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Medien Hübchen glänzt in „Hoffnung für Kummerow“
Nachrichten Medien Hübchen glänzt in „Hoffnung für Kummerow“
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13:17 22.02.2012
Von Karsten Röhrbein
Armes Schwein: Um Investoren von den Vorzügen seines Dörfchens zu überzeugen, lässt Bürgermeister Oskar Kubiczek (Henry Hübchen, rechts) zünftig auftischen. Quelle: NDR
Hannover

„Eure Zeit ist abgelaufen“, stichelt der Wortführer des verhassten Ruderteams aus Zechin. Doch Oskar Kubiczek (Henry Hübchen), Schlagmann des Achters aus Kummerow, lässt der Spott des Erzrivalen kalt: „Das“, entgegnet er ohne eine Miene zu verziehen, „entscheiden wir immer noch selbst.“ Und damit meint Kubiczek nicht nur den Ausgang des prestigeträchtigen Rennens über den See von Kummerow. Sondern vor allem die Frage, ob auch der kleine Ort im Osten eine Zukunft hat. Doch dafür müssten auch die anderen davon überzeugt sein.

Und genau das ist das Problem von Kubiczek, der nicht nur Schlagmann und Kneipier, sondern auch Bürgermeister von Kummerow ist. Er hat dem überalterten, vom Rest der Welt nach der Wende vergessenen Dorf, das mittlerweile nicht mal mehr einen eigenen Bäcker hat, schon zu oft falsche Hoffnung gemacht. Sie füllen gleich mehrere Aktenordner: „Werftmuseum“ steht auf ihren Rücken, „Wellness“ und „Golfplatz“. Nichts davon hat geklappt. Und statt Erholung suchende Großstädter zu bewirten, sitzen die Kummerower jetzt auf der Bank und zielen mit leeren Bierflaschen auf das Loch des Altglascontainers. Und selbst das treffen sie nicht.

Der Provinzbürgermeister auf verlorenem Posten – das ist eine Rolle ganz nach dem Geschmack von Henry Hübchen. Die Schratigen, die Verschrobenen, das sind seine Typen. Unvergessen, wie er als Hotte Ehrenreich in Leander Haußmanns „Sonnenallee“ (1999) am „Mu-fu-ti“-Multifunktionstisch verzweifelte. Die Rolle des arbeitslosen ehemaligen DDR-Sportreporters Jaeckie Zucker in Dani Levys turbulenter Komödie „Alles auf Zucker!“ (2004) brachte Hübchen den deutschen Filmpreis ein. Mit facettenreichen Charakteren kennt sich der zweifache DDR-Meister im „Brettsegeln“ aus. Von 1974 bis 2002 gehörte er schließlich zum Ensemble der Berliner Volksbühne und war unter Frank Castorf als Hauptdarsteller gesetzt. „Die Mitte war verpönt“, erinnert sich Hübchen. „Volksbühne ist kein Theater, Volksbühne ist eine Denk- und Geisteshaltung.“

In „Hoffnung für Kummerow“, den die ARD zum 65. Geburtstag des großen Schauspielers zeigt, weiß man nie, woran man bei seinem Kubiczek ist. Glaubt der Bürgermeister ernsthaft, dass ein großer Kanubauer erwägt, mitten in der Pampa Bootsteile fertigen zu lassen? Denkt er wirklich, dass sich der Sachverständige des Unternehmens den Standort mit Schwein vom Spieß schmackhaft machen lässt – und dabei großzügig über die marode Werft hinwegsieht, in der schon lange keine Lärchenboote mehr gebaut wurden?

Wohl kaum. Und dennoch lässt sich das Dorf vom fast verzweifelten Optimismus des Bürgermeisters anstecken. „Hoffnung für Kummerow“ ist eine Tragikomödie, die das pralle Leben feiert, wo es niemand vermutet. Regisseur Jan Ruzicka zeigt die Dorfbewohner beim Küssen und Prügeln, lässt sie derb lachen und betreten schweigen. Dass der TV-Film aber keine simple Typenkomödie ist, liegt an den exzellenten Darstellern. Neben Hübchen ist das vor allem Dagmar Manzel („Der Laden“), die die Frau des Bürgermeisters spielt. Sie ist eigentlich Hebamme, hat ihr eigenes Kind aber vor mehr als 20 Jahren kurz nach der Geburt verloren. Eine der ergreifendsten Szenen zeigt, wie sie im Nebenzimmer telefoniert: Dort stehen noch immer Schaukelpferd und Kinderbett. 

In diesem traurigen Zimmer entscheidet sich die Zukunft des Ortes. Wenn es Kubiczek schafft, seine Frau davon zu überzeugen, mit der Vergangenheit abzuschließen, dann gelingt das vielleicht auch bei den anderen. „Hoffnung für Kummerow“, das ist Hübchen wichtig, sei kein Film über „Ostdeutsche in Mecklenburg“. „Romeo und Julia“ sei schließlich auch kein Stück über Italiener in Verona. „Es ist ein Film über Menschen“, sagt Hübchen. „Menschen mit ihren Hoffnungen, ihren Depressionen, ihrer Verstiegenheit.“ Und es ist – auch mit drei Tagen Verspätung – ein treffliches Geburtstagsgeschenk.

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