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Neue Standards für die Journalistenausbildung

Journalistenschulen beschließen Charta Neue Standards für die Journalistenausbildung

Gute Journalisten brauchen eine gute Ausbildung. Im Kampf gegen dubiose Journalistenschulen haben sich elf der führenden Medienakademien auf eine gemeinsame Charta geeinigt, um die Qualitätsstandards der Ausbildung zu sichern.

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Der Journalismus ist für viele junge Menschen der Traumberuf. Da es aber keine gesetzlichen Vorgaben für die Ausbildung gibt, landen viele bei dubiosen Journalistenschulen.

Quelle: Jan Woitas/dpa

Hamburg. Junge Menschen, die Journalist werden wollen, lernen die Finessen der Recherche zwar erst noch. Eines aber sollten sie bereits vor Beginn ihrer Ausbildung können: die richtige Ausbildungsstätte finden. Schnell zeigt sich sonst, dass auf Google allein kein Verlass ist.

Findet Google die besten Journalistenschulen?

Gibt man dort den Suchbegriff "Journalistenschule" ein, erscheinen als erste Ergebnisse Links, für die bezahlt wurde, damit sie ganz oben stehen. Sie führen, um die ersten, aber nur vermeintlich besten Treffer zu nennen, zu Seiten wie journalistenkolleg.de, freie-journalistenschule.de oder schule-des-schreibens.de. Wahlweise werben diese Einrichtungen mit ihrer Größe, jahrzehntelangen Erfahrung oder wenigstens mit ihrem Sitz "in der Stadt der Dichter und Denker".

Oft weisen sie darauf hin, anders als andere Schulen unabhängig zu sein von Medienhäusern, Parteien oder Kirchen. Aber lernt man in ihren Online-Workshops und virtuellen Klassenzimmern tatsächlich alles, "was Sie für Ihren Erfolg brauchen", wie einer der Anbieter behauptet? Fest steht: Sie verlangen von den Teilnehmern stattliche Gebühren.

Als Jörg Sadrozinski noch bei ARD aktuell arbeitete, bekam auch er manche Bewerbung von Absolventen dubioser Journalistenschulen. Chancen hatten sie keine. Inzwischen leitet Sadrozinski die Deutsche Journalistenschule (DJS) in München, eine der anerkanntesten hierzulande. Doch immer, wenn er sich mit den Leitern anderer Journalistenschulen traf, ärgerten sie sich über jene, die jungen Menschen mit dem Berufswunsch Journalist keine seriöse Ausbildung bieten. Dagegen wollten sie etwas tun.

Selbstverpflichtung soll Qualitätsstandards sichern

An diesem Freitag wird in Hamburg die "Charta der deutschen Journalistenschulen" vorgestellt. Zu der bis Sonnabend dauernden Konferenz des "Netzwerks Recherche" pilgern, wie jedes Jahr, mehrere hundert Journalisten. Eine gute Bühne, um auf die Charta aufmerksam zu machen. Mit ihr verpflichten sich neben der DJS zehn weitere Journalistenschulen freiwillig zu Transparenz und gewissen Standards in der Ausbildung.

Dazu gehört, die jeweilige Gesellschaftsform und Finanzierung der Schulen offenzulegen, Berwerbungskriterien und –verfahren zu benennen, die Lehrziele und -inhalte, die Dauer und den Aufbau der Ausbildung zu erläutern. Auch Angaben zur technischen Ausstattung und zur Qualifikation ihrer jeweiligen Dozenten soll es geben. "Wir legen damit erstmals einen Rahmen für die journalistische Ausbildung fest", sagt Sadrozinski.

Keine gesetzlichen Vorgaben für Journalistenausbildung

Die habe es bisher auch deshalb nicht gegeben, weil der Zugang zum Journalistenberuf aus verfassungsrechtlichen Gründen frei zu sein hat. Da nach Artikel 5 jeder das Recht hat, seine Meinung frei zu äußern und zu verbreiten, gibt es für diesen Beruf weder gesetzliche Zugangskriterien noch Vorgaben zur Ausbildung.

Gerade in schwierigen Zeiten gelte jedoch, die Attraktivität des Berufs zu erhalten, schreiben die elf Unterzeichner der Charta. Ihnen gehe es darum, "einen Beitrag zur Qualitätssicherung der Ausbildung" zu leisten, aber auch "eine Debatte über die Ausbildungsqualität insgesamt anzuregen". Die freiwillige Selbstverpflichtung dient nebenbei als Instrument, sich von unseriösen Anbietern abzuheben. Sadrozinski sagt: "Die Charta ist ein erster Schritt zu mehr Transparenz und Professionalisierung unseres Berufsstands".

Logo macht auf gemeinsame Initiative aufmerksam

Als Orientierungshilfe für Interessenten werden künftig die Webseiten der elf Schulen um ein entsprechendes Logo ergänzt. Es zeigt die beiden in sich verschlungenen Buchstaben Q und J (für Qualitätsjournalismus). Ein Klick darauf soll auf eine Seite führen, die die Charta erläutert. Inhaltlich sind die Kriterien allerdings dürftig. Zwar ist darin viel von Haltung und Qualität die Rede. Was damit gemeint ist, bleibt vage.

Sadrozinski sagt, die Charta sei der "kleinste gemeinsame Nenner", nicht mehr als "ein erster Aufschlag". Zu einem späteren Zeitpunkt könnten die Kriterien ergänzt und verschärft werden. Auch sei man für die Aufnahme weiterer Schulen offen. Ihre Leiter wollen sich künftig halbjährlich treffen und darüber wachen, dass die Selbstverpflichtung eingehalten wird. Sanktionen bei Missachtung sind aber nicht vorgesehen. Insofern wirkt die Charta zumindest bisher mehr von gutem Willen geprägt als von Konsequenz.

Die elf Erstunterzeichner der „Charta für Journalistenschulen“

  • die Axel Springer Akademie
  • die Burda Journalistenschule
  • die Deutsche Journalistenschule
  • die Evangelische Journalistenschule
  • die Elektronische Medienschule
  • die Henri-Nannen-Schule
  • die katholische Journalistenschule ifp
  • die Journalisten-Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung
  • die Kölner Journalistenschule
  • die Medienakademie Ruhr
  • die RTL Journalistenschule

Von Ulrike Simon

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