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Im Film „Ein einfacheres Leben“ muss ein Finanzhai umdenken

NDR-Koproduktion Im Film „Ein einfacheres Leben“ muss ein Finanzhai umdenken

Mensch reloaded: Durch Unachtsamkeit verliert der Finanzhai Peter Hoffmann 90 Prozent des Wertes eines Risiko-Fonds. In der deutsch-schwedischen NDR-Koproduktion spielt Ulrich Noethen die Hauptrolle.

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Ein Finazhai in Not.

Quelle: NDR

Dass Hedgefonds nicht nur für Investoren, sondern auch für Finanzmanager zum Schleudersitz werden können, ist kein Geheimnis. Trotzdem trifft es den Hamburger Finanzverwalter Peter Hoffmann (Ulrich Noethen) in der deutsch-schwedischen NDR-Koproduktion „Ein einfacheres Leben“ wie eine Bananenflanke in den Bauch: Durch seine Unachtsamkeit bricht der Risiko-Fonds ein, 90 Prozent Wertverlust. Und es kommt noch schlimmer – Hauptkapitalgeber, so erfährt Hoffmann nun von seiner toughen Chefin Keller (Peggy Lukac), ist ein als Mafia-Anwalt bekannter Russe.

Grund genug für Keller, den Kopf der Firma aus der Schlinge zu ziehen – denn formal läuft das Geschäft einzig auf Hoffmanns Namen. „Wissen Sie, warum ich Sie diesen Fonds verwalten lassen habe? Sie haben diesen Job bekommen, weil sie keine Fragen stellen. Scheißegal, woher das Geld kommt, hauptsache, man verdient es“, knallt sie ihm kalt an den Kopf. Und wenn Kellers Bild von ihm noch so treffend ist – an dieser Pille schluckt Hoffmann schwer. Und ihn packt die Panik. Mit einem Koffer voll Bargeld, einer Leihgabe seines einzigen Freunds und Kollegen „Schuli“ Schulman (Richard Sammel), packt der Witwer bei Nacht und Nebel seine 14- und 15-jährigen Kinder Nina (Isabel Bongard) und Bastian (Robin Becker) ins Auto, entsorgt sämtliche Handys der Familie und flieht. Kopf einziehen, ruhig verhalten und „Schuli“ machen lassen – so lautet der Plan.

Das Trio landet mehr zufällig als geplant in Schweden. In der tiefsten Provinz mieten sich der angespannte Hoffmann und seine unwilligen Kinder in der erstbesten Hütte ein. Obwohl sein ganzes Verhalten unverhohlen merkwürdig ist, versucht er die Illusion aufrecht zu erhalten, es handele sich um einen normalen Familienurlaub – eben ein einfacheres Leben mit besonders viel Abstand und Ruhe. „Und ohne diesen beschissenen Deutschlandkontakt.“ Überzeugend wirkt er auf Nina und Bastian nicht – und auch nicht auf seine Vermieterin, die Dorfpolizistin und alleinerziehende Mutter Helena (Lisa Nilsson). Die lässt sich davon aber nicht abschrecken – bisher von Liebe und Männern enttäuscht, setzt sie nun ihre Hoffnungen auf den alleinstehenden Vater, dessen Nähe sie unbeholfen zu suchen beginnt.

Der hat zunächst alles andere als Zeit, um zarte Bande zu knüpfen: Der tägliche Kleinkrieg mit seinen Ablegern zeigt, dass Hoffmanns Stärken schon seit Jahren im wirtschaftlichen und nicht im sozialen Bereich liegen. „Ich wünschte, du wärst an Mamas Stelle gestorben“, schleudert die 14-jährige Nina ihrem Vater entgegen, sein dauerkiffender Sohn uriniert gar auf Vaters Geldbündel. So etwas bringt auch den abweisendsten Karrieretypen zum Nachdenken.

Spätestens beim kollektiven Schwitzen in der selbstgebauten Sauna von Helenas Freunden geht dem Hamburger ein Licht auf. Noch nie in seinem Leben habe er etwas gebaut, seinen Kindern wohl immer etwas anderes gegeben, als die sich gewünscht haben. So startet er nun das Unternehmen Peter Hoffmann reloaded – mit Werkzeug auf dem undichten Hüttendach und einer Nahbarkeit gegenüber seinen Kindern, die ihm urplötzlich so leicht fällt, dass es doch ein wenig konstruiert wirkt.

Bereits 2008 ließ Regisseur Marcus Ohlsson „Ein einfacheres Leben“ in Hamburg und dem schwedischen Trollhättan drehen. Der Film nach einem Buch von Josephine Broman und Daniel Karlsson besticht durch wirklich schöne Bilder und ein angenehmes Erzähltempo, bei dem vor allem die Beschreibung des anfangs zerrütteten Verhältnisses zwischen Vater und Kindern viel Zeit bekommt. Der Stoff hätte für 90 Minuten dann auch ausgereicht. Dass aus Hoffmanns vermeintlichem Finanzschiffbruch am Ende noch eine Kriminalgeschichte wird, die er mangels weiterer Sendeminuten im Handstreich löst, ist wirklich zuviel. So löst sich in den letzten Minuten die bis dahin durchaus dichte Atmosphäre auf. Das kann auch ein Mime wie Ulrich Noethen nicht ausmerzen.
Petra Zottl

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