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Früherer KI.KA-Herstellungsleiter soll acht Millionen Euro veruntreut haben

Affäre vor Gericht Früherer KI.KA-Herstellungsleiter soll acht Millionen Euro veruntreut haben

Die KI.KA-Affäre kommt vor Gericht: Der frühere Herstellungsleiter des Kindersenders soll rund acht Millionen Euro veruntreut haben – am Montag beginnt in Erfurt der Prozess.

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Finanzielle Ungereimtheiten brachten den Kinderkanal mit seinen Stars Briegel der Busch (links), Chili das Schaf (rechts) und Bernd, das Brot (Mitte) negative Schlagzeilen ein.

Quelle: dpa

Das kriminelle Spiel mit Gebührengeldern flog erst nach Jahren auf: Über Scheinrechnungen soll der inzwischen gefeuerte Herstellungsleiter des ARD/ZDF-Kinderkanals seit 2002 mindestens 8,2 Millionen Euro beim KI.KA abgezockt haben. Für diesen bislang größten Betrugsskandal im öffentlich-rechtlichen Rundfunk muss sich der 43-Jährige ab Montag vor dem Landgericht Erfurt verantworten. Er sitzt wegen Bestechlichkeit und Untreue in besonders schweren Fällen auf der Anklagebank. Ihm droht eine mehrjährige Gefängnisstrafe.

Für den Prozess sind jedoch nur Betrügereien seit November 2005 relevant, da frühere verjährt sind. Demnach hat der Exmanager bis Ende vergangenen Jahres 61 Rechnungen einer Berliner Produktionsfirma ohne Gegenleistung zur Zahlung angewiesen. Dabei tauchten auch fiktive Posten für Sendungen mit Bernd das Brot und „Beutolomäus“ auf. Die Gesamtbeträge von mehr als 4,6 Millionen Euro soll er sich mit der Firma geteilt haben. Die Scheingeschäfte kamen erst ans Licht, als sich der Chef des inzwischen insolventen Berliner Unternehmens selbst anzeigte. Der KI.KA-Mann und Kasinogänger, bei dem nach der Rückkehr von einem Kurztrip aus Las Vegas im Dezember 2010 die Handschellen klickten, schweigt hingegen beharrlich.

Der interne Revisionsbericht von ZDF und dem bei der ARD zuständigen MDR spricht hingegen Bände. Die Untersuchung offenbart das jahrelange Versagen der Kontrollinstanzen: Vorschriften wurden missachtet, Leistungen ohne Prüfung abgerechnet und Verdachtsmomente ausgeblendet. Laut Bericht steckte der frühere zweite Mann in der Führungsriege des Erfurter Senders noch mit vier weiteren Firmen unter einer Decke, die falsche Rechnungen stellten. Die Staatsanwaltschaft ermittelt derzeit gegen elf Verdächtige, darunter sechs Geschäftsführer und fünf KI.KA-Mitarbeiter.

Dass der KI.KA-Mann bei einem bescheidenen Etat von 35 bis 38 Millionen Euro lange unbemerkt rund eine Million pro Jahr abzweigen konnte, erstaunt selbst die Prüfer. Sie erklären die Machenschaften unter anderem mit seiner Machtposition: „Gegenüber den über die Jahre wechselnden Programmgeschäftsführern war er seit Gründung des KI.KA die Konstante auf der Leitungsebene, die über umfassende Betriebskenntnisse verfügte und damit unentbehrlich wurde.“ Eine Reihe von Schwachstellen im internen Kontrollsystem ermöglichten, dass er unbehelligt nach Gutdünken schalten und walten konnte. Der Bericht beschreibt auch die Spielleidenschaft des 43-Jährigen, der eine goldene Kundenkarte des Erfurter Kasinos besaß.

Für den scheidenden MDR-Intendanten Udo Reiter ist der Skandal ausgesprochen bitter. „Ich war mit dem KI.KA immer besonders verbunden. Der Betrug hat mich persönlich getroffen“, sagte Reiter, der erst vor Kurzem seinen Rückzug noch in diesem Jahr angekündigt hatte. Ursprünglich wollte der dienstälteste ARD-Intendant bereits Anfang 2011 seinen Abschied erklären, hatte das aber wegen der Betrugsaffäre verschoben.

Der MDR hat inzwischen personelle und inhaltliche Konsequenzen aus dem Millionenbetrug gezogen. Verwaltungsdirektor Holger Tanhäuser stellte ohne Schuldanerkenntnis sein Amt zur Verfügung. Der jetzige KI.KA-Programmgeschäftsführer Steffen Kottkamp wurde wie zwei weitere Mitarbeiter abgemahnt. Eine KI.KA-Beschäftigte erhielt die Kündigung. Gegenwärtig lässt der MDR seine Kontrollmechanismen von externen Beratern prüfen. Die Untersuchung ist Teil eines Paketes, mit dem der KI.KA organisatorisch enger an den MDR angebunden werden soll.

Thüringens Medienstaatssekretär und Rundfunkratsmitglied Peter Zimmermann sieht den öffentlich-rechtlichen Rundfunk nach der Affäre insgesamt beschädigt. Er lobt den Kinderkanal aber zugleich als den im Verhältnis zur Quote effektivsten öffentlich-rechtlichen Sender. „Der KI.KA muss sich weiterentwickeln können, deshalb darf die Federführung des MDR den Sender nicht erdrücken“, warnt Zimmermann vor einer Überregulierung. Denn inzwischen werden KI.KA-Rechnungen von sieben und mehr Verantwortlichen gegengezeichnet.

Annett Gehler

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