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Hier spricht die "Lügenpresse"

Reaktion auf Pegida-Vorwürfe Hier spricht die "Lügenpresse"

Mit einer eigenen Webseite wehren sich zahlreiche Journalisten gegen die Verunglimpfung als "Lügenpresse". In kurzen Videos erklären Macher - vom freien Fotografen über "Bild"-Redaktionsleiter bis zum Chefredakteur - ihre Beweggründe.

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Quelle: screenshot/Lügenpresse.de

Hannover/Dresden. 2014 war das Jahr der "Lügenpresse". Der oft auf Demonstrationen von Pegida- und AfD-Anhängern in Sprechchören skandierte Begriff brachte es zum Titel "Unwort des Jahres". Doch anders als mancher Vorgänger in dieser Kategorie ist die "Lügenpresse" auch 2016 noch weit verbreitet. Weiterhin verwenden Menschen das Wort, um etablierten "Mainstream"-Medien eine politische gefärbte und/oder von oben gesteuerte Berichterstattung vorzuwerfen.

Von "Lügenpresse" über "Döner-Morde" bis zu "Notleidende Banken": Die von Sprachwissenschaftlern gewählten "Unwörter" des Jahres gelten als Ausdruck des Zeitgeistes. Wir blicken auf die letzten sieben Unwörter des Jahres zurück.

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"Über Monate haben wir geschwiegen"

Nun gehen mehrere Journalisten in die Gegenoffensive. Die DDV Mediengruppe hat vor wenigen Tagen die Internetseite Lügenpresse.de freigeschaltet. Auf dem eigenen Portal berichten sie in Videobotschaften über ihre Erfahrungen mit den Vorwürfen. Bislang 20 Journalisten – vom freien Fotografen über den Redaktionsleiter der "Bild" in Ostdeutschland bis zum Chefredakteur der Leipziger Volkszeitung – wehren sich gegen die Vorwürfen von "Pauschal-Verurteilern".

In einem kurzen Info-Text erklären sie ihre Beweggründe: "Über Monate haben wir Journalisten geschwiegen. Wir ließen uns beschimpfen und wehrten uns kaum. Wir ertrugen den Un-Sinn aller Montagsredner und waren fortan die 'Lügenpresse'. Überall! Im Fußball-Stadion, im Stadtgespräch, sogar im Familienkreis. Und viele dachten, das geht von allein wieder weg. Tut es aber nicht! Deshalb wird es Zeit, dass die 'Lügenpresse' das Wort ergreift und wir unsere Version erzählen. Hier spricht also die 'Lügenpresse'!"

Schwarz-Weiß-Bilder mit Absicht

Mit der absichtlichen Verwendung von Schwarz-Weiß-Bildern auf der Startseite setzt sich die Seite einen weiteren Akzent. "Die Internet-Seite Lügenpresse.de ist schwarz-weiß, so wie die Sichtweise der Lügenpresse-Schreier. Vielleicht schauen auch diese Pauschal-Verurteiler neugierig auf unserer Seite vorbei, sehen unsere (farbigen) Videos und erkennen, dass das Leben bunt ist", erklären die Verantwortlichen der DDV Mediengruppe auf der Webseite.

Die einzelnen Video-Beiträge können übrigens nicht kommentiert werden. Gleichwohl wollen sich die Macher auch einer Diskussion nicht verschließen. Unter jedem Video wird auf die Facebook-Seite von Lügenpresse.de verwiesen, wo die Diskussion erwünscht ist. Noch hält sich diese dort aber in Grenzen – was wohl auch an der Bekannthet der erst vor wenigen Tagen online gegangenen Facebook-Seite liegt.

zys

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