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Medienmogul Murdoch zieht Gebot für BSkyB zurück

Kein TV-Deal Medienmogul Murdoch zieht Gebot für BSkyB zurück

Der US-Medienkonzern News Corp. von Rupert Murdoch zieht als Folge der Abhöraffäre seiner britischer Zeitungen sein Gebot für die britische Senderkette BSkyB zurück. Es sei nicht länger geplant, die restlichen BSkyB-Anteile zu übernehmen, teilte News Corp. am Mittwoch mit. Damit reagierte Murdoch auf eine Forderung der britischen Politik.

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Rupert Murdoch inszeniert sich gern als netter Senior, doch der Milliardär kann auch ganz anders. Am Mittwoch jedoch erlitt er eine der empfindlichsten Niederlagen seiner Karriere.

Quelle: dpa

London. Der mächtigste Medienmogul der Welt musste in der größten kommerziellen Schlacht seines Lebens eine Niederlage einstecken. Acht Milliarden Pfund (9,1 Milliarden Euro) hatte Rupert Murdoch (80) geboten, um sich den Pay-TV-Sender BSkyB komplett unter den Nagel zu reißen – und damit die mediale Vormacht auf der Insel zu erlangen. Der Skandal um seine britischen Boulevardzeitungen aber, allen voran um die eingestellte „News of the World“, machte die Hoffnung zunichte. Am Mittwoch zog Murdoch sein Angebot zurück. Ein Paukenschlag.

Seinen Entschluss gab Murdoch wenige Minuten vor Beginn einer geplanten Unterhausdebatte bekannt, in der er von allen großen Parteien dazu aufgefordert werden sollte, von seinen TV-Plänen abzurücken. Regierungs- und Oppositionsparteien – vor wenigen Wochen noch undenkbar – verlangten gemeinsam von Murdoch, auf seine Expansionspläne im Vereinigten Königreich zu verzichten und stattdessen den Skandalen in seinem britischen Zeitungskonzern News International auf den Grund zu gehen.

Die einheitliche politische Front setzte Murdoch unter beträchtlichen Druck. Lange hatte der Verleger unbeirrt an seinem Plan festgehalten, seinem 39-Prozent-Anteil an BSkyB die restlichen 61 Prozent hinzuzufügen und so sein Unternehmen zum dominierenden Medienkonzern in Großbritannien zu machen. Nach Informationen des „Wall Street Journal“ soll Murdoch auch nach einem Käufer für seine verbleibenden britischen Zeitungen „The Sun“, „Times“ und „Sunday Times“ gesucht haben, um den politischen Druck zu mildern – bisher erfolglos.

Am Mittwoch wurde deutlich, dass er von Parlament und Regierung in London keine weitere Unterstützung mehr erwarten konnte. Selbst Premierminister David Cameron, der sich bis vor Kurzem noch für den BSkyB-Kauf durch Murdoch stark gemacht und enge persönliche Beziehungen zu Murdoch und dessen Management unterhalten hatte, distanzierte sich nachdrücklich von einem Konzern, der „seinen Stall ausmisten“ müsse, bevor er an weitere Expansion denken könne. Was im Hause Murdoch geschehen sei, sei „eine Schande“, erklärte Cameron.

Oppositionsführer Ed Miliband, der Vorsitzende der Labour-Partei, sprach von einem „Sieg der Menschen landauf, landab“ im Königreich. Noch vor wenigen Tagen hatte Cameron sich geweigert, zwischen den illegalen Aktionen der Murdoch-Presse und Murdochs Wunsch auf TV-Expansion eine Verbindung herzustellen. Inzwischen wurde eine unabhängige Untersuchung der Affäre eingeleitet. Geprüft werden sollen unter anderem Beziehungen zwischen Presse und Politikern, das Verhalten der Polizei und generell die Frage, wer „die Eignung“ besitze, ein Medienunternehmen in Großbritannien zu führen. Wer jemals inakzeptable Methoden in seiner Firma zugelassen habe, sei ungeeignet, sagte Cameron.

Inzwischen sind im Zusammenhang mit der Affäre acht Personen festgenommen worden, darunter der ehemalige „News of the World“-Chefredakteur Andy Coulson, ehemaliger Presse- und Regierungssprecher sowie „Freund“ David Camerons. Rund 3800 Personen sollen auf der Liste der Lauschopfer stehen. Mehr als 9000 Telefonapparate werden von der Polizei überprüft. Hohe Polizeioffiziere stehen selbst im Verdacht, wegen enger Verbindungen zu Murdochs Zeitungen Ermittlungen vernachlässigt oder eingestellt zu haben. Die gegenwärtigen Fahndungen können sich noch Jahre hinziehen.

Für Murdoch, den 80-jährigen Eigentümer der weltumspannenden News Corporation, bedeuten die Ereignisse in London einen besonders bitteren Rückschlag. Möglicherweise könnte der australo-amerikanische Unternehmer sogar noch die 39 Prozent verlieren, die er an BSkyB bereits hält – wenn ihm nun nämlich von der britischen Medienaufsicht nachgewiesen würde, dass er als Rundfunkbetreiber „ungeeignet“ sei.

Peter Nonnenmacher

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