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Medienwandel

Jeff Jarvis sieht im Umbruch eine Chance

Der US-Amerikaner Jeff Jarvis berät Medien beim Übergang zur Internetgesellschaft. Beim Kongress „Next 09“ in Hamburg äußerte er sich über die Unterschiede zwischen dem amerikanischen und dem deutschen Markt.

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Jeff Jarvis

"Veränderung kann auch Spaß machen": Jeff Jarvis

© Dirk Kirchberg

In den USA sterben Zeitungen, Journalisten werden entlassen. In Deutschland dagegen scheint man noch abzuwarten.

Wir haben in den USA das Bild des Kanarienvogels in der Kohlenmine: Die Arbeiter nehmen ihn mit in die Mine, und wenn der Vogel stirbt, hat man ein Problem. Europa sollte die USA als seinen Kanarienvogel verstehen. Die europäische Zeitungsmarkt funktioniert zwar anders, weil es hier eine Vielzahl von Angeboten gibt. So haben deutsche Zeitungsverleger vielleicht ein wenig mehr Zeit als ihre amerikanischen Pendants. Aber diese Annahme kann auch gefährlich werden.

Müssen Unternehmen erst an der Klippe stehen, bevor sie sich ändern?

Veränderung kann auch Spaß machen. Sehen Sie mich an: Ich bin 54 und habe einen grauen Bart. Das Internet bereitete mir eine zweite Kindheit. Ich unterrichte heute junge Menschen, die Journalisten werden wollen. Wir unterrichten die klassischen Fähigkeiten, die „ewigen Wahrheiten“: Fairness, Genauigkeit und Vollständigkeit.

Aber es gibt auch neue Fähigkeiten, die Journalisten heute lernen müssen, wenn sie Journalismus als Service für die Gesellschaft verstehen. Journalisten werden lernen müssen, dass zukünftig noch mehr in Zusammenarbeit mit den Menschen entstehen wird. Sie werden sich mit ihren Lesern mehr auseinandersetzen, ihnen zuhören, sie motivieren und fördern. Sich auf diese Wechselwirkung einzulassen, mag anfangs schwerfallen. Auch ich musste diesen Respekt erst lernen.

Was ist mit Journalisten und Lesern, die das Internet nicht als kommende Nachrichtenplattform wahrnehmen?

Wir liebten auch mal Pferde, aber wir reiten sie nicht mehr. Wir fuhren plötzlich mit Autos, Bussen und Zügen. Die Menschen werden sich unterwegs anpassen. Eine typische Reaktion ist Ablehnung. Das funktioniert schon jetzt nicht mehr. Eine andere ist Jammern, was nicht besonders produktiv ist. Die richtige Reaktion ist, in der Veränderung die Chance zu erkennen. Umbruch ist unvermeidlich.

[Dirk Kirchberg]

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