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Karola Wille übernimmt ARD-Vorsitz

Nach Lutz Marmor Karola Wille übernimmt ARD-Vorsitz

Ab Januar 2016 übernimmt die MDR-Intendantin Karola Wille den ARD-Vorsitz von Lutz Marmor. Die 56-Jährige will für Glaubwürdigkeit und Transparenz beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk sorgen.

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Bald an der Spitze der ARD: Karola Wille.

Quelle: Peter Endig

Leipzig. Im Januar übernehmen Sie zusätzlich zu Ihren Aufgaben als MDR-Intendantin den ARD-Vorsitz. Ist Ihnen schon mulmig?
Mulmig nicht, aber die Spannung wächst. Der MDR übernimmt den Vorsitz in einer Zeit, in der Politik, Gesellschaft und Medien vor wichtigen Herausforderungen stehen.

Was man eben so sagt: irgendetwas mit Herausforderung.
Ich habe Lutz Marmor bei der letzten Intendantentagung zwar schon das Abschiedsgeschenk, einen Basketball, überreicht. Aber noch hat der NDR-Intendant und leidenschaftliche Basketballspieler Lutz Marmor den ARD-Vorsitz und das Sagen.

Zur Person: Karola Wille

Karola Wille, 56, war lange Jahre Justiziarin des MDR, bevor der Rundfunkrat sie im November 2011 gegen den Widerstand der sächsischen Staatskanzlei  zur Intendantin gewählt hat. Von 2016 an führt sie als Vorsitzende die Geschäfte der ARD. Themen ihrer Amtszeit werden unter anderem sein: der angemeldete höhere Finanzbedarf der ARD, der Erwerb von Sportrechten (Olympia, Bundesliga) und die Umstellung von UKW auf DAB plus.

Marmor hat sich für seine Amtszeit Transparenz auf die Fahne geschrieben. Und Sie?
Unser Ziel muss sein, dass die Zuschauer und Hörer uns Glauben schenken und vertrauen. Dafür ist Transparenz nötig. Glaubwürdigkeit schreibe ich zusätzlich auf die Fahne. Als öffentlich-rechtlicher Rundfunk müssen wir unsere Glaubwürdigkeit immer wieder neu untermauern und stärken.

Als Intendantin, die einen von Betrugsaffären gezeichneten MDR übernommen hat, wissen Sie, wovon Sie reden.
Der MDR hatte ein Problem mit seinem Unternehmensimage, weniger mit der Glaubwürdigkeit seiner Berichterstattung.

Wie ist der Stand der Verfahren rund um den Kika und den Ex-Unterhaltungschef Udo Foht?
Was wir aufklären konnten, haben wir aufgeklärt, die Konsequenzen sind gezogen. Beim Kika laufen die Schadensersatzverfahren zum Teil noch. Die Vorgänge um den Ex-Unterhaltungschef sind noch nicht abgeschlossen. Das liegt in der Hand der Justiz.

Wie glaubwürdig ist eine Intendantin einer Drei-Länder-Anstalt, deren Parlamente es nicht schaffen, sich auf einen neuen Staatsvertrag zu einigen und den Rundfunkrat staatsferner und damit verfassungsrechtlich konform zu besetzen?
Die Glaubwürdigkeit des Hauses hängt von der Seriosität seiner publizistischen Angebote und von seinem wirtschaftlichen Handeln ab, nicht von Landtagsbeschlüssen.

Erst einmal aber wurde der Rundfunkrat für die nächsten sechs Jahre nach den alten Regeln neu besetzt. Ganz so, als habe es das Karlsruher Urteil nicht gegeben.
Das Gremium hat bei meiner Wahl vor vier Jahren bewiesen, dass es sich gegen politische Einflussnahme zu wehren weiß.

Wie impertinent ist es aber, dass sich am Dienstag mit Steffen Flath ausgerechnet der langjährige sächsische CDU-Fraktionschef zum Vorsitzenden des Rundfunkrats wählen lassen will?
Für uns ist es wichtig, dass die Führung des Hauses ihre Aufgaben bewältigen und glaubwürdig agieren kann. Personalentscheidungen im Rundfunkrat sind Sache des Gremiums, Rechtsfragen sind Sache der Länder.

Immer wieder werden bei der ARD Dinge verteidigt, bei denen in Wahrheit jeder weiß: Da ist etwas schiefgelaufen.
Sollte tatsächlich etwas schieflaufen, müssen wir das künftig anders machen. Das ist eine Frage der Fehlerkultur.

Waren Sie so überrascht wie der hessische Intendant Helmut Reitze, als es neulich hieß, Thüringen wolle weg vom MDR und bei nächster Gelegenheit zum Hessischen Rundfunk rübermachen?
In der Tat. Es gibt eine strukturelle Schieflage, die schon im Staatsvertrag angelegt ist. Thüringen hatte zudem den Eindruck, der MDR investiere zu wenig. Das stimmt aber nicht. Es gibt neben "Familie Dr. Kleist" inzwischen den Thüringer "Tatort", auch die "Jungen Ärzte" und "Akte Ex". Außerdem gibt es seit vielen Jahren den Kinderkanal in Erfurt. Darüber hinaus die Werbe GmbH des MDR, aber deren Steuern fließen nach einer normativen Änderung mittlerweile nach Leipzig. Da geht es um Millionen.

Wie haben Sie Thüringen besänftigt?
Der MDR wird beispielsweise in Erfurt für ganz Mitteldeutschland ein Zentrum für Medienkompetenz mit einer eigenen, trimedialen Redaktion aufbauen. Wir wollen herausfinden, wie die Menschen mit den Medien umgehen. Die Redaktion soll TV- und Radioformate und eine Website konzipieren, Beiträge für Sendungen produzieren und ein eigenes Medienmagazin aufbauen.

Wie "Zapp" vom NDR?
Es soll konsequent trimedial werden, Hörfunk und Netz einschließen. Ich bin von der strategischen Relevanz des Themas überzeugt. Es geht um nicht weniger als den selbstbestimmten Umgang mit der sich ständig ändernden Medienwelt.

Apropos trimedial: Statt in TV, Radio, Online unterteilen Sie beim MDR künftig in Jugend, Bildung, Wissen, Kultur in Halle und Information in Leipzig. Wer kümmert sich um die Umsetzung, wenn Sie sich auf den ARD-Vorsitz konzentrieren?
Ich habe meinen Stab in der Intendanz, acht Direktoren und einen Abwesenheitsvertreter, Lenkungsausschüsse ... Das sollte reichen. Ich bin ja nicht aus der Welt.

Der Radiosender MDR Info und die Website MDR Online werden zugunsten einer einheitlichen Marke umbenannt und heißen künftig wie das TV-Format MDR aktuell. Wann wird das sein?
Im Sommer 2016, spätestens zum 1. Januar 2017, dem 25. Geburtstag des MDR. Der ganze Sender wird dann ein neues Erscheinungsbild bekommen. Leider wird der 1000 Quadratmeter große trimediale Newsroom in Leipzig erst im Jahr darauf fertig. Erst 2018 werden alle Umzüge bewältigt sein. 

Welche Zeichen kann ein mittlerer, ostdeutscher Sender in der ARD setzen?
In Zeiten, in denen Europa auseinanderzufallen droht, ist es gut, wenn eine starke Stimme aus Ostdeutschland an der Spitze der ARD spricht. Wir wissen um die Schwierigkeiten in Polen, haben auch in Tschechien Kooperationen geschlossen und können den Dialog mit den osteuropäischen Nachbarn mitgestalten.

Von Ulrike Simon

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