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Medien "Stern" für beste Reportage ausgezeichnet
Nachrichten Medien "Stern" für beste Reportage ausgezeichnet
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06:03 02.05.2016
Moderatorin Caren Miosga zeichnet "Stern"-Journalist Jan Christoph Wiechmann für seine Reportage "Drei Krieger" mit dem Egon-Erwin-Kisch-Preis aus. Quelle: Lukas Schulze/dpa
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Hamburg

Ein Nannen-Preis sollte es in diesem Jahr sein, der weder Spektakel ist noch Spekulationen nach sich zieht. Allzu häufig hatte die Verleihung, die zwar nicht mehr, aber auch nicht weniger sein will als eine jährliche Leistungsschau des Journalismus, in den Vorjahren wochenlange Diskussionen nach sich gezogen: Mal bekam ein Journalist den Preis nachträglich aberkannt, dann wieder wollte ein anderer ihn gar nicht erst annehmen. Überhaupt war vielen die Gala zu pompös. Der Wunsch nach weniger Zank und Bohei hat sich fast erfüllt. Diskussionen, ob nicht der eine den Preis unverdient bekommen hat und warum ein anderer nicht einmal nominiert war, gab es freilich auch in diesem Jahr.

Sechs journalistische Arbeiten wurden am Donnerstagabend in Hamburg ausgezeichnet, dazu gab es einen Sonderpreis für Hosam Katan. "Der letzte Fotograf aus Aleppo", wie ihn Außenminister Frank-Walter Steinmeier nannte, zeigte den Alltag in syrischen Trümmern. Katan lebt inzwischen in Deutschland, erhält nun ein Stipendium und will dauerhaft als Fotograf arbeiten.

Ist "inszenierte Fotografie" Journalismus?

Von den Trägern der sechs Preiskategorien war Carsten Erdmann, Chefredakteur der "Berliner Morgenpost", derjenige, der am wenigsten damit gerechnet hatte, dass sein Team gewinnen wird. Es überzeugte mit einer Web-Reportage über die sozialen Unterschiede in der Hauptstadt am Beispiel der Buslinie M29, die vom Grunewald nach Neukölln führt.

Unverständnis gab es für die neue Kategorie "inszenierte Fotografie", die sich eher auf eine Kunst- als eine journalistische Form bezieht. Auch bei den Fotoreportagen hätten sich viele einen anderen Gewinner gewünscht als jenen, der aus seinem Studio heraus bei Nachbarn durchs Fenster in die Wohnungen fotografiert hat.

Spiegel gewinnt in der Kategorie "Investigation"

Gleich zweimal unentschieden ausgegangen war die Wahl zur besten Dokumentation des vergangenen Jahres. Die Jury konnte sich zunächst nicht einigen: War die nüchterne und dadurch umso stärkere Geschichte der "Zeit"-Autorin Stefanie Flamm ("Eine Pille für Oskar") über eine eventuell medikamentöse Behandlung ihres am Down-Syndrom leidenden Sohnes die bessere? Am Ende gewann Wolfgang Bauer mit seinen Protokollen im "Zeit Magazin" über mehrere Frauen, die Boko Haram entkommen waren. Den Preis verlieh Ulrike Demmer, Leiterin des Hauptstadtbüros des RedaktionsNetzwerks Deutschland, zu dem diese Zeitung gehört.

Am heftigsten gestritten wurde auf der anschließenden Feier über den Gewinner in der Kategorie Investigation: das "Spiegel"-Team, das die Existenz schwarzer Kassen bei der Vergabe der Fußball-WM 2006 enthüllt hat. "Das zerstörte Sommermärchen" lautete der "Spiegel"-Titel vom Oktober 2015, dem weitere Berichte folgten, ohne den letztgültigen Beweis zu liefern, dass die WM tatsächlich gekauft war. Der "Spiegel" setzte sich bei der Nannen-Jury durch gegen das Journalistenbüro Correctiv mit seiner Arbeit über den Absturz des Flugs MH17 und gegen den "Stern" mit einer Recherche zu Geschäften mit Medikamenten gegen Krebs.

Stern-Beitrag ist herausragendste Reportage

Höhepunkt war wieder die Vergabe des Egon-Erwin-Kisch-Preises. Ihn hatte seinerzeit "Stern"-Gründer Henri Nannen ins Leben gerufen, um herausragende Reportagen auszuzeichnen. Damit ist er die Keimzelle des Nannen-Preises und ging in diesem Jahr tatsächlich auch an den "Stern" für den Beitrag "Drei Krieger". Darin erzählt Jan Christoph Wiechmann über drei Männer, deren Lebenswege sich kreuzen, als die Bundeswehr in der Nähe eines afghanischen Dorfes in einen Hinterhalt gerät. Die Reportage veranschaulicht aus drei Perspektiven, was Krieg mit und aus Menschen macht.

Nach einem Jahr Pause wird der Nannen-Preis künftig wieder jährlich vergeben. Ausrichter ist nicht mehr Gruner + Jahr. Das überlässt der Verlag seinem Wochenmagazin "Stern", dem publizistisch repräsentabelsten des Hauses. Statt 1200 Gäste einzuladen wie zuletzt beschränkt man sich auf die Hälfte. Gestrichen ist auch das Preisgeld, was sich jedenfalls nicht negativ auf die Zahl der Einreichungen auswirkte. Mit fast 1000 war sie so hoch wie nie.

Von Ulrike Simon

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