Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
"Unterhalten kann man auch mit Wiederholungen"

ZDF-Programm im Sommer "Unterhalten kann man auch mit Wiederholungen"

Alle Jahre wieder. Kaum ist Sommer, laufen im Fernsehen nur noch Wiederholungen. Im Ersten, wo es derzeit keinen einzigen neuen „Tatort“ gibt, genauso wie bei Ihnen im Zweiten. Wieso? Fragen an ZDF-Planer Martin Berthoud.

Voriger Artikel
Wie Google die Sprache des Internets prägt
Nächster Artikel
Attentatsopfer zeigt TV-Sender an

Ein neuer Tatort? Nicht im Sommer. Dafür experimentiert das ZDF mit neuen Talkformaten.

Quelle: dpa

Hannover. Alle Jahre wieder. Kaum ist Sommer, laufen im Fernsehen nur noch Wiederholungen. Im Ersten, wo es derzeit keinen einzigen neuen „Tatort“ gibt, genauso wie bei Ihnen im Zweiten. Wieso?

Es gibt einen höheren Anteil an Wiederholungen, vor allem in den Genres Serie und Film, ja. Aber dass da nur noch Wiederholungen laufen, ist nicht zutreffend. Gerade bei Dokumentationen etwa setzen wir frische Akzente.

Wer sich unterhalten möchte, hat also Pech.

Unterhalten kann man sich auch mit Wiederholungen. Und der Eindruck, es gebe im Sommer immer mehr davon, täuscht.

Haben Sie dafür Zahlen parat?

Seit Ende der Neunzigerjahre schwankt der Wiederholungsanteil im ZDF-Hauptprogramm zwischen knapp und gut einem Drittel, darin sind auch alle Nacht-Wiederholungen enthalten. Die Zahl frischer Elemente im Sommer hat in dieser Zeit eher zugenommen.

Martin Berthoud (60) absolvierte ein Politik- und Deutschstudium an der Universität Marburg. Zusätzlich studierte er Philosophie und Pädagogik. Ab 1986 war er als Redakteur in der ZDF-Planungsredaktion tätig, die er von 1993-98 leitete. Seit 1998 ist Martin Berthoud Leiter der Hauptabteilung Programmplanung beim ZDF und ist unter anderem für die Sendeplanung verantwortlich.

Martin Berthoud (60) absolvierte ein Politik- und Deutschstudium an der Universität Marburg. Zusätzlich studierte er Philosophie und Pädagogik. Ab 1986 war er als Redakteur in der ZDF-Planungsredaktion tätig, die er von 1993-98 leitete. Seit 1998 ist Martin Berthoud Leiter der Hauptabteilung Programmplanung beim ZDF und ist unter anderem für die Sendeplanung verantwortlich.

Quelle: ZDF

Weder macht das Weltgeschehen Pause noch fahren heutzutage alle gleichzeitig in den Urlaub. Früher war mehr Sommerloch. Darauf stellen sich alle ein, nur nicht ARD und ZDF.

Das stimmt nicht. Inzwischen nutzen wir den Sommer viel mehr für Experimente und neue Formate. Denken Sie an die Sitcoms am Freitag, den „Donnerstalk“ mit Dunja Hayali oder die „Lars Reichow-Show“.

Na ja, die „Lars Reichow-Show“ …

… ja, die ist bisher nicht auf die Resonanz gestoßen, die wir uns erwünscht hätten.

Sie greifen punktuelle Beispiele heraus. Unterm Strich hat der Zuschauer dennoch den Eindruck: Im Sommer lohnt es sich nicht fernzusehen.

Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Wir hatten kürzlich sonnabends „München Mord“ im Programm. Bei der Erstausstrahlung sahen das 6,8 Millionen, bei der Wiederholung jetzt knapp fünf Millionen. Wir haben das dann genauer untersucht und festgestellt: Zwei Drittel von diesen fünf Millionen hatten das zum allerersten Mal gesehen.

Vielleicht aus Not, weil auch sonst nichts lief. Sie bekommen im Sommer dasselbe Gehalt wie im Winter, so wie der Zuschauer im August denselben Rundfunkbeitrag zahlt wie im Februar – mit dem Unterschied, dass er im August dafür weniger bekommt. Finden Sie das denn in Ordnung?

Zwei Aspekte will ich zu bedenken geben: Fernsehen ist ein Massenmedium, der Markt ist inzwischen aber hochfragmentiert mit vielen Klein- und Kleinstsendern. Das führt dazu, dass die einzelne Sendung bei der Erstausstrahlung nie ihr volles Publikumspotenzial ausschöpft. Dafür läuft einfach zu viel Interessantes parallel. Früher war das anders. Da hatte eine „Schwarzwaldklinik“ bei der ersten Ausstrahlung 18 Millionen Zuschauer. Insofern finde ich legitim, die Wiederholung als Strategie zu nutzen, um einer aufwendigen, fiktionalen Produktion, in der vom Drehbuch bis zur Regie viel Kreativität und Herzblut steckt, das Publikum zuzuführen, das sie verdient.

Und was ist für Sie der zweite Aspekt?

Dass wir via Haushaltsabgabe von allen Zuschauern finanziert werden, verpflichtet uns zu einem möglichst vielfältigen, variantenreichen Programm, das am Puls der Zeit ist und einen hohen Frischegrad hat.

Das wäre schön ...

Es verpflichtet uns aber zugleich auch, möglichst wirtschaftlich mit unseren Finanzmitteln umzugehen.

Was Sie sagen wollen ist: Da im Sommer vergleichsweise weniger Menschen fernsehen, wird weniger Geld fürs Programm ausgegeben?

Fakt ist: An einem Januartag schauen etwa 52 Millionen Menschen fern, im Juli 47 Millionen, also rund zehn Prozent weniger.

Interview: Ulrike Simon

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Medien
HAZ-Volontäre gewinnen Medienpreis der Architektenkammer

Mit ihrer multimedialen Berichterstattung über die Wasserstadt Limmer haben die Volontäre der HAZ beim Medienpreis der Bundesarchitektenkammer den ersten Platz belegt.

Datenschutz im Netz: Diese Begriffe sollten Sie kennen