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10:47 24.09.2013
Von Karsten Röhrbein
Szenen eines Gangsterlebens: In „GTA V“ haben die Spieler völlige Bewegungs- und Handlungsfreiheit – und können nach getaner Drecksarbeit bei einer Zigarre entspannen. Quelle: Rockstar North
Hannover

Abgehalfterte Stars schlürfen Drinks in schäbigen Bars, Immobilienmakler sinnieren über Kreditbetrug, und auf den Straßen, wo sündhaft teure Sportwagen in der Sonne blitzen, regieren die Gangs. Los Santos ist ein Sündenpfuhl. Und damit ist es die perfekte Spielwiese für „GTA V“, das wohl spektakulärste Actionspiel des Jahres.

Das erfolgreichste Videospiel aller Zeiten ist es bereits: In nur drei Tagen machten die Entwickler mit dem Konsolentitel mehr als eine Milliarde Dollar (knapp 740 Millionen Euro) Umsatz. Bereits am vergangenen Dienstag, als „GTA V“ bei Sonderverkaufsaktionen ab Mitternacht vielerorts schnell vergriffen war, hatte das Spiel mit einem Umsatz von 800 Millionen Dollar am ersten Verkaufstag einen Rekord aufgestellt. Die nicht nur wegen ihrer Gewaltdarstellung umstrittene Reihe stellt damit selbst die größten Blockbuster in den Schatten: „Avatar“, der bisher erfolgreichste Hollywood-Film, der 2009 als spektakulärer 3-D-Streifen in die Kinos kam, brauchte ganze 17 Tage, um die Marke von einer Milliarde Dollar Umsatz zu knacken.

"GTA V" ist das erfolgreichste Videospiel aller Zeiten: In nur drei Tagen machten die Entwickler mit dem Konsolentitel mehr als eine Milliarde Dollar (knapp 740 Millionen Euro) Umsatz.

Auch die Produktionskosten von geschätzt mehr als 250 Millionen Dollar  sind hollywoodreif, genau wie die Atmosphäre in Los Santos. Die Stadt ist der Westküstenmetropole Los Angeles nachempfunden – nur dass die Hollywood Hills hier Vinewood Hills heißen. „GTA V“ erzählt die Geschichte von drei skrupellosen Kriminellen, Michael, Franklin und Trevor. Michael, der sich nach mehreren Coups vorzeitig zur Ruhe gesetzt hat, ist der schillernste von ihnen. Der Mittvierziger hat nicht nur Ärger mit seinen Kindern, sondern vor allem mit seiner Frau, die ihn mit dem Tennislehrer betrügt. Als Michael mit einem Pickup die Veranda des Nebenbuhlers zerstört, gibt es für ihn kein Zurück mehr – und bald plant er wieder Diamantendiebstähle im großen Stil.

„GTA“ ist die Kurzform von „grand theft auto“ (zu Deutsch: schwerer Kraftfahrzeugdiebstahl) und steht seit 1997 für amoralisches Videospielvergnügen. Das Spielprinzip, das die schottische Firma Rockstar North geprägt hat, ist bis heute beinahe unverändert: Um in der Rangordnung der Gangs aufzusteigen, um bessere Waffen und mehr Geld zu bekommen, müssen Missionen erfüllt werden. Wer mit seiner Spielfigur nicht stundenlang durch die damals noch recht pixeligen Straßenschluchten laufen wollte, musste schon 1997 ein Auto knacken oder eben an der nächsten Ampel einen Fahrer aus dessen Wagen werfen – und dann richtig Gas geben. Bei „GTA V“ kann der Spieler nicht nur Corvettes und Lamborghinis kapern, mit Lastwagen Absperrungen durchbrechen oder auf einem Motorrad in schmalen Gassen vor den Polizeisirenen flüchten. Auch Jetskis, Quads, Hubschrauber und sogar Flugzeuge laden dazu ein, die gigantische Kulisse zu erkunden. Wer es beschaulicher mag, nimmt die Seilbahn und fliegt dann am Fallschirm der Abendsonne entgegen.

Die aufwendig gestaltete Spielwelt ist etwa so groß, wie die aller „GTA“-Vorgänger zusammen. Sie zu erkunden dauert Tage. Wer sich nicht von Mission zu Mission hangeln will, findet in Los Santos auch so genug Ablenkung: Man kann Tennis spielen, Motorbootrennen fahren, golfen, auf die Jagd gehen oder einfach im Auto über die Straßen brettern. 

Frei ab 18 Jahren

Das Videospiel „GTA V“ (erhältlich für die Playstation 3 und Microsofts Xbox 360, ca. 60 Euro) ist wie fast all seine Vorgänger erst ab 18 Jahren freigegeben. Gewaltverbrechen, brutale Schießereien und über den Haufen gefahrene Fußgänger gibt es dort ebenso wie freizügige Strip-Club-Besuche oder vulgäres Vokabular der Protagonisten.

„GTA V“ macht dem Spieler keine Vorgaben. Die Stadt kennt fast keine geografischen Grenzen, moralische gibt es bei Rockstar-Games-Titeln ohnehin  fast nie. Den Reiz bezieht das Open-World-Spiel aus der schieren Fülle an Möglichkeiten. Wer morgens eine Runde am Vespucci Beach joggt und dann bei Yoga entspannt, kann dennoch in der nächsten Sekunde ein Cabrio klauen, auf das Rollfeld des Flughafens brettern, einen Jet kapern und im Kugelhagel abheben.

Mit jeder Mission allerdings, das ist die Schattenseite, wächst auch das Verlangen nach dem nächsten Kick. Irgendetwas lässt sich zudem immer optimieren. Die Felgen des Autos, die Klamotten, die Wumme oder die Schießkünste.  Die Karrieren, die Michael, Franklin und Trevor in der Halbwelt machen, sind ein zynischer Abgesang auf den amerikanischen Traum. So ist „GTA V“ trotz oder gerade wegen seiner Zuspitzung brutal realistisch, vereint Milieustudie und interaktives Drama – mit gewohnt bissigen Seitenhieben auf die US-Gesellschaft.

Optisch gehört „GTA V“ zum Besten, was die auslaufende Konsolengeneration auf Playstation 3 und Xbox 360 zu bieten hat. Trotzdem hat das (bei stringentem Spielen) rund 50-stündige Ballerabenteuer hier und da Sand im Getriebe. Nach dem rasanten Auftakt kommt die Geschichte etwas langsam in Fahrt. Leider sind die wichtigen Missionen nicht immer klar gekennzeichnet: Teilweise fährt der Spieler umsonst kilometerweit durch die Stadt – was ganz schön nerven kann. Was vor allem unerfahrene Spieler stören dürfte, ist der recht hohe Schwierigkeitsgrad. Wer die Konsole ausschaltet, wundert sich aber dennoch, dass die Stunden in Los Santos wie im Flug vergangen sind.

(mit Robert Nössler)

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