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Medien Kachelmann gibt ARD Mitschuld an Unwettertoten
Nachrichten Medien Kachelmann gibt ARD Mitschuld an Unwettertoten
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12:40 02.06.2016
Erneuert seine Kritik an den Wetterredaktionen der ARD: Jörg Kachelmann. Quelle: dpa
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Augsburg

Der Meteorologe Jörg Kachelmann hat im Zuge der Berichterstattung über die folgenschweren Unwetter in Niederbayern seine Vorwürfe gegen die ARD erneuert. Insbesondere dem Bayerischen Rundfunk wirft Kachelmann vor, nur unzureichend auf Unwetter-Warnungen des Deutschen Wetterdienstes zu reagieren. "Sie konnten oder wollten wieder nicht, wegen Faulheit, Dummheit und Inkompetenz oder allem zusammen", schreibt Kachelmann auf seiner Webseite.

"#Hochwatergate reloaded"

Schon im Zuge der Verwüstungen am Sonntag Abend in Baden-Württemberg und Franken durch das Tief "Elvira" hatte Kachelmann Kritik geübt. Insbesondere der ARD warf er vor, zu spät und zu zurückhaltend berichtet zu haben.

"Es ist unglaublich. Wenn es Tote gibt, haben auch @DasErste @SWRdirekt und @BR_Presse diese auf dem Gewissen", hatte Kachelmann am späten Sonntagabend getwittert. In einem Beitrag auf seiner Webseite sprach er in Anspielung an den US-Politskandal Watergate von einem "Hochwatergate", das sich in der Nacht zu Montag abgespielt habe. Die ARD wies die Vorwürfe zurück.

"Bräsige Anstalt"

Im neuen Artikel knüpft Kachelmann daran an. "#Hochwatergate reloaded" ist dieser überschrieben. Darin bezeichnet er die ARD bzw. den Bayerischen Rundfunk mehrfach als "bräsige Anstalt", die seine, per Twitter verschickten Warnungen, ignoriert habe. "Der Bayerische Rundfunk hat bis heute nicht verstanden, was sein Auftrag bedeutet", schreibt Kachelmann.

Das Wasser kam schnell: Im Landkreis Rottal-Inn in Niederbayern wurden Gemeinden vom Hochwasser überrascht. Hubschrauber mussten Menschen von Häuserdächern retten. Kinder wurden in Schulen und Kindergärten eingeschlossen, tausende Haushalte waren ohne Strom – mindestens vier Menschen starben.

"Faulheit kostet immer neue Menschenleben" ist der gesamte Artikel überschrieben. Kachelmann spielt damit direkt auf die erneuten Todesopfer an. In Baden-Württemberg und Franken waren am Sonntag durch das Tief "Elvira" vier Menschen ums Leben gekommen. Bei der verheerende Flut in Niederbayern vom Mittwoch sind mindestens vier Menschen gestorben.

"Es geht nicht darum, früher zu warnen. Es geht darum, zu arbeiten", schreibt Kachelmann in seinem Fazit.

Schwere Gewitter, extremer Regen und Sturm haben in Baden-Württemberg und Bayern immense Schäden angerichtet. Die Behörden sprechen von einer Naturkatastrophe.

Losgelöst von der Kachelmann-Kritik wurden auch bayerische Hochwasserexperten von der Flut überrascht. Der Hochwassernachrichtendienst des Augsburger Umwelt-Landesamtes hatte am Mittwochvormittag wenige Stunden vor den verheerenden Überflutungen im Kreis Rottal-Inn lediglich vereinzelte Überschwemmungen der relativ harmlosen Meldestufe 1 angekündigt. Das sind laut Definition "stellenweise kleinere Ausuferungen" abseits von bebauten Grundstücken.

Zweimal wurde hochgestuft

Insgesamt gibt es vier Stufen für die Hochwasserwarnungen. Am Mittwochnachmittag um 15.30 Uhr, als in mehreren Orten bereits Land unter herrschte, gab es den nächsten Lagebericht. Darin wurde die Einschätzung korrigiert. In dem Bericht war nun von "Ausuferungen an der Rott bis Meldestufe 3" die Rede.

Viereinhalb Stunden später wurde erneut korrigiert. In dem abendlichen Bericht um 20.00 Uhr wurde von "extremen Wasserständen" nach starken Regenfällen sowie "Überflutungen über Meldestufe 4 im Gebiet der Rott" berichtet.

Eine Erklärung, warum vor der Katastrophe nicht gewarnt wurde, gab es am Donnerstag von der Landesbehörde zunächst nicht.

RND/zys/dpa

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