Volltextsuche über das Angebot:

21°/ 12° Regenschauer

Navigation:
Die größte Medienschau Europas

LeadAwards Die größte Medienschau Europas

Die LeadAwards gelten als die Oscars der Medienbranche. In Hamburg sind die Nominierten derzeit zu sehen.

Voriger Artikel
„Gala“-Chefredakteur löst Dominik Wichmann ab
Nächster Artikel
Der Welterklärer

Eine Wandinstallation der "Visual Leader 2014" zeigt 82 ausgewählte Seiten der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ), die vom langjährigen FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher verantwortet oder verfasst wurden. Die Ausstellung zeigt vom 26. Juli bis zum 5. Oktober die Nominierten für die LeadAwards, der wichtigsten Auszeichnung für Print- und Online-Medien in Deutschland.

Quelle: dpa

Hamburg. Markus Peichl ist ein sehr erfahrener Medienunternehmer. Wenn der 56 Jahre alte gebürtige Österreicher seine Analysen von sich gibt, horchen Zeitungsmacher im deutschsprachigen Raum auf. Zum Beispiel wenn er sagt, man sei versucht zu sagen, wenn es der Presse schlecht gehe, gehe es auf der anderen Seite der Kreativität gut.

Ein Satz, der nachklingt – und treffend jene Kreativleistungen beschreibt, die derzeit in den Hamburger Deichtorhallen gezeigt werden. Denn Peichl ist nicht nur Unternehmer, er ist auch Leiter der „Lead Academy für Mediendesign“, die jährlich mit einer opulenten Ausstellung in der Hansestadt die Medien-Oscars verleiht. Zu sehen sind Fotoserien, Zeitschriftenbeiträge, Anzeigen, Werbefilme und Webseiten, die im vergangenen Jahr erschienen sind. „Die Schau ist eine Standortbestimmung der Kreativszene. Sie gibt Impulse für mehr Innovation in Print und Online“, sagte Ingo Taubhorn, Kurator des Hamburger Hauses der Fotografie.

Sämtliche ausgestellten Beiträge sind für jene Medien-Oscars nominiert, die allerdings, wie bei deutschen Medienleuten üblich, englisch und orthografisch eigenwillig LeadAwards heißen. Im September wird Gold, Silber und Bronze vergeben, während der Ausstellungszeit dürfen auch die Besucher ihr Votum abgeben.

Markus Peichl ist tatsächlich der Meinung, dass all die ausgesuchten Titelbilder, Magazinstrecken und Reportagen belegen, dass sich die gedruckten Medien den vielfältigen Anfechtungen – Anzeigenschwund, Internetkonkurrenz, Social-Media-Rummel – entgegenstemmen und die Art Direktoren aus der Krise Funken schlagen. „Der kreative Output verhält sich entgegengesetzt zur wirtschaftlichen Lage“, meint Peichl. Taubhorn assistiert in gehobener Diktion: „Es ist ein Paradigmenwechsel in den Zeitungen zu erkennen. Innovatives Design wird zum Standard.“ Beide bemerken, dass die gedruckten Medien sich gegen die elektronische Konkurrenz auch dadurch wehren, dass sie „Relevanz qua Originalität“ vermitteln. Will sagen: Wichtige Themen werden so aufbereitet, dass auch der weniger informierte Leser innehält und Interesse entwickelt an Debatten.

Optik allein schafft noch keine Erkenntnis

Es geht bei „Visual Leader 2014“ nur um den optischen Eindruck. Der ist naturgemäß bei Magazinen wie denen von „Zeit“ und „Süddeutscher Zeitung“, bei „stern“, „Spiegel“ oder dem Zeitgeist-Titel „Vice“ hoch. In diesem Jahr ist auch das „Hamburger Abendblatt“ mit einer Ausgabe nominiert, die vom 
Art Directors Club, einem Eliteverein der Gestalter, mit handgeschriebenen Überschriften und Zeichnungen veredelt wurde.

In der Kategorie „Still-Life-Fotografie“ sticht ein Beitrag aus dem „stern“ hervor: Er zeigt unter dem Titel „Banalität des Bösen“ Bilder eines Teddybären, eines angekokelten Stadtplans von Dortmund oder einer Handgranate. Bemerkenswert ist die Zusammenstellung, weil sie von Ermittlungsbehörden stammt, die die Taten des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) dokumentierten. Es verhält sich dabei allerdings wie bei den Reportagefotos – zum Beispiel den hervorragenden Bildern von Joakim Eskildsen aus der Zeitschrift „Geo“ („Eine Rückkehr zu den Kindern“): Die Optik allein schafft noch keine Erkenntnis. Auch die als „Foto des Jahres“ nominierten Bilder sind ohne Erläuterung nicht verständlich. Das Foto „Vorbild in Not“, auf dem ein weinender Uli Hoeneß zu sehen ist, bleibt nur so lange ein allgemein verständliches Dokument, 
solange die Erinnerung an jene Mitgliederversammlung des FC Bayern München wach ist, bei der Hoeneß seinen Gefühlsausbruch hatte.

Einer der Vordenker des innovativen Journalismus ist soeben verstorben: Frank Schirrmacher, Mitherausgeber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ („FAZ“). Ihm wird an einer Wand gehuldigt, auf der „FAZ“-Seiten mit seinen Ideen und Texten sind: Interviews mit Günter Grass oder der legendäre Abdruck der letzten Sequenz des menschlichen Erbguts.

„Schirrmacher war Avantgarde“, lobt Peichl. Er selbst ist übrigens ein schlechter Kronzeuge für seine Thesen: Er war in den achtziger Jahren Erfinder des Zeitgeistmagazins „Tempo“, das Maßstäbe für Zeitschriftendesign setzte. Doch das hat dem Produkt nichts genutzt, es wurde 1996 wegen mangelnden Erfolgs eingestellt.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Medien
Das sind Deutschlands beliebteste Nachrichtensprecher

"Wer ist ihr Lieblings-Nachrichtensprecher im Deutschen Fernsehen?", hat das Meinungsforschungsinstitut YouGov gefragt. Ein Anchorman hat seine Konkurrenten mühelos abgehängt.

Anzeige
Datenschutz im Netz: Diese Begriffe sollten Sie kennen