Themen aufdrängen“, sagt Harald Wehmeier – in der Stimme des 57-Jährigen schwingt stets ein wenig „Münte“ mit, das tiefe Timbre seiner früheren, ebenfalls sehr erfolgreichen Comedy-Figur.

Sein Mitstreiter Andreas Altenburg ist dagegen bekannt als Nelling aus „Detzer und Nelling“. Der Dithmarscher studierte einst Kulturwissenschaften und blieb mit 23 beim NDR hängen („er wurde in einem Bastkörbchen hier ausgesetzt“, witzelt Wehmeier). Früh stellte Altenburg fest, dass ihm Spaßreportagen mehr lagen als das ernste Fach. Auch Wehmeier war zwölf Jahre Moderator, zuvor als Lokalreporter unterwegs. „Danach kann dich nichts mehr schocken“, glaubt der Mann, der einst auch „Stenkelfeld“ erfand.

Freundlich wirken die beiden, aufgeräumt, zugewandt. Und ja: lustig. Immer wieder fallen Redewendungen, wie sie in Steffis Schlemmerbistro zu hören sind: „Das kannste haben“, oder „allein schon“. „Ich kann meine Kinder als Steffi ganz anders ansprechen“, erkennt Altenburg Vorteile darin, auch privat in seine Rolle zu verfallen. „Das ist ja gar keine Rolle“, stichelt Wehmeier, Andi habe schließlich eine weibliche Seite. Der 41-Jährige lächelt und steht dazu: „Ich bin mit meiner Mutter und zwei Schwestern aufgewachsen.“

Die beiden Männer haben einen ähnlichen Humor, „Seelenverwandtschaft“ sagt Wehmeier, sonst hätten sie keine bis dato 619 Folgen abliefern können. Vor allem mögen sie ihre vor drei Jahren erdachten Figuren bis heute – das sei das Geheimnis ihres Erfolgs. Mit dem Vorführen eines vermeintlichen Prekariats habe das nichts zu tun, „das wäre lieblos“, mahnt der aus Osnabrück stammende Wehmeier. Sie destillieren vielmehr typische Verhaltensweisen so heraus, dass sich jeder mal wiedererkennt.

„Meine Schwiegermutter fühlt sich ständig ertappt und meint, ich hätte über sie geschrieben“, sagt Altenburg, „was meist nicht stimmt.“ Einmal allerdings, räumt er ein, habe es bei ihm nebenan gebrannt, die Nachbarschaft sei in Schlafanzug und Puschen vors Haus gelaufen. Dass es in der Steffi-Episode am Tag darauf um ein „Notfallköfferchen“ für genau solche Fälle ging – nein, das war tatsächlich kein Zufall.

Meist, sagen beide, könnten sie sich schnell auf ein Thema einigen. Heute Morgen etwas aus dem Bereich „Lebenswelt“, Titel: „Fummelei“. Eine Fliegengitter-Annonce brachte sie auf die Idee, ihre Protagonisten – Steffi, die Bistro- Chefin; Udo, den arbeitslosen Lebenskünstler (gesprochen von Altenburg); Georg Ahlers, den besserwisserischen Frührentner; und den rätselsüchtigen Opa Gehrke (Wehmeier) – an allerlei Nervkram verzweifeln zu lassen. „Wir haben ein sehr dankbares Ausgangsformat – man kann den Vieren viel in den Mund legen“, so Wehmeier.

Manchmal sorgt der Altersunterschied der Autoren für Diskussionen im Team. „,So redet doch kein Mensch‘, blaffen wir uns dann an“, berichtet Altenburg. „Dann wird gegoogelt oder man muss Zeugen aus dem Kollegium beibringen.“ Es gebe da einen, der gehe zum Lachen in den Atomschutzbunker. „Wenn der das Gesicht verzieht, sind wir schon richtig gut.“

Meist sei die Folge gegen Mittag rund. Etwas Druck helfe durchaus. Deshalb produziert das Duo für den darauffolgenden Tag und hat wenig in der Hinterhand. Sind beide im Urlaub, ist am Ende das Polster verbraucht. Für die Routiniers kein Problem: „Wenn das Rotlicht an ist, textet man zielführender“, so Wehmeier. Er spricht vom Urvertrauen in ihre Stimmen. Sie waren Ausgangspunkt für die Entwicklung der Charaktere.

Wehmeier ruft die „Frühstück bei Stefanie“-Facebook-Seite auf, klickt sich durch die Kommentare der 12 200 Fans. „Wenn hier der Erste postet, ,es war schon mal lustiger‘, ist es zum Aufhören eigentlich schon zu spät“, überlegt er. „Wir sehen es beide so, dass man wie ein großer Boxer ungeschlagen zurücktreten sollte.“ Doch so weit ist es noch nicht: Die Fangemeinde ergeht sich in Lob. „Ich hab geweint, als Steffi letztens so glücklich war“, behauptet eine Hörerin. Vor Lachen versteht sich. Das wiederum macht Wehmeier und Altenburg glücklich. Ganz ohne Witz.

Kürzlich erschien das Fanbuch zur Comedy: Harald Wehmeier, Andreas Altenburg: „Frühstück bei Stefanie. Rätsel, Fakten und sowas alles“, Rowohlt Taschenbuch Verlag.

Annika Reichardt

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