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00:17 17.07.2015
Dietmar Wolff, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger. Quelle: Bernd von Jutrczenka
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Berlin

Nicht jede journalistische Enthüllung schafft es in die „Tagesschau“, auch nicht jede zieht nationale, gar weltweite Konsequenzen nach sich. Dietmar Wolff, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), nannte am Dienstag explizit die „Süddeutsche Zeitung“, der das immer wieder gelingt, die aber auch im Verbund mit WDR und NDR und häufig mit weiteren, internationalen Zeitungen kooperiert.

Dies, sagte Wolff, sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass für alle Zeitungen, allen voran für regionale Zeitungen gelte: Kein Medium produziert mehr Enthüllungen. Insofern stimmte Wolff nicht nur Bundestagspräsident Norbert Lammert zu, der Zeitungen als systemrelevant für die Demokratie bezeichnet. Er begrüßte auch nicht nur, was erst neulich die Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag des ZDF herausgefunden hat – nämlich, dass Regionalzeitungen noch vor den Überregionalen und vor ARD und ZDF die höchste Glaubwürdigkeit genießen.

"Volkswirtschaftliche Hebelwirkung"

Mehr noch, sagte Wolff: Als Medium, das auch im beruflichen Alltag anwendbares Wissen verbreitet, besitze die Zeitung eine „volkswirtschaftliche Hebelwirkung“. Damit war Wolff in seiner Argumentationskette dort angelangt, wohin er wollte: Bei der Mahnung an den Gesetzgeber, er möge all das bitte bedenken und den Zeitungen nicht zusätzliche Eingriffe aufnötigen, „die uns das Leben schwer machen“.

Beispiel Mindestlohn: Für die 160.000 Zusteller, die allmorgendlich die Zeitungen in die Briefkästen der Abonnenten stecken, müssten Zeitungsverlage seit Einführung des flächendeckenden, gesetzlichen Mindestlohns 230 Millionen Euro mehr aufwenden – da helfe auch die für Zusteller geltende stufenweise Erhöhung nicht, ergänzte Wolff und forderte neue, der veränderten Medienlandschaft angemessene Rahmenbedingungen, „die dann aber auch schneller als bisher durchgesetzt werden sollten“.

Geringerer Verlust bei regionalen Abo-Zeitungen

Beim Blick auf die aktuelle Situation im Zeitungsmarkt spielen regionale Abo-Zeitungen auch in anderer Hinsicht eine herauszuhebende Rolle. Ihre Auflagen sanken um nur 2,6 Prozent – im Vergleich zu minus sieben Prozent bei den Überregionalen und mehr als zehn Prozent bei den Boulevardzeitungen. Besser schnitten Tageszeitungen 2014 auch bei den Vertriebs- und Anzeigenumsätzen ab: Sie verloren lediglich 0,2 Prozent – im Vergleich zu Wochen- und Sonntagstiteln mit ihrem Rückgang um fast acht Prozent. Unterm Strich summieren sich die Erlöse aller Zeitungen auf 7,8 Milliarden Euro. Im Vorjahr waren es 0,6 Prozent mehr.

Eine wachsende Bedeutung kommt den elektronischen Ausgaben zu: Die Auflage aller E-Paper stieg innerhalb eines Jahres um fast ein Drittel auf 733.000 Exemplare. Gestiegen ist nach Angaben des BDZV zudem die Zahl der Zeitungen, die online Geld für die Nutzung ihres Angebots verlangen: 120 Titel werden es bis Ende dieses Jahres sein. Die Erkenntnis der Leser, „dass qualitätsvolle Inhalte einen Preis haben“, sagt Wolff, scheint also gestiegen zu sein. Laut einer Studie des Digitalverbands Bitkom hat 2014 jeder dritte Internet-Nutzer für Redaktionelles im Durchschnitt 15 Euro pro Monat ausgegeben. Im Jahr zuvor galt das nur für jeden vierten Internet-Nutzer.

Zusätzliche Reichweiten auf dem digitalen Weg

Wachstumstreiber im Zeitungsmarkt ist ohnehin das Digitalgeschäft. Zum einen erwirtschaften die Verlage mit digitalen Dossiers, Apps und anderen Angeboten zusätzliche Umsätze, deren Höhe der BDZV bisher nicht erhebt. Zum anderen erreichen die Zeitungen digital zusätzliche Reichweiten, auch in der jungen und mittleren Generation. Noch unterscheiden sich die Erhebungsweisen, weshalb sich die Print- und Online-Reichweiten mit den mobilen nicht einfach addieren lassen.

Nach Angaben der Zeitungs-Marketing-Gesellschaft (ZMG) erreichen Zeitungen jedoch 8,4 Millionen und damit knapp ein Viertel der mobilen Nutzer. Rein mit ihren gedruckten und Online-Ausgaben nutzen knapp 52 Millionen bzw. 73 Prozent der deutschsprachigen Bevölkerung Zeitungen. Das alles scheint den Verlegern Anlass zu sein, anders als in den depressiven Vorjahren nicht mehr ganz so trübe in die Zukunft zu blicken. Offiziell sprach der BDZV gar: von Optimismus.

Ulrike Simon

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