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Nachrichten Medien Londons Polizeichef tritt wegen Abhöraffäre zurück
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10:24 18.07.2011
Nach dem Abhörskandal beim britischen Boulevardblatt "News of the World" ist der Londoner Polizeichef zurückgetreten. Quelle: dpa
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London

Der Chef der Londoner Metropolitan Police, Sir Paul Stephenson, ist in der Abhör- und Bestechungsaffäre um den Medienmogul Rupert Murdoch zurückgetreten. Stephenson war ins Kreuzfeuer der Kritik geraten, als bekanntwurde, dass er sich einen Kur-Aufenthalt teilweise hatte bezahlen lassen. PR-Chef des Kur-Unternehmens war der inzwischen festgenommene frühere Journalist der Skandalzeitung „News of the World“, Neil Wallis. Bereits zuvor war öffentlich geworden, dass Polizisten gegen die Zahlung von Bestechungsgeldern Informationen an die Zeitung herausgegeben hatten.

Am Sonntag nahm die Polizei Rebekah Brooks (43), eine Top-Managerin des Murdoch-Imperiums, fest. Sie wurde nach intensiver Befragung zur Affäre gegen Kaution von der Polizei wieder freigelassen, wie Scotland Yard am frühen Montagmorgen mitteilte.

"Gefährliche Medienmacht"

Brooks war erst am Freitag als Vorstandsvorsitzende von Murdochs britischer Verlagsholding News International zurückgetreten. Sie gilt als eine der engsten Vertrauten des Medienzaren.

Die Murdoch-Affäre hatte am Wochenende mehr und mehr auf Politik und Polizei übergegriffen. Vor der mit Spannung erwarteten öffentlichen Befragung Murdochs an diesem Dienstag war Polizeichef Stephenson wegen Korruptionsvorwürfen unter Druck geraten. Premierminister David Cameron musste sich verteidigen, weil er sich in nur 15 Monaten Amtszeit 26 Mal offiziell mit Murdoch oder dessen Top-Managern getroffen hatte.

Stephenson habe sich Teile eines Kuraufenthaltes im Wert von 12.000 Pfund (13.700 Euro) von einem Spa-Betreiber bezahlen lassen, berichtete das Murdoch-Blatt „Sunday Times“ am Sonntag unter Berufung auf ein Statement der Polizei. PR-Chef des Spa-Betreibers war ausgerechnet Wallis, einstiger stellvertretender Chefredakteur der inzwischen eingestellten Sonntagszeitung „News of the World“. Er war auch als PR-Berater für Stephenson aktiv. Wallis war am vergangenen Donnerstag festgenommen worden.

Bereits in den vergangenen Tagen war ans Licht gekommen, dass Polizeibeamte Geld genommen und dafür Informationen an Journalisten weitergegeben haben. Ranghohe Redakteure der „News of the World“ sollen verwickelt sein, darunter der ehemalige Chefredakteur Andy Coulson. Auch für die Festnahme von Brooks gab die Polizei neben der Nutzung illegaler Abhörmethoden Korruption als Verdacht an.

Oppositionschef Ed Miliband forderte in einem Interview mit dem „Observer“ am Sonntag, die Gesetze zur Medienkonzentration müssten verschärft werden. Murdochs Marktmacht sei „gefährlich“, sagte der Labour-Politiker. „Er hat zu viel Macht über das öffentliche Leben in Großbritannien.“ News International kontrollierte bisher 37 Prozent des britischen Zeitungsmarktes. Murdoch gehören zusätzlich 39 Prozent am Fernseh- und Telekommunikationskonzern BSkyB.

Murdoch bat in den Wochenendausgaben aller landesweit erscheinenden Zeitungen in Großbritannien öffentlich um Entschuldigung. „We are Sorry“ lautet die Überschrift der ganzseitigen Inserate. Der Text trägt die Unterschrift des 80 Jahre alten Medienzaren. „Das Geschäft der „News of the World“ war es, andere zur Verantwortung zu ziehen. Sie versagte, als es um sie selbst ging“, heißt es in dem Text. Und Murdoch fügt hinzu: „Es ist mir klar, dass es nicht genug ist, sich einfach zu entschuldigen.“ Viele Kommentatoren werteten den Schritt als „richtig, aber zu spät.“

Tags zuvor waren die ersten beiden Top-Manager des Murdoch- Imperiums der Affäre zum Opfer gefallen. Brooks nahm als Chefin der Verlagsholding News International ihren Hut. An diesem Tag sei sie bereits über ihre bevorstehende Festnahme informiert worden, sagte ihr Sprecher am Sonntag. Kurz nach Brooks erklärte auch Les Hinton seinen Rücktritt. Er war der Vorgänger von Brooks bei News International und leitete inzwischen die US-Firma Dow Jones, wo mit dem „Wall Street Journal“ eines der Flaggschiffe der Murdoch-Presse erscheint.

kas/dpa

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