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Ghostwriter im Web 2.0

Anonym im Namen der Politik Ghostwriter im Web 2.0

Tagtäglich tummeln sich Politiker in Portalen wie Facebook und Twitter. Doch nur wenige Volksvertreter schreiben selbst. Stattdessen werden Ghostwriter in ihren Namen aktiv - erkennbar wird dies nur selten. Für Wissenschaftler alles andere als eine gute Idee.

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Genau hingucken: Oft schreiben Praktikanten oder Mitarbeiter auf Facebook und co. für Politiker.

Quelle: dpa

Hannover/Hamburg. Facebook, Twitter, Podcasts, Flickr - für Politiker ist das Internet längst unverzichtbar. Rund um die Uhr werden Meinungen und Kurznachrichten ins Web gestellt, Fotos und Videos gepostet, Freundschaftsangebote angenommen und „Gefällt mir“-Häkchen gemacht. Soweit so gut. Wer jedoch glaubt, dass die Politiker selbst in die Tasten greifen, täuscht sich. Zumeist sind es Praktikanten und Mitarbeiter aus den Pressestellen, die als anonyme „Ghostwriter 2.0“ im Namen ihrer Geldgeber aktiv werden.

Für Medienwissenschaftler Jan-Hinrik Schmidt vom Hamburger Hans-Bredow-Institut brechen die Politiker damit mit den Erwartungen der Internetnutzer. „Von vielen wird dies als ungenügend angesehen“, sagt Schmidt. Für eine authentische Kommunikation sei es wichtig, dass die Besucher sich nicht getäuscht fühlen. Dabei sei es nicht entscheidend, ob die Politiker ihre „Gesprächspartner“ vorsätzlich täuschen wollen. Auch sprachliche Stilbrüche bei unterschiedlichen Autoren oder allzu floskelhafte Kommunikation trage ebenfalls zur Ablehnung bei.

Lediglich beim Kurznachrichtendienst Twitter greifen die Politiker laut Schmidt mittlerweile meist selbst zum Smartphone. „Das sind ja kurze Botschaften, die sich leicht abseits der Jobroutine absetzen lassen“, sagt der Kommunikationsexperte. Doch auch dies war nicht immer so. 2009 gab US-Präsident Barack Obama überraschend bekannt, noch nie selbst getwittert zu haben. Inzwischen signiert Obama seine eigenen Tweets mit einem speziellen Kürzel - genau wie viele deutsche Politiker oder Regierungssprecher Steffen Seibert.

Aus der Sicht von Politikwissenschaftler Wichard Woyke von der Uni Münster der richtige Schritt: „Das ist nicht verwerflich.“ Ein souveräner Politiker könne dazu stehen, nicht alles persönlich zu machen. „Dazu hat er ja gar nicht die Zeit.“ Das sei auch früher bei der Beantwortung von Briefen nicht anders gewesen. „Dort hat auch ein Referent alles vorbereitet und der Politiker hat es nur noch unterschrieben.“ Generell müsse Politikern daran gelegen sein, mit offenen Karten zu spielen. „Glaubwürdigkeit und Authentizität haben eine hohe Bedeutung für Politiker.“

Ungeachtet der Autorenfrage hat das Internet den politischen Alltag stark verändert, betonen Woyke und Schmidt. „Mit den direkten Kanälen können sich Politiker direkt an die Öffentlichkeit wenden“, sagt Schmidt. „Mediale Gatekeeper wie Journalisten können umgangen werden.“ Jedoch würden die Internetportale derzeit noch nicht ausreichen, klassische Medien zu ersetzen. Es sei lediglich eine Ergänzung zur klassischen Kommunikation, welche jedoch insbesondere unbekannteren Politikern die Möglichkeit gebe, sich mitzuteilen.

Für Politiker sei es zudem entscheidend, welches Wählermilieu sie erreichen wollen, sagt Schmidt. „Derzeit sind es tendenziell eher jüngere Politiker und User, die sich im Internet über Politik austauschen.“ Mittel- und langfristig sei es jedoch auch für Parteien, die ältere Wählerschichten ansprechen wichtig, Erfahrungen im weltweiten Datennetz zu sammeln.

In der Staatskanzlei in Hannover wird angesichts der wachsenden Bedeutung des weltweiten Datennetzes übrigens eifrig an einem neuen Internetauftritt gearbeitet. Nach der Sommerpause will die niedersächsische Landesregierung nicht nur das in die Jahre gekommene Design der Seiten erneuern, sondern auch multimedialer werden.

„Besucher sollen künftig einfacher und schneller an ihre gewünschten Informationen kommen“, heißt es aus dem Haus von Ministerpräsident David McAllister (CDU). Und wer weiß, vielleicht wird dann auch der bislang noch nicht bei Twitter aktive McAllister die Welt in Tweets an seinem Leben teilhaben lassen. Darüber sei noch nicht das letzte Wort gesprochen, heißt es.

dpa

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