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Medien Maas: Regionalzeitungen "in die Bundesliga"
Nachrichten Medien Maas: Regionalzeitungen "in die Bundesliga"
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13:14 23.09.2015
Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) spricht beim Zeitungskongress 2015 im Theater in Regensburg. Quelle: Armin Weigel/dpa
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Regensburg

Ungewöhnlich positiven Zuspruch ernteten die Zeitungen beim diesjährigen Verlegerkongress von Justizminister Heiko Maas (SPD). Zuletzt hatte der Politiker mit seinen Aktivitäten gegen Hassreden in sozialen Netzwerken wie Facebook von sich reden gemacht. Diese Erfahrung habe ihn gelehrt, wie wichtig die Bedeutung eines verantwortungsvollen Journalismus ist, sagte Maas bei der Tagung in Regensburg.

Konkret sprach er über den Trend, wie die Madsack Mediengruppe, zu der auch diese Zeitung gehört, Zentralredaktionen zu gründen und auf diese Weise Kräfte zu bündeln. Er widersprach der bisweilen geäußerten Kritik, mehrere Zeitungen mit überregionaler Berichterstattung aus einer Hand zu beliefern, führe zu einem Verlust an publizistischer Vielfalt. Solange dabei nicht nur die Kostenvorteile im Vordergrund stünden, diene die Maßnahme vielmehr dazu, "die politische Berichterstattung mit vereinten Kräften viel schlagkräftiger zu machen".

Größere Plattformen mit mehr Reichweite

Möge durch Zentralredaktionen der Chor auch weniger vielstimmig sein, so Maas, gewinne er doch dadurch an Lautstärke, "und das ist für die Bedeutung der Zeitungen nicht zu unterschätzen". Er sprach aus eigener Erfahrung und nannte ein Beispiel: Um ein großes Lesepublikum zu erreichen, habe er bisher lediglich die Auswahl gehabt zwischen den drei großen, überregionalen Titeln "Süddeutsche Zeitung", "Frankfurter Allgemeine Zeitung" und "Spiegel". Das sei nun anders. Die jüngst entstandenen Zentralredaktionen, zuletzt die der Funke Mediengruppe um "Berliner Morgenpost", "Hamburger Abendblatt" und "Westdeutsche Allgemeine Zeitung", ließen Regionalblätter "in die Bundesliga aufsteigen".

Klarer denn je offenbarte sich in diesem Jahr, dass die bei manchen Kritikern in der Vergangenheit als etwas verschlafen geltenden Zeitungen inzwischen anderen Branchen als Exempel dienen. Die  Geschäftsmodelle infragestellende Digitalisierung, die zunächst die Musikwelt, dann den Film und schließlich die Zeitungslandschaft durcheinander wirbelte, hat inzwischen auch andere Wirtschaftszweige erreicht. Inwiefern ihre Unternehmen von der Digitalisierung betroffen sind, berichteten die jeweiligen Chefs eines Banken-, Auto- und Energiekonzerns. Ihr Rat an die versammelten Verleger? Johannes Teyssen von E.on antwortete, die Lösung müsse sein, größere Plattformen mit mehr Reichweite aufzubauen.

Neue Vermarktungsgesellschaft

Dazu passend haben am Montag zehn große und 23 kleinere Verlage den Kongress genutzt, um eine gemeinsame Absichtserklärung zur Gründung einer neuen Vermarktungsgesellschaft zu unterzeichnen. Beabsichtigt ist, auf diese Weise gemeinsam eine gewichtige Stimme für die regionalen Verlage im nationalen Werbemarkt zu schaffen. 30 Millionen Leser erreicht der Verbund, der weiteren Verlagen offensteht. Madsack-Geschäftsführer Christoph Rüth, einer der beiden Sprecher der Projektgruppe, nennt als Ziel, "mit unserem Angebot jeden deutschen Haushalt bis in jeden Winkel der Republik zu erreichen". Die Gesellschaft, die noch in diesem Jahr gegründet werden soll, steht noch unter dem Vorbehalt kartellrechtlicher Prüfung.

Abgesehen vom Bestreben der Verlage, sich strukturell neu aufzustellen, stehen aber auch gesetzliche Änderungen an, die sich unmittelbar auf die tägliche Arbeit der Presse auswirken werden. Dazu gehört etwa die Konsequenz aus dem inzwischen eingestellten Ermittlungsverfahren gegen die Blogger von netzpolitik.org. Gegen sie war Anzeige wegen vermeintlichen Landesverrats erstattet worden. Im Detail aufgeklärt ist das Ganze, anders als von Heiko Maas bei seinem Auftritt in Regensburg insinuiert, nicht. Das gilt etwa für die Frage, welche Rolle er in dieser Angelegenheit genau gespielt hat. Der Justizminister bekräftigte jedenfalls seine Ankündigung, die Beihilfe zu Landesverrat künftig straffrei zu stellen. Damit wäre Behörden der Weg verbaut, Informanten aus den eigenen Reihen aufspüren zu wollen, indem gegen Medien ermittelt wird.

Plädoyer für journalistische Kontrolle

Die Presse, ergänzte Maas, sei schließlich nicht nur deshalb besonders schützenswert, weil sie dazu beiträgt, die Zivilgesellschaft zu stärken. Als Beispiel nannte er die aktuelle Berichterstattung zur Flüchtlingsproblematik, die angesichts brennender Unterkünfte sowohl Empörung auszulösen fähig ist als auch die Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung lenkt. Maas gab sich überzeugt, dass journalistische Kontrolle auch zu mehr Qualität in der Politik führe. Insofern lässt sich der Appell des Verlegerpräsidenten Helmut Heinen, es könne gar nicht genug Pressefreiheit geben, um einen weiteren ergänzen: Es kann gar nicht genug journalistische Kontrolle geben.

Ulrike Simon

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