Wie nennt man das, wenn jemand drei Jahre lang Straßen in 38 Ländern mit Autos abfährt, dabei per Computer in fremde Funknetze einsteigt und Fragmente von E-Mails, Webseiten und Fotos aufzeichnet? „Illegal“, „unzulässig“ „schlimm“, teilte Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner am Wochenende mit. „Ein Glaubwürdigkeitsproblem“, sagte Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP). „Einen Fehler, den wir zutiefst bedauern und für den wir um Entschuldigung bitten“, sagte der Sprecher jenes Unternehmens, das diese Spähangriffe vorgenommen hat: Google.
Ausgerechnet dem US-amerikanischen Internet-Konzern ist diese „Panne“ unterlaufen. Beim ohnehin umstrittenen, großflächigen Filmen von Straßen, Häuserfronten und Vorgärten zeichneten die Autos zusätzliche Informationen über örtliche Funknetze auf – und nahmen, sofern die jeweiligen Funknetze nicht durch ein Kennwort geschützt waren, auch gleich noch willkürlich Datenschnipsel auf.
Ursprünglich sollten die aufgenommenenen Panoramafotos als modernes Straßenverzeichnis im Internet dienen. Die dabei registrierten Standorte von privaten und öffentlichen Funknetzen (WLANs) helfen darüber hinaus bei der Navigation per Handy. Nicht nur Google, auch andere Unternehmen wie Skyhook nehmen seit Jahren weltweit solche Standorte von Funknetzen in Verzeichnissen auf. Da Google etwa fünfmal in der Sekunde die Funkkanäle wechselte, sind allerdings nur unzusammenhängende, kaum verwertbare Datenschnipsel gespeichert worden. Das jedoch in großer Menge: 600 Gigabyte an solchem offensichtlich illegal abgehörten Datenmaterial sind bei den Autofahrten der Google-Streetview-Autos zusammen gekommen. Entdeckt wurden die Aufnahmen dank dem Beharren des Hamburger Datenschutzbeauftragten Johannes Caspar. Er hatte wegen des allgemeinen Misstrauens in Deutschland ein Streetview-Auto näher untersucht und die Festplatte des eingebauten Computers vermisst – sie war inzwischen zur Verwertung der Fotos in die USA geschickt worden. Experten sehen allerdings mehr in der „Schlamperei“ bei der Programmierung ein Problem. Falls Google tatsächlich Haushalte durchleuchten wollte, könnte es durch seinen Dienst wie Google Mail viel leichter an umfangreiches Datenmaterial gelangen.
Nun plagt Google ein ganz anderes Problem: Das Unternehmen möchte das Material zwar umgehend löschen, sich aber andererseits nicht strafbar machen, weil Beweismaterial vernichtet werde. Ob das Eindringen in ungeschützte Funknetze strafbar ist, ist allerdings fraglich. Einstweilen sind nun die Streetview-Fahrzeuge gestoppt.
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Kommentare
Weitere Fehler? Ruinenbewohner – 17.05.10
Mich würde jetzt gerne noch interessieren, was sonst da noch so für Fehler (ausversehen :)) )einprogrammiert worden sind.Leider werden wir es sooooo direkt nie erfahren.
Google jk – 17.05.10
"Experten sehen allerdings mehr in der „Schlamperei“ bei der Programmierung ein Problem."Was für ein schwachsinnige Aussage.
Ist schon klar - wir schreiben uns eine Software, welche alle W-Lan-Netze ringsrum registriert und nur weil wir eben ein bisschen schlampig programmiert haben, scannt diese Software auch gleich noch den Datenverkehr dieser Funknetze, ordnet das Empfangene ausversehen auch gleich noch dem entsprechenden WLan zu und ist so schlampig, dies auch noch ordnungsgemäß abzuspeichern. Klar, oder?
"Falls Google tatsächlich Haushalte durchleuchten wollte, könnte es durch seinen Dienst wie Google Mail viel leichter an umfangreiches Datenmaterial gelangen."
Erstens machen die das folgerichtigerweise bereits (wahrscheinlich wieder so eine schlampig programmierte Funktion) und zweitens ist Google Mail nicht flächendeckend - Google Earth allerdings schon.
Wie jetzt? reckless68 – 17.05.10
Gerade erst ein Urteil dazu, das man als Nutzer seines privaten WLAN, dieses mit einem Passwort gegen die Nutzung Dritter schützen muss, sonst ist man im Falle des Mißbrauchs mit haftbar. Und nun soll Google riesige Datenmengen einfach so abgefischt haben. Waren das alles ungeschützte Netze, oder bringt das Passwort auch keinen Schutz? Und warum kann mein Fotoknips das nicht? Ich dachte es geht nur um nette Fotos der Nachbarschaft um dunklen Gestalten den Einbruchdiebstahl einfacher zu machen.